(+) Elbe in Not: Welche Fische jetzt noch klarkommen

Anzeige Hamburg Fischen in der Elbe geht die Luft aus – doch einige profitieren sogar von der Lage Der Zander gehört ...

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(+) Elbe in Not: Welche Fische jetzt noch klarkommen

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Hamburg

Fischen in der Elbe geht die Luft aus – doch einige profitieren sogar von der Lage

Der Zander gehört zu den beliebtesten Fischen der Elbe. Es gibt ihn derzeit in großen Beständen.
picture alliance

Hitze, Sauerstoffmangel und Niedrigwasser setzen Hamburgs Elbfischen zu. Doch einige Arten haben sogar Vorteile vom Klimawandel.

Niedrige Wasserstände, zu hohe Temperaturen, Sauerstofflöcher und Trübung durch zu viel absterbende Algen – Hamburgs Elbfischen geht die Luft aus. Manche Arten leiden jedoch weniger als andere unter den Bedingungen.

Die Wassertemperatur lag an den heißen Juni-Tagen bereits mehrfach bei fast 28 Grad Celsius – das schafft kein Schwimmbad! Der Sauerstoffgehalt lag Ende Juni/Anfang Juli zeitweise unter drei Milligramm pro Liter und alles unter vier Milligramm pro Liter ist für Fische kritisch bis tödlich.

Die MOPO hat bei der Umweltbehörde nachgefragt, wie es den Fischen in der Elbe geht. Wer leidet? Wer kommt noch klar und wer profitiert sogar vom Klimawandel? 

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Die Fischbestände in der Elbe schrumpfen kontinuierlich. Den Stint zum Beispiel hat Fischer Wilhelm Grube früher in großen Mengen fischen können. (Archiv)
Die Fischbestände in der Elbe schrumpfen kontinuierlich. Den Stint zum Beispiel hat Fischer Wilhelm Grube früher in großen Mengen fischen können. (Archiv)
Blumenthal

Der Stint: Der Bestand des Stints (Osmerus eperlanus) hat sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verändert. Nach einer Phase der Erholung infolge der verbesserten Wasserqualität in den 1990er und frühen 2000er Jahren wird seit etwa 2010 ein deutlicher Bestandsrückgang beobachtet. Dies bedeutet eine Verschlechterung des Gefährdungszustands. Entsprechend wird die Art in der kommenden Roten Liste als „gefährdet“ bewertet.

Für Hamburg besteht eine besondere Verantwortung hinsichtlich der Be­standsentwicklung des Stintes, da die Tideelbe ein überregional bedeutsames Laich- und Aufwuchsgebiet darstellt. Heute begrenzen vor allem klimawandelbedingte Veränderungen, wiederkehrende Sauerstoffdefizite und der Verlust geeigneter Lebensräume zum Laichen und Aufwachsen den Fortpflanzungserfolg der Art.

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Weiblicher Kaulbarsch auf sandigem Gewässergrund in Deutschland
Kaulbarsch in einem flachen Gewässer auf sandigem Grund.
A. Hartl

Der Kaulbarsch: Der Kaulbarsch (Gymnocephalus cernua) gilt als typische Art der Tideelbe. Er ist gut an trübe Gewässer angepasst und gilt insgesamt als vergleichsweise tolerant. Aufgrund seiner Rolle im Netz der Nahrungsketten und seiner Reaktion auf Veränderungen der Gewässerstruktur und Wasserqualität ist er ein wichtiger Indikator für den ökologischen Zustand der Lebensräume in Bodennähe.

Die Art gilt in Hamburg aktuell als ungefährdet, allerdings deuten die letzten Jahre auf einen Rückgang der Individuenzahlen sowie Veränderungen der Alters- und Größenstruktur hin. Die Analyse des kurzfristigen Bestandstrends zeigt eine starke Abnahme in der Elbe. Diese Entwicklung verdeutlicht, dass auch robuste Arten von den fortschreitenden Veränderungen des Tideelbe-Ökosystems betroffen sind.

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Kormoran schwimmt mit Aal im Schnabel auf dem Wasser in Hamburg.
Ein Kormoran schwimmt auf der Elbe in Hamburg mit einem Aal im Schnabel.
imago stock&people

Der Aal: Der Europäische Aal (Anguilla anguilla) zählt zu den ökologisch und (ehemals) fischereilich bedeutendsten Fischarten und die Tideelbe ist für ihn ein unverzichtbarer Wanderkorridor und eine Kinderstube. Er verbringt seine Wachstumsphase in Binnengewässern und Ästuaren (der Flut ausgesetzten Flussmündungen oder Buchten) und wandert zur Fortpflanzung in die Sargassosee im Nordatlantik.

Der Aalbestand befindet sich europaweit in einem kritischen Zustand und gilt nach der Roten Liste als „vom Aussterben bedroht“. Die Entwicklung in der Tideelbe spiegelt diesen überregionalen Trend wider. Veränderte Umweltbedingungen wie sommerliche Sauerstoffdefizite, steigende Wassertemperaturen, häufigere Niedrigwasserabflüsse und der Verlust strukturreicher Habitate verschlechtern die Lebensbedingungen. Sie treten hier jedoch zusätzlich zu überregional wirkenden Belastungsfaktoren wie Mortalität durch Wasserkraftanlagen, Wanderhindernissen, Parasiten und Fischerei auf.

Günter Krüger hält an der Elbe bei Schönebeck einen Brassen in die Höhe.
Ein Angler hat in der Elbe eine Brasse gefangen (Archiv).
Peter_Förster

Brassen: Der Brassen (Abramis brama) ist eine der häufigsten Weißfischarten der Tideelbe. Aufgrund seiner vergleichsweise hohen ökologischen Toleranz zählt er zu den Arten, die von anthropogenen Veränderungen meistens weniger stark betroffen sind als spezialisierte oder wandernde Fischarten. Moderate Temperaturerhöhungen bis etwa 26 Grad können zunächst sogar das Wachstum und die Fortpflanzung begünstigen. Bei extremen Temperaturen treten jedoch Hitzestress, erhöhter Sauerstoffbedarf und Krankheitsanfälligkeit auf, wobei Brassen als relativ tolerant gegenüber kurzfristig niedrigen Sauerstoffgehalten gelten. Als Bodenfresser ernährt sich der Brassen vor allem von, Zuckmückenlarven, Würmern, Schnecken, Muscheln und Detritus.

Die Art gilt in Hamburg als „ungefährdet“. Der Brassen ist aktuell die häufigste Fischart im Hafengebiet, was seine ökologische Toleranz verdeutlicht. Die Individuenzahl ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten jedoch insgesamt zurückgegangen. So sind in etwa 60 Prozent der ausgewerteten Elbezuflüsse Bestandsabnahmen zu verzeichnen. Auch in der Elbe sind gegenüber früheren Erhebungen geringere Individuenzahlen nachgewiesen worden. Der kurzfristige Bestandstrend weist damit insgesamt eine mäßige Abnahme auf. Ähnlich wie der Kaulbarsch gehört die Art zu den ökologischen Generalisten. Ihr Rückgang verdeutlicht die Herausforderungen der heimischen Fischfauna gegenüber den fortschreitenden Veränderungen des Tideelbe-Ökosystems.

Person hält ein Rotauge über einem Behälter mit Maßband zur Größenbestimmung.
Ein Rotauge liegt auf einer Hand. Der Fisch soll gemessen und bestimmt werden.
Fotostand / Gelhot

Rotauge/Plötze: Die Plötze ist ebenfalls eine der häufigsten Weißfischarten der Tideelbe. Die Plötze ist sehr anpassungsfähig und wärmetolerant und kann von moderat steigenden Temperaturen zunächst profitieren. Das Rotauge ist ein Nahrungsopportunist und nutzt Zooplankton, Insektenlarven sowie Algen und Pflanzenmaterial. Diese breite Nahrungsbasis macht die Art generell widerstandsfähig gegenüber Veränderungen im Ökosystem.

Der Bestand gilt hamburgweit als stabil, wobei die letzten Monitoringdaten in der Elbe sehr niedrig ausfallen. Im Bereich des Hafens und stromabwärts konnte die Art im aktuellen Monitoring nicht mehr nachgewiesen werden. Es ist daher in der Tideelbe von einem Bestandsrückgang auszugehen. 

Graureiher am Ufer mit Fisch im Schnabel, Seitenansicht
Ein Graureiher hat eine Ukelei gefangen.
H. Duty

Ukelei: Der Ukelei gehört zur charakteristischen Fischgemeinschaft der oberen und mittleren Tideelbe. Zunehmende Extremereignisse wie Sauerstoffdefizite, Niedrigwasserperioden und der Verlust strukturreicher Flachwasserhabitate gefährden insbesondere die Reproduktion und den Nachwuchs. Die langfristige Entwicklung der Ukelei hängt daher wesentlich davon ab, ob die Tideelbe ausreichend vielfältige Ufer- und Aufwuchslebensräume bereitstellt. 

Einem Fischer ist ein Zander ins Netz gegangen.
Der Zander gehört zu den beliebtesten Fischen der Elbe. Es gibt ihn derzeit in großen Beständen.
picture alliance

Zander: Den Zander gibt es in Hamburg vor allem in der Elbe. Er ist besonders gut an die Bedingungen der Tideelbe angepasst und profitiert aufgrund seiner Toleranz gegenüber Wärme, Trübung und schlechten Lichtverhältnissen von Veränderungen, die für andere Fischarten problematisch sind. Zander sind zudem gegenüber Sauerstoffmangel toleranter als viele andere Raubfische.

Der Bestand ist in den vergangenen Jahren gewachsen und  wird insgesamt als „stabil“ eingeschätzt. Der Zander profitiert von einer hohen Verfügbarkeit kleiner Beutefische wie Stint, Rotauge, Ukelei, Kaulbarsch und der invasiven Schwarzmundgrundel. Der starke Rückgang des Stints könnte daher langfristig auch den Zander beeinflussen, insbesondere in Jahren mit geringer Beutefischverfügbarkeit. Gleichzeitig steht auch der Zander zunehmend unter dem Einfluss von Klimawandel, Sauerstoffproblemen und Veränderungen der Gewässerstruktur. 

Angler hält eine Schwarzmundgrundel in der Hand.
Die Schwarzmundgrundel breitet sich in der Elbe massiv aus.
Marius Becker

Schwarzmundgrundel: Die Schwarzmundgrundel ist eine der erfolgreichsten invasiven Fischarten (Neozoen) in der Tideelbe. Sie stammt ursprünglich aus dem Schwarzen Meer, dem Asowschen Meer sowie dem Kaspischen Meer und gelangte durch Ballastwasser von Schiffen nach Mitteleuropa. In der Elbe wurde sie erstmals in den 2000er-Jahren nachgewiesen und hat sich seitdem stark ausgebreitet. Die Art ist ein typischer Opportunist, wird früh geschlechtsreif, toleriert hohe Temperaturen und extrem niedrige Sauerstoffkonzentrationen. Sie stellt eine starke Konkurrenz für die heimische Fischfauna dar, dient gleichzeitig aber auch als Nahrungsressource, beispielsweise für den Zander und Wels.

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