Frühstartrente: Was Deutschland von Donald Trump lernen kann

Ein staatlich gefördertes Depot soll Kindern in den USA den Weg an den Aktienmarkt ebnen. Ähnliches plant auch Deutschland. Wo die Unterschiede liegen – und was die USA besser machen.

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Frühstartrente: Was Deutschland von Donald Trump lernen kann

Mit dem Trump-Account sollen Kinder früh an den Aktienmarkt herangeführt werden. Foto: Bloomberg

Frühstartrente: Das kann Deutschland bei der Altersvorsorge von Donald Trump lernen

Ein staatlich gefördertes Depot soll Kindern in den USA den Weg an den Aktienmarkt ebnen. Ähnliches plant auch Deutschland. Wo Unterschiede liegen – und was die USA besser machen.

Eigentlich ertönt die goldene Glocke der New Yorker Börse nur bei Börsengängen. Anfang Juli läutete der US-Präsident Donald Trump sie allerdings ausnahmsweise zu einem anderen Anlass. Um viel Geld ging es auch da – und zwar für Amerikas Jüngste.

Gefeiert wurde an diesem Tag der Start des sogenannten Trump-Accounts: ein staatlich gefördertes Depot für Kinder in den USA, das ihnen den Zugang zum Aktienmarkt ebnen soll. Teilnehmen können grundsätzlich alle Minderjährigen unter 18 Jahren, sofern sie eine gültige Social-Security-Nummer haben. Eltern richten das Depot per App ein.

Besonders attraktiv ist der staatliche Startbonus: Für Babys, die zwischen 2025 und 2028 geboren werden, fließen 1000 Dollar Startguthaben in das Depot. Danach können nicht nur Eltern, sondern auch Großeltern, Freunde oder Arbeitgeber Geld einzahlen – bis zu 5000 Dollar pro Jahr und Kind. Das Geld wird von den Eltern nach strengen Regeln investiert. Ab dem 18. Geburtstag können die Kinder auf das Guthaben zugreifen, jedoch unter Bedingungen.

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Kinder früh an den Kapitalmarkt heranzuführen, ist auch das Ziel der von der Bundesregierung geplanten Frühstartrente. Mit zehn Euro pro Monat will der Staat den Kapitalaufbau für Minderjährige unterstützen und so die in Deutschland eher zurückhaltende Aktienkultur fördern. Doch die beiden Modelle unterscheiden sich – nicht nur beim Startbonus.

Frühstartrente vs. Trump-Accounts: Ähnliches Ziel, unterschiedliche Zwecke

Beide staatlichen Programme wollen die Aktienkultur fördern. Im Verwendungszweck für das angesparte Kapital unterscheiden sie sich jedoch. Die deutsche Frühstartrente dient klar der privaten Altersvorsorge und soll einen Teil der späteren Rentenlücke schließen. Erträge bleiben deshalb bis zur geplanten Entnahmephase steuerfrei. Eine frühere Entnahme für andere Zwecke ist nicht vorgesehen.

Das Sparprogramm, das der US-Präsident nach sich selbst benannt hat, zielt ebenfalls auf die Rente, ist aber flexibler gestaltet. Auch hier sind Erträge steuerfrei. Wer das Geld nach dem ungefähr 60. Lebensjahr entnimmt, zahlt erst dann Steuern. Wer früher zugreift, zahlt zusätzlich eine Strafgebühr von zehn Prozent.

Es gibt jedoch Ausnahmen. Bei einer Entnahme für bestimmte Zwecke, etwa Hochschulbildung, den Kauf eines Eigenheims oder auch Notfallausgaben, entfällt die Strafgebühr.

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„Frühstartrente und Trump-Account sind sehr ähnlich“, sagt Olaf Stotz, Finanzprofessor an der Frankfurt School of Finance. Der Trump-Account sei jedoch in einem Aspekt besser gemacht: Auch Arbeitgeber können hier einzahlen, sowohl die der Eltern als auch die der Kinder, sobald diese erwachsen und erwerbstätig sind.

Wie viel Geld kommt im Kinderdepot zusammen?

Wie viel Geld am Ende im Depot liegt, hängt davon ab, wie das Kapital investiert wird. Beim Trump-Account ist das klar geregelt: Einzahlungen müssen per Gesetz in einen günstigen Indexfonds fließen. Im Rahmen der deutschen Frühstartrente sollen ETFs oder „geeignete Wertpapiere“ zum Einsatz kommen. Das klingt erst einmal ähnlich wie das US-Modell, lässt aber Raum für Interpretation: Wer definiert, was „geeignet“ ist? Und wer verdient am Vertrieb? Hohe Produktkosten und Provisionen können die Rendite über die lange Frist empfindlich schmälern.

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Auf dem Papier sehen die prognostizierten Renditen bei beiden Modellen gut aus. Eine Musterrechnung aus den USA zeigt: 1000 Dollar sollen bis zum 18. Geburtstag des Kindes zu rund 6000 Dollar anwachsen. Zugrundegelegt werden hier historische Durchschnittsrenditen des US-Leitindex S&P 500. Mit zusätzlichen 250 Dollar Einzahlung pro Jahr wären es etwa 19.000 Dollar, bei maximalen Einzahlungen von 5000 Dollar jährlich sogar bis zu 271.000 Dollar.

Auch die deutschen Beispielrechnungen klingen gut: Fließen 1440 Euro (zwölf Jahre lang zehn Euro im Monat) in einen ETF auf den MSCI World und unterstellt man sechs Prozent durchschnittliche Rendite, stünden zu Rentenbeginn rund 36.000 Euro, ohne weitere Einzahlungen. Wer ab dem 18. Lebensjahr selbst weiter spart, könnte je nach Rate deutlich mehr erreichen – etwa rund 70.000 Euro bei zehn Euro monatlich oder bis zu 200.000 Euro bei 50 Euro Einzahlung pro Monat.

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Was beide Rechnungen allerdings ausblenden: die Inflation und damit die Frage, wie viel Kaufkraft die genannten Beträge in 18 Jahren oder erst zur Rente tatsächlich noch haben.

Kritik am Trump-Account

In den USA gibt es überdies Zweifel, ob das Modell in der Breite funktioniert. Will McBride, Chefökonom der Denkfabrik Tax Foundation, hält das Konstrukt für zu komplex und erwartet, dass am Ende vor allem eine Minderheit profitiert. Wer den Trump-Account tatsächlich nutze, seien Eltern, die „relativ gut informiert, relativ wohlhabend, relativ aufmerksam“ seien und „ihr Leben organisatorisch im Griff“ hätten. Jene Gruppen also, die ohnehin näher am Kapitalmarkt sind. Ähnliche Bedenken gibt es auch in Deutschland.

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Das Weiße Haus hält dagegen: Millionen Kinder sollen über die Trump-Accounts Zugang zu Aktien bekommen. Insbesondere jüngere und einkommensschwächere Familien hätten bislang wenig oder gar keinen Kontakt zu Aktienanlagen. Die geförderten Kinderdepots sollen diese Lücke schließen.

Auffällig ist, wie stark das US-Konzept auf private Geldgeber setzt. Wohlhabende Spender haben über gemeinnützige Zuwendungen Milliarden in das Projekt gelenkt. Dell-Gründer Michael Dell und seine Frau Susan steuerten 6,25 Milliarden Dollar bei. Damit sollen 25 Millionen Kinder unter zehn Jahren in einkommensschwachen Regionen jeweils zusätzliche 250 Dollar für ihre Depots bekommen. Auch Hedgefonds-Manager Ray Dalio und seine Frau Barbara spendierten Zuschüsse: Rund 300.000 Kinder aus ärmeren Gegenden in Connecticut sollen daraus ebenfalls je 250 Dollar extra bekommen.

Überschaubare Teilnahme in den USA

Gestartet sind die Trump-Accounts offenbar schleppender, als die Meldungen aus dem Weißen Haus vermuten lassen. Nach Angaben, die in Washington kursieren, sollen sich vor dem offiziellen Start am 4. Juli, dem amerikanischen Unabhängigkeitstag, rund sechs Millionen Familien angemeldet haben. Gemessen an den Millionen Kindern, die grundsätzlich anspruchsberechtigt sein könnten, ist das wenig.

Wie groß der Andrang auf die Frühstartrente hierzulande sein wird, ist noch unklar. Während die Trump-Accounts in den USA bereits laufen, ist der Start der deutschen Frühstartrente erst für Anfang 2027 geplant. Dann soll das Geld für den Geburtsjahrgang 2020 rückwirkend zum 1. Januar 2026 gezahlt werden.

Hinweis: Dieser Artikel wurde erstmals am 19. Juli 2026 bei der WirtschaftsWoche veröffentlicht. Wir zeigen ihn aufgrund des Leserinteresses erneut.

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