Raketenbestände der USA im Iran-Krieg knapp? Trump dementiert
Um amerikanische Truppen möglichst nicht in Gefahr zu bringen, liess Donald Trump Iran aus der Ferne bombardieren. Nun sind die Bestände an amerikanischen Präzisionsraketen gesunken – mit Folgen über Iran hinaus.
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Gehen den USA im Iran-Krieg die Abwehr- und Präzisionsraketen aus? Donald Trump bestreitet jegliche Engpässe
Um amerikanische Truppen möglichst nicht in Gefahr zu bringen, liess Donald Trump Iran aus der Ferne bombardieren. Nun sind die Bestände an amerikanischen Präzisionsraketen gesunken – mit Folgen über Iran hinaus.
08.08.2026, 05.30 Uhr
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Bei einer Übung im Pazifik feuert die amerikanische Armee eine Thaad-Abwehrrakete ab.
Imago
Seit Tagen kursieren in Washington Berichte, wonach der Iran-Krieg die amerikanischen Streitkräfte vor akute Waffenengpässe stelle. Mehrere Medien meldeten unter Berufung auf verwaltungsinterne Quellen, die USA litten unter einem Mangel an Abwehrraketen, und sie hätten ihren Vorrat an Präzisionsraketen mit grosser Reichweite so gut wie aufgebraucht. Auch von Meinungsunterschieden zwischen Präsident Donald Trump und seinem Verteidigungsminister Pete Hegseth war in den Medien die Rede.
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Doch am Donnerstag holte Trump zum kommunikativen Gegenschlag aus: «Die USA verfügen über gewaltige Mengen an Munition, insbesondere bestimmter Arten», schrieb der Präsident auf seiner Plattform Truth Social. «Zudem werden grosse Mengen produziert und je nach Bedarf in die USA geliefert.» Die Verteidigungsindustrie in den USA ziehe derzeit die grösste Anzahl an Produktionsstätten und Fabriken in der Geschichte hoch. Zudem drohte Trump den Beamten, die vertrauliche Informationen an die Presse weitergegeben hatten, mit scharfen Konsequenzen: «Sie werden gejagt, und es werden langjährige Haftstrafen gefordert werden!»
Gefragte Patriot-Raketen
Informationen über die exakten Waffen- und Munitionsbestände der USA unterliegen strenger Geheimhaltung und sind daher nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Medienberichte, die auf Leaks basieren, sind mit einer gewissen Vorsicht zu geniessen, da die Informanten auch verwaltungsinterne Eigeninteressen verfolgen dürften.
Die renommierte Denkfabrik Center for Strategic and International Studies (CSIS) hat aber aufgrund öffentlich zugänglicher Informationen die Bestände der Abwehrraketen objektiv zu errechnen versucht. Danach hatten die USA Ende Juli zwischen 759 und 827 Patriot-Raketen übrig – das ist etwa ein Drittel des Bestandes von 2230 vor dem Beginn des Iran-Kriegs.
Das CSIS schätzt überdies, dass der Bestand an Thaad-Raketen nur noch 60 Prozent der Vorräte entspricht, welche die USA vor dem Iran-Krieg hatten. Mit den Thaad-Raketen lassen sich feindliche Raketen weit oben in der Luft abfangen und zerstören. Der grösste Teil der Bestände an Patriot- und Thaad-Raketen wurde in der ersten Phase des Kriegs bis zum (mehrfach gebrochenen) Waffenstillstand vom 8. April verbraucht.
Rund zwanzig amerikanische Alliierte in Europa, Asien und im Nahen Osten nutzen das System zur Raketenabwehr, weshalb der Bedarf nicht nur wegen des Iran-Kriegs sehr hoch ist. Der amerikanische Uno-Botschafter Mike Waltz behauptete, die Patriot-Bestände seien auch darum so tief, weil Präsident Joe Biden zu viele Raketen in die Ukraine geliefert habe.
Tatsächlich ist die Ukraine dringend auf das System angewiesen. Nach eigenen Angaben hat Kiew seit dem russischen Überfall 2022 aber nur etwa 600 Patriots aus den USA erhalten. Trump sagte kürzlich, weitere Lieferungen an die Ukraine wären «ein grosser Schritt». Nach einem Treffen im Weissen Haus sagte Trump dem ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski aber zu, der Ukraine Lizenzen für die eigene Produktion von Patriot-Abfangraketen zu erteilen. Die Herstellung dauert in der Regel mehr als zwei Jahre und stellt keine kurzfristige Lösung für den Engpass dar.
Angriffe aus der Distanz
Langsam knapp werden offenbar auch zielgenaue offensive Raketen, wie die Nachrichtenagentur Reuters jüngst unter Berufung auf verwaltungsinterne Quellen berichtete. Dabei geht es etwa um bodengestützte Raketen wie Army Tactical Missile System (Atacms) oder Precision Strike Missile (PrSM). Die USA hätten so gut wie alle Atacms- und PrSM-Waffen verbraucht, zitierte Reuters mehrere Quellen. Diese Raketen kosten mehr als eine Million Dollar pro Stück und erlauben den Beschuss von feindlichen Zielen aus sicherer Distanz. Laut dem amerikanischen National Public Radio (NPR) wird es voraussichtlich Jahre dauern, die Lagerbestände wieder aufzufüllen.
Zu den wichtigsten Angriffswaffen der USA gehören die Tomahawk-Marschflugkörper. Sie können von amerikanischen Kriegsschiffen aus auf Ziele abgefeuert werden, die bis zu 2400 Kilometer entfernt sind. Laut der Denkfabrik CSIS hielten die USA im Februar 2026 Bestände von gut 3000 Tomahawks, wobei im Iran-Krieg rund 1000 dieser Marschflugkörper verbraucht worden sein sollen. Bedeutsam ist auch das luftgestützte System Jassm. Diese Raketen können von Flugzeugen aus Ziele in rund 800 Kilometer Entfernung erreichen.
Indem die USA auf teure und begrenzt verfügbare Präzisionsraketen setzten, konnten sie das Risiko für ihre Truppen minimieren. Als wesentlich günstigere Alternativen für die Angriffe auf Iran wären Präzisionsbomben zur Verfügung gestanden. Diese müssen allerdings von Flugzeugen innerhalb des feindlichen Luftraums aus abgeworfen werden. Solange die Flugabwehr des Feindes nicht ganz ausgeschaltet ist, bleiben dabei Risiken bestehen. Im April wurde ein amerikanischer Jet über Iran abgeschossen, worauf ein Besatzungsmitglied beinahe in iranische Kriegsgefangenschaft geraten wäre.
Risiken für Abschreckungsfähigkeit
Ein solches Szenario wollte Trump offensichtlich verhindern. Doch auch die Reduktion der Bestände birgt Risiken. Denn die Fähigkeit, feindliche Ziele aus grosser Distanz zielgenau zu treffen, ist wichtig für die konventionelle Abschreckungsfähigkeit Amerikas gegenüber Gegnern und Rivalen wie Russland und China.
Noch verfügen die USA laut Experten über genügend präzise Angriffswaffen. Doch ist fraglich, ob sie sich eine weitere und längere Welle von gross angelegten Angriffen auf Iran mit Präzisionswaffen wirklich leisten können. Bis die Vorräte an Jassm-Raketen und Tomahawk-Marschflugkörpern wieder das Niveau vor dem Iran-Krieg erreichen, könnte es laut CSIS zwei bis fünf Jahre dauern, auch wenn die Produktion nun aufgestockt und beschleunigt wird.
Vor diesem Hintergrund sind die amerikanischen Bestände Gegenstand des laufenden Propagandakriegs. Während Trump jegliche Engpässe bestritt, trumpfte der iranische Verteidigungsminister Majid Ibn al-Reza auf: «Jeden Tag werden die schwindenden Fähigkeiten des Feindes offensichtlicher.»
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