Großübung im ICE-Tunnel endet im Desaster: „Wäre das hier echt, wären längst alle tot“

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Großübung im ICE-Tunnel endet im Desaster: „Wäre das hier echt, wären längst alle tot“

Stand: 11.08.2026, 08:15 Uhr

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Feuerwehr kommt zwei Stunden zu spät, Leitstellen kommunizieren per Fax: Eine ICE-Tunnelübung in Thüringen endet im totalen Fiasko.

Erfurt – Im Sandbergtunnel an der ICE-Strecke im Ilm-Kreis deckte eine Katastrophenübung am vergangenen Samstag massive Probleme auf. Was sich im 1320 Meter langen Tunnel bei Ilm in Thüringen abspielte, ließ selbst erfahrene Feuerwehrleute fassungslos zurück. „Wäre das hier echt, wären längst alle tot“, sagte ein Feuerwehrexperte laut dem Portal InSüdthüringen – und traf damit den Kern des Problems.

ICE Notfall im Sandbergtunnel - Einsatzkräfte üben für den Katastrophenschutz

Katastrophenübung im Sandbergtunnel an der ICE-Strecke endet im Fiasko. Rund 250 Einsatzkräfte trainierten für den Ernstfall. © Jacob Schröter/dpa

Mehr als 250 Einsatzkräfte aus Feuerwehr, Rettungsdienst und weiteren Organisationen trainierten den Ernstfall im Tunnel: ein brennender ICE mit rund 100 Komparsen als Passagiere an Bord. Geplant war, dass die Einsatzkräfte in maximal 25 Minuten im Eisenbahntunnel Sandberg vor Ort sind. Doch die Alarmkette dauerte viel länger als geplant. Die ersten Rettungskräfte trafen erst zwei Stunden später ein. Das Szenario erinnerte an eine Alptraumreise, als ein ICE in einem Tunnel unter den Alpen hängenblieb.

ICE-Tunnelübung: Erste Rettungskräfte treffen zwei Stunden nach dem Notruf ein

Um 10:15 Uhr hatte der Lokführer seine Notfallzentrale über den Brand im Tunnel informiert. Um 12:22 Uhr trafen die ersten Retter ein – zwei Stunden und sieben Minuten nach dem Notruf.

Nach Angaben von Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) dauerte es allein rund 15 Minuten, bis die Notrufleitstelle der Deutschen Bahn die zuständige Rettungsleitstelle im Ilm-Kreis informiert hatte. Anschließend wurden von dort aus mit Verzögerung die Feuerwehren alarmiert. Dazu kamen laut dem Innenministerium ein technischer Defekt sowie zwei schwere Verkehrsunfälle auf der Autobahn, die Einsatzkräfte forderten, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet. Einzelne Einheiten hätten zudem durch eine geänderte Einsatzplanung längere Anfahrtswege gehabt. Die genauen Abläufe würden weiter ausgewertet, hieß es.

Zu den Verzögerungen bei der Alarmierung kam ein weiteres Problem: Laut Landrätin Petra Enders kommunizierten die Thüringer Leitstellen teilweise noch per Fax. „Ein Fax halte ich für nicht mehr zeitgemäß“, so die Kommunalpolitikerin. 

„Die Übung hat Schwachstellen in der Melde- und Alarmierungskette offengelegt, die wir sehr ernst nehmen“, sagte Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD). „So etwas wie am Samstag darf es nicht noch einmal geben.“

Der Sandbergtunnel gehört zur 107 Kilometer langen ICE-Strecke zwischen Nürnberg und Erfurt. 41 Kilometer der Strecke verlaufen durch Tunnel. Eine ähnliche Übung hatte es schon einmal 2019 gegeben. In Bayern probte die Stadt Nürnberg 2026 den Mega-Ernstfall. Bei der größten Katastrophenübung seit dem 2. Weltkrieg waren 950 Einsatzkräfte beteiligt. (Quelle: MDR, Insuedthueeeringen, dpa) (ml)