Eulen in Deutschland unter Druck – das brauchen sie zum Überleben

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Eulen in Deutschland unter Druck – das brauchen sie zum Überleben

Stand: 04.08.2026, 07:06 Uhr

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Man sieht sie kaum, dennoch faszinieren Eulen Menschen seit jeher. Doch ihr Lebensraum ist hierzulande bedroht, und Schuld ist nicht der Klimawandel. Eine Bestandsaufnahme zum Welttag der Eule.

Bonn – Was ist wichtiger? Neuer Wohnraum für Menschen auf ehemaligen Streuobstwiesen am Ortsrand oder der Erhalt von Lebensraum für Eulen? Auch am Beispiel der Nachtvögel wird der Interessenkonflikt von Mensch und Wildtier deutlich. Experten beobachten, dass Eulen hierzulande keine große Lobby haben.

Artikel der KNA

Dieser Beitrag stammt von der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Die zehn in Deutschland lebenden Eulenarten seien durch zahlreiche Faktoren bedroht, erklärt Wilhelm Breuer, Geschäftsführer der Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen (EGE). Hierzu zählten unter anderem intensive Landnutzung, „nur unzureichend an die Anforderungen des Naturschutzes angepasste Land- und Forstwirtschaft“ sowie zunehmende Verstädterung.

Eine präparierte Waldohreule

Die Bestände von Eulen können in der Regel nur geschätzt werden, da sie aufgrund der nachtaktiven Lebensweise schwer zu erfassen sind. © Christopher Beschnitt/KNA

Diese Gefährdungsfaktoren dringen laut Breuer in die Lebensräume der Tiere vor und „durchkreuzen die Lebensbedingungen der Eulen“. Die Nachtvögel bräuchten deshalb mehr als den Erhalt der Dunkelheit.

Streuobstwiesen und alte Bäume gut für Eulen

Vor allem der Raufußkauz und die Arten der offenen Kulturlandschaft – wie Schleiereule und Steinkauz – haben laut Christiane Geidel wichtige Lebensräume wie Streuobstwiesen und alte Bäume verloren. Dadurch fehlten ihnen geeignete Jagdflächen und Nistmöglichkeiten, erklärt die Biologin vom Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern.

Auch sie sieht den Menschen als Hauptgrund für sinkende Bestände. Ohnehin sei die Eulenpopulation nur schwer zu erfassen, sagt Geidel. Aufgrund der „nachtaktiven und heimlichen Lebensweise“ dieser Tiere könnten zu den allermeisten Arten nur Schätzwerte ermittelt werden.

Sie verweist auf den Dachverband Deutscher Avifaunisten, der das Vorkommen von Vogelarten erfasst. Selbst dieser bleibt vage bei Angaben zum Vorkommen einzelner Eulenarten: Beim Waldkauz etwa wird demnach von 42.000 bis 74.000 Revieren ausgegangen, bei der Waldohreule sind es 23.000 bis 38.000 Reviere und beim Uhu etwa 4.000 bis 4.600.

Steinkauzpaare ohne Bleibe

Eulen-Fachmann Breuer sieht vor allem die Politik in der Pflicht. Die notwendige Wohnungsbauoffensive bedrohe verbliebene Streuobstwiesen am Rand von Ortschaften. Diese Bereiche seien Lebensraum einiger tausend Steinkauzpaare und gewissermaßen Bauerwartungsland.

Der Bundestag entkerne „derzeit die vor genau 50 Jahren zum Schutz dieser und anderer Lebensräume geschaffenen Vorschriften des Bundesnaturschutzgesetzes“, was er scharf kritisiert. Dies geschehe „zugunsten eines totalen Vorranges für zahlreiche Infrastrukturvorhaben vom Wind- und Solarpark, von der Stromtrasse und Autobahn bis zum Neubaugebiet auf der grünen Wiese“.

Durch solche Eingriffe in die Natur verknappen sich laut Breuer die Nahrungstiere der Eulen. „Dabei dreht sich im Leben der Eulen fast alles um die Maus.“ Deshalb sei die Lage für eine ganze Reihe der in Deutschland heimischen Eulenarten prekär.

Gefährlicher „Klimawandel in den Herzen“

Schuld sei daran aber nicht der Klimawandel, betont Breuer. Gefährlich sei vielmehr jener „Klimawandel, der sich in den Herzen und Hirnen der Menschen, insbesondere der Abgeordneten der Parlamente, gegen den Naturschutz vollzieht, und die gesetzgeberischen Errungenschaften der letzten Jahrzehnte auf dem Gebiet des Naturschutzes zerstört“.

Doch so selten man die überwiegenden Nachttiere auch zu Gesicht bekommt – bisweilen leben sie nicht nur in Wäldern, sondern auch „ganz nahe bei den Menschen“, erklärt Breuer. Waldohreulen sind demnach in mit alten Bäumen bestandenen Stadtvierteln, Schleiereulen in Kirchtürmen oder Uhus in Domen zu finden, „wie zuletzt in Hildesheim zur Freude der Dombesucher“.

Was jede und jeder für Eulen tun kann

Auch wenn viele Eulen nachtaktiv sind und Menschen wenig von ihnen mitbekommen, können Naturfreunde einiges für diese Vögel tun. Christiane Geidel vom Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern hat Tipps:

Nisthilfen anbringen: Wer ein passendes Gebäude oder ein eigenes Grundstück hat, kann beispielsweise Schleiereule, Steinkauz, Waldkauz und Raufußkauz mit einer Nisthilfe unterstützen. Bauanleitungen gibt es im Internet.

vorher beraten lassen: Vor dem Anbringen von Nistkästen sollte man sich fachkundig beraten lassen, ob dies im vorgesehenen Gebiet tatsächlich sinnvoll ist oder sich nicht vielleicht sogar schädlich auswirken kann. So sollten in Gegenden, wo der Raufußkauz lebt, keine künstlichen Nisthilfen für den weit verbreiteten Waldkauz ausgebracht werden. Denn Waldkäuze fressen Raufußkäuze und können lokal die deutlich kleinere und seltenere Art bedrohen.

Naturnaher Garten: Im eigenen Garten kann jede und jeder Einzelne dazu beitragen, der Natur Raum zu geben: indem man dort heimische Gewächse setzt. Damit bekommen die Beutetiere von Eulen – etwa Mäuse, Ratten, Käfer und Würmer sowie wiederum deren Nahrungsgrundlage – einen Lebensraum. Dieser zieht Uhu, Waldkauz, Waldohreule, Schleiereule oder Steinkauz an, die Gärten oder den städtischen Raum zur Jagd nutzen.

passenden Lebensraum schaffen: Auf Gifte und chemische Dünger im Garten sollte verzichtet werden. Zudem sollten Tierfreunde bewusst zu ökologisch produzierten Lebensmitteln greifen. So wird sichergestellt, dass in den Jagdgebieten der Eulen keine Beutetiere durch Pestizide Schaden nehmen. Damit bleibt die natürliche Nahrungsgrundlage der Eulen erhalten.

Nähe durch Webcams bei Uhu-Brutplätzen

Deshalb können Interessierte über die Homepage der Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen via Webcams Uhu-Brutplätze beobachten. Dadurch gelinge es, „Menschen für Eulen und ihren Schutz zu gewinnen“, freut sich Breuer. „Der Zuschauerzuspruch ist enorm, und daraus erwächst bei vielen Menschen auch ein Engagement für den Naturschutz.“

Eulen seien „geheimnisvolle und faszinierende Geschöpfe“ und „ausgestattet mit Supersinnen für das Leben in der Nacht“, sagt Breuer. Für Biologin Geidel liegt der Reiz von Eulen „im Unbekannten, Mystischen, Sagenumwobenen, das die Fantasie anregt“.

Zum anderen erfüllten Eulen mit ihrer optischen Erscheinung – runder Kopf, vergleichsweise große, nach vorne gerichtete Augen – „das perfekte Kindchenschema, was sie per se ‚niedlich‘ wirken lässt“. Das mache auch Deko-Eulen beliebt.

Die Tiere sind für Breuer gute „Sympathieträger für die Sache des Naturschutzes – mehr, als dies Naturschützer selbst je sein könnten“. Mit Eulen ließen sich auch Menschen für den Naturschutz gewinnen, die diesem sonst eher mit Distanz begegneten. Für den Katholiken ist Naturschutz ohnehin ein „Dienst an der Schöpfung“.