„Körper, der sich nicht sicher anfühlt“: TikTok-Star (49) mit Alzheimer nimmt aktive Sterbehilfe in Anspruch

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„Körper, der sich nicht sicher anfühlt“: TikTok-Star (49) mit Alzheimer nimmt aktive Sterbehilfe in Anspruch

„Gelernt, mich selbst zu lieben“: Internet-Star mit Alzheimer nimmt aktive Sterbehilfe in Anspruch

Stand: 30.07.2026, 12:46 Uhr

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Mit 49 Jahren beendete die TikTokerin Rebecca Luna ihr Leben per medizinisch assistierter Sterbehilfe. Sie litt an einer frühen Form von Alzheimer.

Victoria – Wenige Wochen vor ihrem 50. Geburtstag traf Rebecca Luna aus Victoria, British Columbia, eine Entscheidung, die die wenigsten Menschen so offen kommunizieren: Sie plante ihren Tod. Auf TikTok teilte sie mit fast 100.000 Abonnentinnen und Abonnenten, wie die Alzheimer-Erkrankung ihren Alltag veränderte, welche Entscheidungen sie traf und was sie anderen Menschen noch mitgeben wollte.

Collage Alzheimer Rebecca

Frühdemenz ist relativ selten. Auch TikTok-Star Rebecca Luna erkrankte im Alter von 48 Jahren. © Collage Screenshot/wheredidbecsgo/TikTok - Ikon Images/IMAGO

Ihre Videos hatten Titel wie „Dating im Sterben“ oder „Reisen mit unsichtbaren Behinderungen“ – direkt, ohne Beschönigung, mit einer Offenheit, die viele bewegte. Am 25. Juli 2026 starb Rebecca im Kreis ihrer Familie. Sie nahm die medizinische Sterbehilfe in Anspruch, die in Kanada als „Medical Assistance in Dying“ (MAID) bekannt ist.

Alzheimer-Diagnose mit 48: TikTokerin Rebecca Luna beendet mit Sterbehilfe ihr Leben

Rebecca erhielt ihre Diagnose im Alter von 48 Jahren. Frühdemenz – also eine Demenzerkrankung, die Menschen unter 65 Jahren trifft – ist statistisch selten, in ihrer Wirkung aber nicht weniger verheerend als die spätere Form. In Deutschland sind nach Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e. V.  ca. 96.000 Menschen erkrankt. Frauen sind dabei überproportional betroffen: Sie erkranken häufiger und sterben häufiger an den Folgen der Krankheit als Männer.

Für Rebecca bedeutete die Diagnose den Beginn eines öffentlichen Abschieds. Unter dem TikTok-Handle @WhereDidBecsGo dokumentierte sie, wie die Krankheit ihre Fähigkeiten, ihre Sicherheit und ihr Körpergefühl allmählich veränderte. Sie sprach auch über ihre Nüchternheit – Rebecca war in Genesung von einer Alkoholabhängigkeit und stolz darauf, diese auch in den schwierigsten Monaten ihres Lebens durchgehalten zu haben.

Kurz vor ihrem Tod kündigte sie an, den bereits geplanten MAID-Termin vorzuziehen. Der Grund: Ihr Zustand hatte sich schneller verschlechtert als erwartet. In einem ihrer letzten Videos sagte sie: „Ich lebe in einem Körper, der sich nicht sicher, nicht gut anfühlt. Überhaupt nicht. Es fühlt sich schrecklich an – und deshalb war der Gedanke, noch zwei Wochen zu warten, einfach zu viel.“ Rund die Hälfte aller Demenzerkrankungen sind laut einer Expertin vermeidbar.

Ein Abschied mit Botschaft: „Ich habe gelernt, mich selbst zu lieben“ – Tochter verkündet Rebeccas Tod

Die Entscheidung, den Zeitpunkt zu ändern, traf Rebecca gemeinsam mit ihrer Palliativmedizinerin. Die Influencerin beschrieb das Gespräch in einem Video: „Sie erinnerte mich immer wieder daran, dass das meine Entscheidung ist. Das ist der Moment, in dem ich mich selbst an erste Stelle setzen darf – und das habe ich mein ganzes Leben lang nicht getan.“ Die Ärztin habe sie gefragt: „Wann würdest du gehen, wenn es allein deine Wahl wäre?“ Rebeccas Antwort: „Jetzt.“

Ihr letztes öffentliches Video war eine Botschaft an die Menschen, die ihr über Monate zugeschaut hatten. Rebecca sprach darin klar aus, dass sie ihr Leben nicht so enden sehen wollte, und sie dennoch dankbar gewesen sei: „Das ist nicht das, was ich will. Ich möchte nicht sterben, bevor ich 50 bin. Aber ich habe ein gutes Leben gehabt.“

Der Kern ihres Abschieds war eine Aufforderung an ihre Community, sich selbst besser zu behandeln – etwas, das sie nach eigenen Angaben erst durch jahrelange Therapie gelernt habe. „Du kannst nicht einfach dasitzen und hoffen, dass du dich eines Tages selbst liebst. Du musst dich in dieses Gefühl hineinhandeln – indem du freundlich mit dir sprichst“, sagte sie. Und dann: „Ich habe gelernt, mich selbst zu lieben. Wenn ich es kann, kannst du es auch.“ Ihre älteste Tochter Maya bestätigte den Tod ihrer Mutter auf der GoFundMe-Seite, die für die Sterbekosten eingerichtet worden war. Rebecca Luna hinterlässt zwei Töchter.

Kanada erlaubt seit 2016 die medizinisch assistierte Sterbehilfe — allerdings nur unter Auflagen

Kanada gehört zu den wenigen Ländern weltweit, die eine umfassende gesetzliche Regelung zur medizinischen Sterbehilfe haben. MAID ist seit Juni 2016 legal – zunächst nur für Menschen mit einer unheilbaren Erkrankung, bei denen der natürliche Tod absehbar war. Seitdem wurde das Gesetz mehrfach erweitert.

Heute müssen Antragstellende laut der Regierung unter anderem volljährig und kanadische Staatsbürgerinnen oder Staatsbürger sein, an einer ernsthaften und unheilbaren Erkrankung leiden und in ihrem eigenen Urteil unerträgliche Leiden erfahren. Entscheidend ist außerdem: Die Person muss zum Zeitpunkt der Durchführung einwilligungsfähig sein und ihre Zustimmung aktiv erteilen. Für Menschen mit Demenz ist genau dieser Punkt eine besondere Herausforderung. Wer im fortgeschrittenen Stadium nicht mehr einwilligungsfähig ist, verliert den Zugang zu MAID.

Das Gesetz sieht laut der Canadian Association of MAID Assessors and Providers (CAMAP) jedoch eine Ausnahme vor: Wer bereits für MAID zugelassen ist, einen Termin festgelegt hat und dessen natürlicher Tod absehbar ist, kann mit dem behandelnden Arzt vereinbaren, dass MAID auch dann durchgeführt werden darf, wenn die Einwilligungsfähigkeit bis zu diesem Zeitpunkt verloren gegangen ist. Diese Regelung gilt jedoch nicht als Vorausverfügung im eigentlichen Sinne. Vorausbestimmungen für MAID – also die Festlegung, dass man MAID zu einem späteren, noch unbekannten Zeitpunkt erhalten möchte – sind nach kanadischem Bundesrecht weiterhin nicht erlaubt.

Deutschland debattiert weiter über Sterbehilfe – Gericht spricht wichtiges Urteil

Assistierter Suizid – die Bereitstellung eines tödlichen Mittels, das die sterbewillige Person selbst einnimmt – befindet sich in Deutschland seit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 26. Februar 2020 in einer rechtlichen Grauzone. Das Gericht kippte damals § 217 StGB, der die „geschäftsmäßige Förderung der Selbsttötung“ unter Strafe gestellt hatte, als verfassungswidrig. Begründung: Das Recht auf einen selbstbestimmten Tod sei Teil des allgemeinen Persönlichkeitsrechts.

Seitdem ist der assistierte Suizid in Deutschland zwar nicht explizit verboten – aber auch nicht geregelt. Organisationen wie „Dignitas Deutschland“ oder „Sterbehilfe Deutschland“ bewegen sich damit in einem rechtlich unsicheren Raum. Der Bundestag hat bislang keine neue Gesetzgebung verabschiedet, obwohl das Verfassungsgericht ausdrücklich eine Neuregelung gefordert hatte. (Quellen: TikTok, Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V., canada.ca, Canadian Association of MAID Assessors and Providers, Bundesverfassungsgericht) (jaka)