Europas Autoindustrie unter Druck: Chinesische Hersteller holen rasant auf

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Europas Autoindustrie unter Druck: Chinesische Hersteller holen rasant auf

Europas Autoindustrie in der Krise: Chinesische Konkurrenz wächst rasanter als erwartet

Stand: 10.08.2026, 20:21 Uhr

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Chinesische Autohersteller drängen mit großer Wucht auf den europäischen Markt. Das Ausmaß ihres Wachstums wurde von vielen Experten drastisch unterschätzt.

München – Der chinesische Automarkt ist von Überproduktion geprägt, was zu einem ruinösen Preiskampf führt. Die chinesischen Hersteller sehen den Export als einen Ausweg aus diesem Dilemma. Laut der europäischen Organisation Transport & Environment (T&E) stammen bereits rund 60 Prozent der weltweit verkauften Elektroautos aus chinesischer Produktion.

Neuwagen der chinesischen Marke MG Motor: Der Autobauer SAIC plant für die Tochter eine eigene Produktionsstätte in Spanien

Neuwagen der chinesischen Marke MG Motor: Der Autobauer SAIC plant für die Tochter eine eigene Produktionsstätte in Spanien. © ZUMA Press/Imago

Wachstumsraten chinesischer Hersteller in Europa: Prognosen zu niedrig angesetzt

Europa steht im Fokus von BYD oder Geely. Und die chinesischen Hersteller kommen offenbar mit einer wesentlich größeren Wucht als von Experten erwartet. So ging S&P Global Mobility in einer im Oktober 2024 veröffentlichten Studie davon aus, dass chinesische Marken bis 2034 einen Marktanteil von zehn Prozent in der EU erreichen werden.

Im April dieses Jahres sah die Sache jedoch anders aus. Laut S&P Global Mobility erreichte der Marktanteil chinesischer Autos in Europa im Jahr 2025 bereits 5,8 Prozent und hat sich damit gegenüber dem Vorjahr verdoppelt. Bis 2035 soll dieser Anteil auf rund 15,5 Prozent steigen.

Anscheinend ist diese Prognose jedoch noch zu niedrig angesetzt. „Bislang sind wir davon ausgegangen, dass chinesische Marken 20 Prozent des Marktes erreichen können. Jetzt tendieren wir dazu, das nochmals deutlich höher anzusetzen“, sagte Martin Benecke, Manager bei S&P Global Mobility, der Automobilwoche.

Chinesische Autobauer in Europa: Wachstum aufgrund einer agressiven Preispolitik

Paul Willis, der ehemalige Chef von VW in Großbritannien, geht sogar noch weiter. „Glaube ich, dass chinesische Marken einen Marktanteil von 30 Prozent erreichen können? Wahrscheinlich“, sagte er dem Car Dealer Magazine. Seiner Meinung nach werde dies hauptsächlich über den Preis laufen. Er erwarte jedoch nicht, dass diese Strategie langfristig nachhaltig sei.

Mit dieser Einschätzung steht Willis nicht allein da. „Die chinesischen Autobauer erobern mit einer sehr aggressiven Preispolitik langsam, aber sicher Marktanteile in der EU“, sagte Constantin Gall, Analyst der Beratungsfirma EY, der Nachrichtenagentur AFP.

Auch Julian Litzinger, Analyst bei Dataforce, glaubt, dass die chinesischen Marken in Europa über den Preis wachsen werden. „Ein Ende gibt es erst, wenn unsere heimischen Hersteller versuchen, mit den Preisen runterzukommen“, sagte er der Automobilwoche. Als positives Beispiel nennt er den Elektro-Twingo von Renault, der knapp 20.000 Euro kostet. Der VW ID.Polo, der ab knapp 25.000 Euro erhältlich ist, hält er dagegen für zu teuer.

Marktanteil chinesischer Autobauer in Deutschland: In zehn Jahren könnten es 15 Prozent sein

Daten von Dataforce, die von der Automobilwoche veröffentlicht wurden, zeigen große Unterschiede beim Anteil chinesischer Marken in den einzelnen europäischen Ländern. In Großbritannien betrug ihr Anteil im Zeitraum von Januar bis Mai 2026 15,7 Prozent. Dicht dahinter folgt Norwegen mit 15,4 Prozent. Es folgen Spanien mit 14 Prozent und Italien mit 13 Prozent.

Deutschland liegt mit 3,8 Prozent weit hinten im Feld. S&P-Global-Mobility-Analyst Benecke prognostiziert jedoch, dass dieser Anteil in den kommenden zehn Jahren auf bis zu 15 Prozent steigen wird.

Chinesische Autobauer in Europa: SAIC ist der nach Volumen erfolgreichste Konzern

Der europäische Automobilherstellerverband ACEA veröffentlicht regelmäßig Daten zu den Fahrzeugneuzulassungen in der EU. Demnach stechen chinesische Hersteller bei den Wachstumsraten besonders heraus. So kam Chery im ersten Halbjahr 2026 auf fast 85.000 Neuzulassungen in der Region. Das ist ein Plus von rund 268 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Leapmotor wuchs sogar um fast 527 Prozent, allerdings von einer kleineren Basis ausgehend. Aktuell kommt das Unternehmen auf etwa 48.261 Neuzulassungen. ACEA kommt für BYD auf 130.743 Neuwagenverkäufe, was einem Plus von 168 Prozent entspricht. SAIC, zu dem die Marke MG gehört, legte um 19 Prozent auf fast 85.000 Zulassungen zu. Damit ist das Unternehmen der nach Volumen größte chinesische Konzern in der Region. Der Marktanteil aller chinesischer Autokonzerne stieg in der EU im Juni von sechs auf zehn Prozent. (Quellen: S&P Global Mobility, Automobilwoche, Car Dealer Magazine, ACEA, AFP)