Europa dominiert die WM – die UEFA sollte mehr Startplätze fordern
StartseiteSportFußballStand: 13.07.2026, 15:00 UhrKommentareUns auf Google folgenEuropa dominiert die WM, wird von der FIFA aber ausgebremst. Warum für das Jubiläumsturnier 2030 dringend mehr als 18 Startplätze...
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Stand: 13.07.2026, 15:00 Uhr
Europa dominiert die WM, wird von der FIFA aber ausgebremst. Warum für das Jubiläumsturnier 2030 dringend mehr als 18 Startplätze benötigt werden.
Bald wird man an die WM 2030 denken. Doch wie will die FIFA, die sich auf Leistungsgerechtigkeit, die Weltrangliste und Respekt vor sportlichen Werten beruft, bei der nächsten Weltmeisterschaft dieselbe Verteilung der Startplätze wie 2026 vertreten? Auf dem amerikanischen Kontinent kamen mit Frankreich, Spanien und England drei von vier Halbfinalisten aus Europa. Aus Südamerika schaffte es nur Argentinien. Der Rest der Welt verabschiedete sich vor der entscheidenden Phase.
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Dieser Artikel von Fabio Licari entstand in Kooperation mit Gazzetta dello Sport.
Die Formel 65-24-1-1-1 beschreibt die nach Kontinenten verteilten Halbfinalisten in den 23 Turnieren vom ersten in Uruguay 1930 bis zu dieser Ausgabe in Nordamerika. Sie zeigt, dass Europa 65 Halbfinalisten stellte (71 Prozent) und Südamerika 24. Bei Letzteren waren es zudem immer dieselben drei: Brasilien, Argentinien und Uruguay (plus Chile 1962).
Demgegenüber war Afrika 2022 mit den Marokkanern einmal vertreten. Asien schaffte es 2002 mit Südkorea, das sportlich eigentlich unterlegen war, aber nach hochgradig umstrittenen Schiedsrichterentscheidungen Italien im Achtelfinale und Spanien im Viertelfinale ausschaltete. Nordamerika war lediglich einmal mit den Vereinigten Staaten vor fast hundert Jahren dabei. Bei einer Verteilung nach diesen Proportionen gleicht das Turnier praktisch einer Europameisterschaft.
Neues Qualifikationsformat vor dem WM-Jubiläum
Die Weltmeisterschaft wird bald hundert Jahre alt. Sie erreicht dieses Jubiläum in der bislang ambitioniertesten Ausgabe 2030, die von Spanien, Portugal und Marokko ausgerichtet wird. Zudem gibt es einen zeremoniellen Auftakt in Uruguay, Argentinien und Paraguay. Letzteres ist sportlich zwar kaum zu rechtfertigen, aber trotzdem dabei.
Bereits 2029 beginnt die europäische Qualifikation mit dem neuen UEFA-System. Dieses ist attraktiv, aber noch komplizierter als das bisherige Modell und an der reformierten Königsklasse orientiert. Die 36 besten Nationen aus der Nations League werden in drei große Gruppen mit je 12 Nationalteams eingeteilt. Der genaue Modus wird im September beschlossen.
Nach derzeitigem Stand zeichnet sich ein harter Überlebenskampf ab. Es ist anzunehmen, dass sich die ersten vier jeder Gruppe, also insgesamt zwölf Teams, direkt qualifizieren. Die besten der übrigen 24 spielen mit den Nachrückern aus den unteren Ligen die restlichen Tickets in den Play-offs aus.
Diese Aussicht bereitet bereits jetzt Sorgen, falls es bei nur 16 europäischen Startplätzen bleibt. Da Spanien und Portugal als Gastgeber bereits qualifiziert sind, ist die Aussicht auf eine weitere Reduzierung nicht auszuschließen. Diese Konstellation sollte vielmehr genutzt werden, um völlig zu Recht mindestens 18 europäische Teams zuzulassen.
Bevorzugte Lage für Südamerika und mögliche Play-offs
All dies geschieht, während sechs südamerikanische Mannschaften ihr recht komfortables Qualifikationsturnier bestreiten. Darunter befindet sich die Seleção, die als Fünfter im letzten Zyklus in Europa ernsthaft in Gefahr geraten wäre. Zudem ist die Frage offen, ob alle Gastgeber, darunter auch Paraguay, automatisch qualifiziert sind. Vielleicht muss eine Mannschaft in die interkontinentalen Play-offs, etwa eine Auswahl wie Bolivien. Die Bolivianer verloren im hiesigen Wettbewerb das Finale gegen den schwachen Irak, während Dänemark und Italien im Elfmeterschießen ausschieden.
Hinzu kämen etwa zwanzig Startplätze für Afrika und Asien. Dies nährt den Verdacht, dass es zwecklos ist, diese Ungleichgewichte zu kritisieren. Offenbar ist bereits alles entschieden. Die FIFA wartet nur auf den geeigneten Moment, um dies bekanntzugeben und sich damit größtmögliche Handlungsfreiheit vorzubehalten. Das wäre wohl auch passiert, wenn der Iran nicht hätte teilnehmen können.
Verantwortung von FIFA und UEFA für die Startplatzverteilung
Wenn die FIFA hier die große Verantwortung trägt, ist auch die UEFA nicht frei von dieser Politik der Reduzierung europäischer Chancen. Es liegt also am UEFA-Hauptsitz Nyon, mehr zu verlangen. Die sportlichen Argumente sind vorhanden, um einen solchen Vorschlag offiziell einzubringen. Vor allem liegt es an den Nationalverbänden, bei Präsident Aleksander Ceferin im eigenen Interesse vorstellig zu werden.
Für die UEFA ist es vorteilhaft, wenn das Niveau der Weltmeisterschaft sinkt. Sie kann dann später behaupten, die Europameisterschaft sei sportlich überlegen. Das stimmt zweifellos, schmälert jedoch nicht den einzigartigen Charakter der Weltmeisterschaft. Es bleibt faszinierend, Mannschaften wie Curaçao kennenzulernen und sie vorübergehend für Kap Verde zu halten – solange es nicht gegen die Azzurri geht. Nur sollte man es mit Wildcards und politisch motivierten Einladungen nicht übertreiben.