Göttingen sperrt Schulstraßen morgens für Autos – auf ein Jahr
StartseiteLokalesGöttingenGöttingenStand: 15.08.2026, 08:58 UhrKommentareUns auf Google folgenNeue Regelungen: Zusammen mit der Schulleitung sowie Vertretern von Stadt, Polizei und Verkehrswacht stellte Götting...
- 4 min read
Stand: 15.08.2026, 08:58 Uhr
Kommentare

Die Stadt Göttingen hat an zwei Grundschulen Schulstraßen eingerichtet. Werktags von 7.30 bis 8.15 Uhr dürfen Eltern dort nicht mehr mit dem Auto vorfahren.
Göttingen – Zu Beginn des neuen Schuljahres hat die Stadt Göttingen probeweise zwei „Schulstraßen“ eingerichtet, mit denen die Verkehrssicherheit für Schülerinnen und Schüler auf den letzten Metern des Schulweges erhöht werden soll.
„Wir möchten mehr Eltern davon überzeugen, ihre Kinder nicht mehr mit dem Auto zur Schule zu bringen, weil dadurch ausgerechnet vor Grundschulen regelmäßig unübersichtliche und gefährliche Situationen entstehen“, sagt Göttingens Baudezernent Frithjof Look. Um zu testen, wie dieses Ziel erreicht werden kann, hat die Stadt zunächst für die Dauer von einem Jahr die Straßen Am Pfingstanger an der Hölty-Schule sowie die Bergenstraße und Abschnitte der Beyerstraße und Albrecht-von-Haller-Straße an der Brüder-Grimm-Schule und der Zweigstelle der Godehardschule ausgeguckt. Beide Straßen werden ab sofort an Werktagen vor Unterrichtsbeginn zeitweise für den motorisierten Verkehr gesperrt.
Förderung der aktiven Mobilität
„Wenn die Kinder zu Fuß oder mit dem Roller zur Schule kommen, lernen sie, sich selbstständig im Straßenverkehr zu bewegen und zu orientieren“, nennt Frithjof Look einen weiteren Vorteil des Projektes.
Auf dem Schulweg würden sie sich zudem an der frischen Luft bewegen und könnten sich mit Freunden austauschen. „Wir wollen aktive Mobilität fördern und vulnerable Gruppen schützen“, so der Dezernent.
„Elternhaltestellen“ sind gekennzeichnet
Für den Fall, dass Kinder doch einmal mit dem Auto zur Schule gebracht werden müssen, sind im direkten Schulumfeld speziell gekennzeichnete „Elternhaltestellen“ eingerichtet worden. Dort können die Kinder in direkter Nähe zur Schule aus dem Auto aussteigen und den restlichen Schulweg sicher zu Fuß zurücklegen. „Das Pilotprojekt soll zeigen, wie die Schulstraßen angenommen werden und wie es danach weitergehen könnte“, sagt Look.
Die Einrichtung der Schulstraßen gehe auf einen politischen Antrag aus dem Jahr 2023 zurück und sei im Herbst vergangenen Jahres vom Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz und Mobilität der Stadt Göttingen beschlossen worden.
Neue Regeln für Autofahrer
Und das sind die neuen Regeln: An der Hölty-Schule wird die gesamte Straße Am Pfingstanger zur Schulstraße. Werktags ist die Straße von 7.30 Uhr bis 8 Uhr für den motorisierten Verkehr gesperrt. An der Brüder-Grimm-Schule und der Zweigstelle der Godehardschule werden die Bergenstraße und Abschnitte der Beyerstraße und Albrecht-von-Haller-Straße von 7.30 Uhr bis 8.15 Uhr für den motorisierten Verkehr gesperrt.

Wegen des unterschiedlichen Unterrichtsbeginns der Schulen erfolgt die Sperrung dort etwas länger. Radfahrer dürfen die Straßen weiterhin ohne Einschränkungen nutzen, direkte Anwohner werden gebeten, die Schulstraßen in der Sperrzeit nicht zu nutzen. Sie können jedoch eine Ausnahmegenehmigung beantragen, um die Straße jederzeit unter besonderer Rücksichtnahme der gegebenen Umstände befahren zu dürfen. Am Wochenende, in den Schulferien und an anderen schulfreien Tagen gilt die Sperrung nicht.
Entwickelt wurden die neuen Regelungen in enger Abstimmung mit den Schulleitungen und der Polizei Göttingen. „Wir haben die betroffenen Eltern bei einem Elternabend, mit einem Anschreiben und einem Informations-Faltblatt über die neuen Regelungen informiert“, sagt Hölty-Schulleiterin Carina Seidenstücker. Die Resonanz sei „durchweg positiv“ gewesen, was allerdings auch kaum verwunderlich sei, habe es in der Vergangenheit doch zahlreiche Elterninitiativen zum Thema sicherer Schulweg gegeben. Die Anwohner wurden von der Stadt durch Anschreiben über die neuen Regelungen informiert.

„Zum jetzigen Zeitpunkt sind keine weiteren Schulstraßen im Stadtgebiet vorgesehen“, sagt Frithjof Look. Der Fokus liege zunächst auf einer erfolgreichen Umsetzung des Pilotprojekts, wobei der Erfolg maßgeblich von der Mitwirkung der Eltern abhängig sei. „Die abschließende Betrachtung wird über die Umsetzung weiterer Schulstraßen entscheiden“, so der Baudezernent. Über eine Verstetigung oder Ausweitung von Schulstraßen in Göttingen werde dann der Stadtrat entscheiden. Weitere Informationen gibt es unter goe.de/schulstrassen im Internet.