Mollie, der Marathon-Hamster: Strava-Held auf kurzen Beinchen

Go, Mollie, go! Ein Hamster dreht am RadAuf der Sportler-Plattform Strava können die läuferischen Exploits des Hamsters Mollie verfolgt werden. Sie lassen manchen Hobbyläufer erblassen.23.08.2026, 05.30 Uhr2 Le...

  • 3 min read
Mollie, der Marathon-Hamster: Strava-Held auf kurzen Beinchen

Go, Mollie, go! Ein Hamster dreht am Rad

Auf der Sportler-Plattform Strava können die läuferischen Exploits des Hamsters Mollie verfolgt werden. Sie lassen manchen Hobbyläufer erblassen.

23.08.2026, 05.30 Uhr

2 Leseminuten


Thijs de Buck und sein Hamster: Mollie läuft pro Woche mehr Kilometer als sein Herrchen.

Thijs de Buck und sein Hamster: Mollie läuft pro Woche mehr Kilometer als sein Herrchen.

PD

Warum machen die das eigentlich? Diese Frage kann man sich stellen, wenn man die Leute joggen sieht: mit leerem Blick und dem Rucksäckli als künstlichem Kamelhöcker  damit auch ja nie das Lebenselixier Wasser ausgeht. Ja, warum?

Optimieren Sie Ihre Browsereinstellungen

NZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.

Bitte passen Sie die Einstellungen an.

Vielleicht einfach, weil es (fast) alle tun und es mittlerweile zum guten Ton gehört, ein Konto auf Strava zu haben, dem sozialen Netzwerk der Hyperaktiven. Sieh an: Da hat eine über Mittag zehn Kilometer runtergerissen, ein anderer die Bestzeit auf seiner Hausrunde pulverisiert, ein Dritter die Höhenmeter des Mount Everest an einem Tag erlaufen. Das ist allemal ein Kudos wert, die Strava-Version des Like.

Hat da jemand gesagt, die liefen wie die Hamster im Rad? Nun, die niedlichen Tierchen vollbringen tatsächlich beachtliche sportliche Leistungen. Das beweist gerade Mollie, der erste Hamster mit eigenem Strava-Account. Sein Herrchen, der Niederländer Thijs de Buck, hat eine Art Radcomputer für das Tierchen entwickelt. Der misst Tempo und Distanz der nächtlichen Laufrunden, und alles wird automatisch auf Strava hochgeladen.

Mollie ist zehn Monate jung und seit knapp einem Monat auf Strava. Seine Fitnesswerte sind beeindruckend. Der Hamster joggt täglich, beziehungsweise nächtlich, und legt dabei durchschnittlich zehn Kilometer zurück. Er scheint dabei eine Form von Intervalltraining zu absolvieren, rennt Sprints und hüpft dann kurz vom Rad, um zu trinken oder zu fressen. Mit seinen kurzen Beinchen erreicht er Spitzengeschwindigkeiten von rund 5 km/h.

Das Hamster-Herrchen de Buck ist selbst Hobbyläufer, kommt aber nie auf die 70 Wochenkilometer, die Mollie rennt. Der Hamster ist auch für zwei Strava-Challenges eingeschrieben: «Laufe 400 Minuten im Monat August» und «Laufe 100 km im Monat August». Die erste hakte er innerhalb von zwei Tagen ab, denn Mollie rennt vier bis fünf Stunden pro Nacht. So waren auch die 100 Kilometer rasch erledigt.

Gut möglich, dass Mollie gerade einen neuen Trend setzt. Wie Katzenvideos auf Instagram könnten künftig tierische Sportler viral gehen. Mit einem GPS-Tracker auf dem Rücken hetzt Stevie, der Strauss, durch die Steppe, sammelt Susie, die Schildkröte, behäbig Kilometer, dreht Rudi, die Rennsau, im Verschlag ihre tristen Runden.

Und wozu das alles? Leider ist es nicht möglich, mit Mollie über Sinn und Zweck des Laufens zu diskutieren. Hechelt er nach Erleuchtung? Träumt er im Hamsterrad davon, irgendwo durch die Prärie zu galoppieren? Oder rennt er einfach stur vor sich hin, weil es in seinem Käfig nichts Besseres zu tun gibt? Vielleicht hilft uns das Nachdenken über Mollie ja dabei, etwas über unsere eigene Getriebenheit zu lernen.

Aber braucht es das überhaupt? Schuhe schnüren, Sportuhr starten, Kilometer und Kudos sammeln – so sieht das Läuferglück im 21. Jahrhundert aus. Wie wir wissen, vergisst das Internet nichts, nicht einmal die letzte Joggingrunde vor dem Alterszerfall. Wer auf Strava ist, lebt ewig.

Passend zum Artikel

Der einst beste Tennisspieler der Welt ist nicht mehr Milliardär. Muss er jetzt das Geld wieder mit dem Racket verdienen?

Der einst im FC Zürich beschäftigte Fussballer Benjamin Mendy versteigert seine WM-Trophäe. Man kann und sollte dem Franzosen vieles vorwerfen. Aber mangelnde Sentimentalität gegenüber Memorabilien gehört nicht dazu.

Donald Trump hat es an der Fussball-WM vorgemacht, jetzt ziehen andere nach: Wo Mächtige dreinreden, sind Regeln überflüssig.