Reicht das Geld bis ins hohe Rentenalter? Was Sparer mit 50, 60 und 70 jetzt dringend prüfen sollten
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Finanzcheck vor dem Ruhestand: Das ist mit 50, 60 und 70 entscheidend
Stand: 12.07.2026, 13:45 Uhr
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Wer rechtzeitig vorsorgt, kann den Ruhestand entspannter angehen. In jedem Lebensjahrzehnt verschieben sich dabei die finanziellen Prioritäten.
London – Eine regelmäßige Überprüfung der eigenen Finanzen ist in jeder Lebensphase sinnvoll. Mit zunehmendem Alter verändern sich jedoch die Schwerpunkte. Während in den 50ern Vermögensaufbau und Schuldenabbau im Vordergrund stehen, geht es später stärker um Rentenentnahmen, Nachlassplanung und die Frage, ob das Geld bis ins hohe Alter reicht.
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Dieser Artikel von Rachel Wait entstand in Kooperation mit telegraph.co.uk.
Telegraph Money hat mit Vermögensverwaltern, Steuerexperten und Hypothekenmaklern über die wichtigsten Aufgaben in den 50ern, 60ern und 70ern gesprochen. Die Empfehlungen beziehen sich teilweise auf das britische Finanz- und Steuersystem. Grundsätzliche Hinweise zu Sparen, Schulden, Ruhestand und Nachlassplanung lassen sich jedoch auch auf andere Länder übertragen.

Der 50. Geburtstag kann zu einem finanziellen Wendepunkt werden. Kinder ziehen möglicherweise aus, das Einkommen erreicht häufig seinen Höhepunkt und der Ruhestand wirkt nicht mehr weit entfernt. Gleichzeitig zahlen viele Menschen noch eine Hypothek ab und unterstützen erwachsene Kinder oder alternde Eltern. Genau deshalb lohnt sich nun eine umfassende Bestandsaufnahme.
Finanzplanung ab 50: Jetzt wird der Ruhestand konkret
„Kinder ziehen möglicherweise aus, das Einkommen ist häufig auf dem Höchststand, und der Ruhestand ist kein fernes Konzept mehr“, sagt Will Bryant, Finanzberater und Director of Wealth Strategy beim britischen Finanzdienstleister Plum. Ausgaben, Sparraten, Schulden und bestehende Verpflichtungen sollten deshalb neu geordnet werden. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie viel sich für den Ruhestand zurücklegen lässt, ohne die aktuelle Lebensqualität zu stark einzuschränken.
Rentenlücke ab 50 prüfen und Beiträge erhöhen
Zunächst sollten Sparer prüfen, ob ihre Altersvorsorge zum gewünschten Lebensstandard im Ruhestand passt. Dafür lassen sich erwartete Einnahmen und voraussichtliche Ausgaben gegenüberstellen. So werden mögliche Lücken frühzeitig sichtbar. Wer hinter den eigenen Zielen zurückbleibt, kann Sparraten erhöhen oder Einmalbeträge einzahlen.
„Wenn Sie hinterherhinken, sollten Sie handeln, indem Sie Ihre monatlichen Beiträge erhöhen oder Einmalbeiträge leisten, etwa aus einer Bonuszahlung“, sagt Les Cameron vom Finanzdienstleister M&G. „Jeder zusätzliche Betrag, den Sie jetzt einzahlen, kann noch 10 bis 15 Jahre lang wachsen.“ Im Vereinigten Königreich lohnt sich außerdem ein Blick auf die National-Insurance-Historie, in Deutschland auf Renteninformation und Versicherungsverlauf. Fehlende Beitragszeiten oder ungeklärte Beschäftigungsjahre sollten möglichst früh berichtigt werden.
Rentenverträge ab 50 prüfen – Garantien nicht verlieren
Auch die Zusammensetzung der Altersvorsorge sollte überprüft werden. In den frühen 50ern bleiben häufig noch 15 Jahre oder mehr bis zum Ruhestand. Die Anlagestruktur muss deshalb zum geplanten Rentenbeginn und zur späteren Entnahmestrategie passen. Entscheidend ist, das Risiko rechtzeitig zu prüfen, ohne zu früh sämtliche Ertragschancen aufzugeben.
„Entscheidend ist, nicht von Marktschwankungen überrascht zu werden, wenn Sie kurz vor dem Ruhestand stehen“, sagt Cameron. Alte Rentenverträge lassen sich unter Umständen bündeln, doch dabei können Garantien oder besondere Konditionen verloren gehen. Vor einer Zusammenlegung sollten deshalb Kosten, Leistungen und Sicherheiten verglichen werden. Gerade ältere Verträge können wertvolle Garantiezinsen oder andere Vorteile enthalten.
Schulden ab 50 abbauen und Sondertilgungen nutzen
In den 50ern rückt auch der Schuldenabbau stärker in den Mittelpunkt. Wer Hypothek oder andere Kredite vor dem Ruhestand reduziert, senkt seine späteren Fixkosten. Das kann den finanziellen Spielraum im Alter erheblich vergrößern. Besonders bei langfristigen Immobilienkrediten lohnt sich ein genauer Blick auf Sondertilgungen und Restlaufzeit.
Mark Harris vom Hypothekenmakler SPF Private Clients verweist darauf, dass viele britische Kreditgeber zusätzliche Zahlungen von bis zu zehn Prozent der Hypothekensumme pro Jahr ohne Strafgebühren erlauben. Bei einer Hypothek über 250.000 Pfund (rund 293.000 Euro), 15 Jahren Restlaufzeit und 4,5 Prozent Zins könnten monatlich 250 Pfund (rund 293 Euro) zusätzlich die Laufzeit um zwei Jahre und fünf Monate verkürzen. Nach seiner Berechnung ließen sich dadurch 15.898 Pfund (rund 18.600 Euro) Zinsen sparen. Die konkreten Möglichkeiten hängen jedoch vom jeweiligen Vertrag ab.
Schenkungen ab 50 planen und Nachlass vorbereiten
Viele Menschen beginnen in ihren 50ern auch damit, Vermögen an Kinder oder Enkel weiterzugeben. Häufig geht es um Unterstützung beim Immobilienkauf, bei Ausbildungskosten oder um größere Anschaffungen. Wer früh plant, hat meist mehr Gestaltungsmöglichkeiten. Zugleich kann eine rechtzeitige Planung helfen, spätere steuerliche Belastungen zu verringern.
Im britischen Steuerrecht gibt es einen jährlichen Freibetrag von 3000 Pfund (rund 3500 Euro) für Schenkungen. Größere Übertragungen können unter bestimmten Voraussetzungen ebenfalls von der Erbschaftsteuer ausgenommen sein, wenn der Schenkende mindestens sieben Jahre weiterlebt. Solche Regeln unterscheiden sich deutlich von Land zu Land. Größere Schenkungen sollten deshalb genau dokumentiert und fachlich geprüft werden.
Ruhestand ab 60: Vermögen erhalten statt weiter aufbauen
In den 60ern verschiebt sich der Schwerpunkt vom Vermögensaufbau zum Erhalt und zur Nutzung des vorhandenen Vermögens. Viele reduzieren ihre Arbeitszeit oder gehen vollständig in den Ruhestand. Gleichzeitig gewinnen Gesundheit, Reisen und Lebensqualität an Bedeutung. Die ersten Ruhestandsjahre können dabei teurer sein als spätere Phasen.
Daniel Hough vom Vermögensverwalter RBC Brewin Dolphin beobachtet, dass viele Menschen den Beginn des Ruhestands besonders aktiv gestalten. „Kunden stellen oft fest, dass der erste Teil ihres Ruhestands am teuersten ist, da sie mit wohlverdienten Erlebnissen, Reisen und anderen Zielen feiern, für die sie gespart haben.“ Eine realistische Planung sollte diese Phase berücksichtigen. Wer zu vorsichtig startet, verzichtet womöglich unnötig, wer zu großzügig entnimmt, riskiert spätere Engpässe.
Rente ab 60 flexibel und steuerbewusst entnehmen
Mit dem Ruhestand stellt sich die Frage, wie das angesparte Vermögen ausgezahlt werden soll. Möglich sind schrittweise Entnahmen, größere Einmalzahlungen oder Produkte mit garantiertem Einkommen. Welche Lösung passt, hängt von Sicherheitsbedürfnis, Lebenserwartung und Risikobereitschaft ab. Häufig bietet eine Kombination mehr Flexibilität als eine einzige Lösung.
„Es ist auch wichtig, sich daran zu erinnern, dass dies keine Entweder-oder-Entscheidung sein muss“, erläutert Mike Ambery vom Rentenanbieter Standard Life. Manche Menschen nutzen einen Teil ihrer Rente für ein verlässliches Einkommen, während der Rest investiert bleibt. Zugleich beeinflussen Höhe und Zeitpunkt der Entnahmen die Steuerbelastung. Wer zu viel auf einmal abruft, kann unnötig hohe Abgaben auslösen.
Testament und Vorsorgevollmacht ab 60 aktualisieren
In den 60ern sollten auch die Begünstigten in Renten- und Versicherungsverträgen überprüft werden. Nach Scheidungen, neuen Partnerschaften oder familiären Veränderungen bleiben häufig veraltete Angaben bestehen. Das kann im Todesfall zu Verzögerungen und Streit führen. Ein Begünstigtenformular ergänzt das Testament, ersetzt es aber nicht.
Zur Finanzplanung gehört nun zunehmend auch die Nachlassvorsorge. Testament, Vorsorgevollmacht und Regelungen für den Fall einer späteren Entscheidungsunfähigkeit sollten aktuell sein. Ebenso wichtig ist die Frage, wie mögliche Pflegekosten finanziert werden könnten. Offene Gespräche mit der Familie können spätere Konflikte verhindern und Angehörigen schwierige Entscheidungen erleichtern.
Rentenkonto
| Thema | Großbritannien | Deutschland |
|---|---|---|
| Rentenkonto | Für eine staatliche Rente braucht es mindestens zehn Beitragsjahre, für den vollen Satz meist 35. Den Stand zeigt der Online-Dienst „State Pension forecast auf gov.uk. | Für die Regelaltersrente genügen fünf Jahre. Was gespeichert ist, zeigt der Versicherungsverlauf der Deutschen Rentenversicherung. |
| Lücken schließen | Wer Lücken hat, kann sie für die vergangenen sechs Steuerjahre mit freiwilligen Beiträgen auffüllen. | Kaum möglich: Freiwillige Beiträge dürfen nur zahlen, wer nicht pflichtversichert ist. Fürs Vorjahr endet die Frist meist am 31. März. |
| Schenken pro Jahr | 3.000 Pfund im Jahr bleiben steuerfrei. Ungenutztes lässt sich einmal ins Folgejahr mitnehmen. | Keinen jährlichen Pauschalbetrag. Dafür feste Freibeträge: 400.000 Euro pro Elternteil und Kind, 500.000 Euro unter Ehepartnern. |
| Die Fristen | Lebt der Schenkende noch sieben Jahre, bleibt die Schenkung in der Regel steuerfrei. Stirbt er früher, wird es teurer. | Nach zehn Jahren lebt der Freibetrag neu auf. Was innerhalb dieser Frist verschenkt wird, zählt zusammen. |
| Muss ich das melden? | Zu Lebzeiten nicht. Erst nach dem Tod geben die Nachlassverwalter die Schenkungen an. | Ja – meist binnen drei Monaten beim Finanzamt, auch wenn keine Steuer anfällt. Bei notariellen Schenkungen übernimmt das der Notar. |
| Private Vorsorge | Betriebs- und Privatrenten. Die beliebten ISA-Konten sind steuerbegünstigt, aber keine Rentenverträge. | Ab 2027 gibt es keine neuen Riester-Verträge mehr. An ihre Stelle tritt unter anderem das Altersvorsorgedepot. Alte Verträge laufen weiter. |
(Stand: Juli 2026. Die Rechtslage kann sich ändern. In Deutschland liegen mehrere Verfahren zur Erbschaftsteuer beim Bundesverfassungsgericht, ein Entscheidungstermin steht nicht fest. In Großbritannien sollen ab April 2027 geerbte Rentenvermögen in die Erbschaftsteuer einbezogen werden. Die Übersicht bietet eine erste Orientierung und ersetzt keine Steuer- oder Rechtsberatung. Für Richtigkeit und Vollständigkeit wird keine Gewähr übernommen. / Quellen: gov.uk, HM Revenue & Customs, Deutsche Rentenversicherung, Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetz, Bundestag, Bundesrat, Bundesfinanzministerium.)
Finanzcheck ab 70: Reicht das Geld bis ins hohe Alter?
In den 70ern wird die Frage wichtiger, ob das vorhandene Vermögen für den restlichen Ruhestand ausreicht. Viele Menschen kennen ihre tatsächlichen Ausgaben inzwischen besser. Gleichzeitig können Kosten für Gesundheit, Pflege oder Reparaturen stärker ins Gewicht fallen. Ein Ruhestand kann heute 30 Jahre oder länger dauern.
„Das bedeutet, Ausgaben, Anlagen und Entnahmestrategie regelmäßig zu überprüfen, um sicherzustellen, dass Ihre Finanzen tragfähig bleiben, wenn sich Märkte, Inflation und Steuervorschriften ändern“, so Bryant. Auch eine Notfallreserve bleibt wichtig. Sie verhindert, dass langfristige Anlagen bei ungünstiger Marktlage verkauft werden müssen. Ein jährlicher Finanzcheck kann helfen, Engpässe frühzeitig zu erkennen.
Wohnen ab 70: Hausverkauf und Umzug rechtzeitig prüfen
Die 70er können auch der richtige Zeitpunkt sein, die Wohnsituation neu zu bewerten. Ein großes Haus verursacht oft hohe Kosten und verlangt regelmäßige Instandhaltung. Gleichzeitig gewinnen Barrierefreiheit, Nähe zur Familie, medizinische Versorgung und soziale Kontakte an Bedeutung. Ein Umzug sollte deshalb nicht erst unter Zeitdruck erwogen werden.
„Über die praktische Seite hinaus kann das frei werdende Kapital ruhig den Rest des Plans finanzieren – mehr Urlaube, künftige Pflege, Geschenke an die Familie oder einfach die Beibehaltung des gewünschten Lebensstandards“, erklärt Chris Ball vom Beratungsunternehmen Hoxton Wealth. Eine kleinere Immobilie ist jedoch nicht automatisch günstiger. Verkaufserlös, Umzugskosten, laufende Ausgaben und emotionale Folgen müssen gemeinsam betrachtet werden. Wer rechtzeitig plant, kann den Schritt aus einer Position der Stärke heraus treffen.
Altersvorsorge: Digitalen Nachlass, Konten und Schenkungen ab 70 ordnen
In den 70ern sollten Testament, Vollmachten, Versicherungsunterlagen und Kontoübersichten noch einmal geprüft werden. Angehörige und Testamentsvollstrecker sollten wissen, wo wichtige Dokumente aufbewahrt werden. Auch eine Übersicht über Banken, Versicherer und andere Vertragspartner ist hilfreich. Beim Aufschreiben von Passwörtern ist allerdings besondere Vorsicht geboten.
„Da sich ein Großteil unseres Lebens ins Internet verlagert, ist es hilfreich, festzuhalten, bei welchen Instituten Konten geführt werden und bei welchen Gesellschaften Versicherungen bestehen“, so Bryant. Größere Schenkungen an Kinder oder Enkel sollten zudem mit Datum, Empfänger, Wert und Art der Übertragung dokumentiert werden. Je geordneter die Unterlagen sind, desto leichter fällt Angehörigen später die Verwaltung des Nachlasses. Eine regelmäßig aktualisierte Übersicht kann dabei viel Aufwand ersparen.