Fragen und Antworten: Zivildienst – Was auf junge Menschen zukommt

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Fragen und Antworten: Zivildienst – Was auf junge Menschen zukommt

Fragen und Antworten Zivildienst – Was auf junge Menschen zukommt

Die Bundesregierung bereitet die Grundlagen für einen neuen Zivildienst vor. Was genau geplant ist und wie die ersten Reaktionen ausfallen.

04.08.2026 , 18:30 Uhr

 Zwei Zivildienstleistende der Malteser kümmern sich um eine Dialysepatientin im Rollstuhl.  (Archiv)

Zwei Zivildienstleistende der Malteser kümmern sich um eine Dialysepatientin im Rollstuhl. (Archiv)

Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa/Jan Woitas

Die Bundesregierung trifft Vorkehrungen, im Fall einer Rückkehr zur Wehrpflicht auch den Zivildienst zu reaktivieren. Das Familienministerium befragte nach eigenen Angaben vorsorglich 23 große Verbände, ob Plätze für etwaige Wehrdienstverweigerer zur Verfügung stünden. Hier die Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Thema.

Warum soll es überhaupt einen neuen Wehrdienst geben?

Die Wehrpflicht in Deutschland war 2011 ausgesetzt worden – damit endete auch der zivile Ersatzdienst für junge Männer, die aus Gewissensgründen den Dienst bei der Bundeswehr verweigerten. Ob und wie die Wehrpflicht wieder aktiviert werden könnte, ist offen. Seit Anfang dieses Jahres gilt zunächst eine verpflichtende Musterung für junge Männer ab dem Jahrgang 2008, um Freiwillige für den angekündigten Ausbau der Bundeswehr zu rekrutieren. Sollten die Ziele verfehlt werden, kann der Bundestag über eine „Bedarfswehrpflicht“ entscheiden. Dann würde auch wieder die Grundgesetz-Klausel greifen: „Wer aus Gewissensgründen den Kriegsdienst mit der Waffe verweigert, kann zu einem Ersatzdienst verpflichtet werden.“ Daher hatte man in der Koalition vereinbart, auch eine Rückkehr zum Zivildienst vorzubereiten.

Was genau plant das Familienministerium?

Einem vom Bundesfamilienministerium bestätigten Bericht der „Bild“-Zeitung zufolge wurden bereits im Winter die Verbände kontaktiert, die bis 2011 im Zivildienst oder später bei Freiwilligendiensten aktiv gewesen waren. Ihnen wurden „sehr grundsätzliche Fragen übermittelt zur Abschätzung von Möglichkeiten, als Verband im Falle der Wiedereinsetzung einer allgemeinen Wehrpflicht Wehrersatzdienstplätze anzubieten“, teilte eine Ministeriumssprecherin mit. 22 der 23 Verbände hätten angegeben, grundsätzlich ein Angebot machen zu können.

Aber: „Solange wir keine allgemeine Wehrpflicht haben, gibt es auch keinen neuen Zivildienst“, erklärte die Sprecherin. „Sollte die allgemeine Wehrpflicht allerdings wieder eingesetzt werden, muss die Basis für einen modernen Zivildienst vorbereitet sein.“ Wie ein Wehrersatzdienst aussehen würde, daran „arbeiten wir gerade mit dem Bundesgesellschaftsdienstegesetz“. Die Zahl der Zivis werde davon abhängig sein, „ob, wann und in welchem Umfang die Wehrpflicht nach § 2a Wehrpflichtgesetz angeordnet wird“. Nach der Sommerpause will das Ministerium Pläne vorlegen.

Was könnte auf junge Menschen zukommen?

Das ist offen. Klar ist, dass derzeit ein reines Prinzip der Freiwilligkeit gilt – beim Wehrdienst und auch im zivilen Bereich. So wurde im Juli 2011 als Ersatz für den Zivildienst der sogenannte Bundesfreiwilligendienst mit jährlich etwa 35.000 Plätzen gegründet. Der Unionsfraktionsvorsitzende Thorsten Frei (CDU) sagte in der RTL/ntv-Sendung „Frühstart“, dass sich das Bundesfamilienministerium vorbereite, sei „sehr klug und richtig“. Gleichzeitig verneinte Frei, dass es neue Bewegung in der Diskussion um die Wiedereinführung der Wehrpflicht gebe. Aus der SPD-Fraktion wurden dagegen Stimmen gegen einen möglichen Zivilpflichtdienst laut. „Wir wollen Freiwilligendienste stärken, ausbauen und sozial gerechter gestalten, statt neue Pflichtdienste einzuführen“, sagte der SPD-Abgeordnete Felix Döring unserer Redaktion.

Wie bewerten Träger die Pläne?

Die Pläne der Bundesregierung stießen bei den möglichen Anbietern auf ein gemischtes Echo. Mehrere Organisationen erklärten am Dienstag grundsätzlich ihre Bereitschaft, Plätze für einen Zivildienst anzubieten. Gleichzeitig mahnten sie aber auch, bisherige Freiwilligendienste nicht zu schwächen und diese attraktiver auszugestalten. Der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Hermann Gröhe, mahnte eine verlässliche Finanzierung an für den Fall, dass der neue Zivildienst kommen sollte. „Bleibt es dagegen bei einer Aussetzung der Wehrpflicht, brauchen wir eine deutliche Stärkung der Freiwilligendienste“, sagte Gröhe unserer Redaktion und forderte: „Wer sich freiwillig einsetzt, braucht bessere Rahmenbedingungen.“

Caritas-Präsidentin Eva Welskop-Deffaa zeigte sich skeptisch zum Umfang eines neuen Zivildienstes. „Wer den Eindruck erweckt, auf diesem Weg ließen sich die Personalprobleme sozialer Einrichtungen lösen, weckt völlig falsche Erwartungen“, sagte sie. Bisher leisteten „rund 12.000 junge Menschen ein Freiwilliges Soziales Jahr oder einen Bundesfreiwilligendienst in katholischen Einrichtungen, das Potenzial ist damit lang nicht ausgeschöpft“. Die Caritas-Präsidentin forderte bei den bestehenden Angeboten mehr Anreize: „Ein auskömmliches Taschengeld auf Niveau des Bafög-Höchstsatzes für Freiwillige und ein kostenfreies Deutschlandticket wären starke Anreize für einen Freiwilligendienst für alle.“

Welche anderen Ideen gibt es?

Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow (Linke) sprach sich in der Debatte für eine Volksabstimmung aus. Ramelow sagte auf Anfrage: „Meine Position ist es, einen Bürgerrat zu bilden, um Vorschläge zu einem besseren Übergang von der Schule zur beruflichen Welt zu schaffen. Über die Vorschläge sollten dann Volksabstimmungen durchgeführt werden, damit die Menschen entscheiden, statt durch die Hintertür nun wieder in alte Verhältnisse zurückzufallen.“