Bosch baut humanoide Roboter im Schwarzwald ab 2027

Menschenähnliche Roboter gelten als vielversprechende Zukunftstechnologie. Bosch sieht darin eine Geschäftschance – und will sie ab 2027 in seinem Werk im badischen Bühl erstmals in Serie produzieren.

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Bosch baut humanoide Roboter im Schwarzwald ab 2027

Die Fabrik von Bosch im Schwarzwald-Städtchen Bühl hat bessere Zeiten gesehen. Seit Jahren streicht der krisengeschüttelte Autozulieferer an dem Standort südwestlich von Baden-Baden Arbeitsplätze. Doch nun will Bosch in Bühl ein ganz neues Produkt herstellen. Ab nächsten Sommer sollen in dem Werk in Kooperation mit dem britischen Start-up Humanoid sogenannte humanoide Roboter in Serie produziert werden. Der Standort im Schwarzwald wird damit der weltweit erste, an dem Bosch mit der Industrialisierung dieser Zukunftstechnik beginnt.

Von Künstlicher Intelligenz (KI) gesteuerte, menschenähnliche Roboter mit Armen, Händen und teilweise auch Beinen stehen bisher noch ganz am Anfang, sie gelten aber als großer Hoffnungsträger für die nächste Stufe der Automatisierung und sollen in der Industrieproduktion, in der Logistik und später auch in der Kranken- und Altenpflege und als Haushaltshelfer zum Einsatz kommen.

Wie groß derzeit der Hype um die Robotermenschen ist, zeigte diese Woche der viel beachtete Börsengang des chinesischen Robotikherstellers Unitree in Shanghai. Die Aktie war stark überzeichnet.

Produktion soll im Juli 2027 starten

Bosch ist erst relativ spät in den Zukunftsmarkt für humanoide Roboter eingestiegen und hat dafür in diesem Jahr eine Reihe von Kooperationen mit Unternehmen in Europa und China geschlossen – eine davon im Frühjahr mit Humanoid aus London. Jetzt gibt es konkrete Pläne der beiden Partner. Im August 2027 solle in Bühl die Serienfertigung humanoider Roboter beginnen, teilte Humanoid auf Anfrage der F.A.S. mit.

Von Bosch heißt es, nach erfolgreichen Praxistests in Bühl übernehme man im Auftrag von Humanoid die Produktion von Robotern. Bosch könnte in Zukunft auch Bauteile wie Antriebe, Motoren, Sensoren und andere Komponenten zuliefern. Dies werde derzeit geprüft, teilte Bosch mit.

Autozulieferer Schaeffler als einer der ersten Abnehmer

Nach Angaben von Humanoid soll in Bühl eine neue Robotergeneration namens Gamma produziert werden, die als Plattform für den Einsatz in der Industrie dienen soll. Einer der ersten Abnehmer werde der fränkische Autozulieferer Schaeffler sein, mit dem Humanoid ebenfalls ein Bündnis geschlossen hat.

Die geplanten Stückzahlen sind zunächst überschaubar. Laut Humanoid sollen 2027 mehrere Hundert humanoide Roboter in Bühl gefertigt werden. Bosch und Humanoid äußern sich bislang nicht dazu, wie viele Mitarbeiter in der Produktion beschäftigt werden, doch dürfte es sich zu Beginn nur um eine zweistellige Zahl handeln. Insgesamt gibt es in der Bosch-Fabrik in Bühl derzeit noch 2700 Mitarbeiter, die dort unter anderem kleine Elektromotoren und Bauteile für Autofensterheber fertigen. Das Unternehmen hat angekündigt, bis 2030 rund 1100 Arbeitsplätze in Bühl abzubauen.

Der Partner Bosch verfüge über erhebliche Kapazitäten, um die Fertigung von Robotern mit steigender Nachfrage auszubauen, heißt es von Humanoid. Zum Vergleich: Der chinesische Wettbewerber Unitree hat nach eigenen Angaben bisher mehr als 5000 humanoide Roboter produziert.

Humanoid will die Roboter an Kunden wie Schaeffler nicht verkaufen, sondern vermieten („Robotics as a Service“). Sie sollen monotone und kräftezehrende Aufgaben in der Industrieproduktion und Logistik übernehmen.

Mit Rollen ausgestatteter Roboter von Humanoid.
Mit Rollen ausgestatteter Roboter von Humanoid.JLPPA/Bestimage

Bislang gelten vor allem chinesische Unternehmen wie Unitree, AgiBot, UBTech und XPeng als führend in der Entwicklung humanoider Roboter.  Im neuen Fünfjahresplan der chinesischen Staatsführung wird die sogenannte physische KI (physical AI), zu denen menschenähnliche Roboter gezählt werden, als strategisch wichtiges Zukunftsfeld aufgeführt.

Auch der US-Konzern Tesla von Elon Musk und weitere US-Unternehmen wie Apptronik und Figure arbeiten an menschenähnlichen Robotern. Doch die Fortschritte sind oft mühsam. Der von Musk seit Langem angekündigte humanoide Tesla-Roboter Optimus ist noch immer nicht auf dem Markt. Die Produktion werde zunächst „extrem langsam“ anlaufen, räumte Musk im Juli ein. Es handle sich um eine völlig neue Technik. Auch humanoide Roboter anderer Hersteller sind bisher nur in kleinen Stückzahlen im Praxiseinsatz.

Europäische Unternehmen wollen ebenfalls im Geschäft mit den humanoiden Robotern mitmischen. In Deutschland machten vor allem die beiden Start-ups Neura Robotics aus Metzingen und Agile Robots aus München von sich reden. Agile Robots nimmt derzeit in Fürstenfeldbruck eine eigene Fertigung humanoider Roboter in Betrieb. Der Münchner Autohersteller BMW wiederum erprobt in seinem Werk in Leipzig den Einsatz erster humanoider Roboter des Schweizer Herstellers Hexagon. Auch diese sollen vom nächsten Jahr an in Serie hergestellt werden.

Der britische Bosch-Partner Humanoid wurde 2024 von dem russischen Unternehmer Artem Sokolov gegründet, dessen Familie früher ein Schmuckhandelsunternehmen betrieben hat. Im Juli gab Humanoid bekannt, 152 Millionen Dollar von Investoren eingesammelt zu haben. Das Start-up wurde dabei mit 1,35 Milliarden Dollar bewertet. Zu den Geldgebern zählten auch Bosch und Schaeffler.

Fachleute sehen die komplexe Mechanik und Elektronik humanoider Roboter als vielversprechendes neues Geschäftsfeld für kriselnde europäische Autozulieferer und andere Industriehersteller. Der Großteil der Wertschöpfung liege nicht in der KI-Software, sondern in der Hardware der Robotor, heißt es in einer Studie des Fraunhofer-IPA-Instituts und der Unternehmensberatung P3. Unternehmen wie Schaeffler wollen Bauteile für humanoide Roboter liefern und sie zugleich als Helfer in ihrer eigenen Produktion einsetzen.