Temperatursturz: «Es fühlt sich an, als könnte ich endlich wieder atmen und leben»
Die Hitze der vergangenen Wochen ist kühlerem, teils regnerischem Wetter gewichen. Während einige endlich wieder durchschlafen können, schlägt anderen der Wetterumschwung aufs Gemüt.
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Aktualisiert19. Juli 2026, 18:17
Temperatursturz«Es fühlt sich an, als könnte ich endlich wieder atmen und leben»
Die Hitze der vergangenen Wochen ist kühlerem, teils regnerischem Wetter gewichen. Während einige endlich wieder durchschlafen können, schlägt anderen der Wetterumschwung aufs Gemüt.

Darum gehts
- Nach zuletzt mehreren Hitzewellen folgt vorerst kühleres Wetter.
- Bei der 20-Minuten-Leserschaft kommt das gemischt an. Viele sind froh, dass die Temperaturen endlich wieder erträglicher werden.
- Tatsächlich kann Hitze einen negativen Einfluss auf die Psyche und das Wohlbefinden von Menschen haben.
- Einige haben die Hitzetage und das für sie damit verbundene Gefühl von Sommer aber auch gefeiert.
Das Wetter bewegt die Schweiz. Die einen klagten seit Wochen über die Hitze und sind froh, kühlt es wieder ab. Die andern feierten die Hitze und fallen jetzt ins Loch, weils wieder kühler wird – das zeigt auch eine Umfrage in der 20-Minuten-Community.
Nathifa Sydler (34): «Trauere der Hitze bereits nach»
«Mir hat die Hitze so gutgetan und meine Stimmung erneuert. Deshalb bin ich jetzt schon richtig traurig, dass mehrere Tage am Stück keine echte Hitze mehr in Aussicht ist. Die Wärme und die Sonne haben auf mich wie pures Dopamin gewirkt. Ich hoffe, es wird noch einmal warm! Ich möchte unbedingt noch ein paarmal ans Wasser. Als Gfröörli geht das bei mir aber erst ab 30 Grad.

Einzig anstrengend war das ständige Reklamieren der anderen. Dauernd wird gejammert, es sei zu heiss. Dabei denkt niemand daran, dass es Menschen gibt, denen genau das guttut. Ich bin halt diejenige, die den Rest des Jahres friert – und trotzdem nicht dauernd reklamiert.»
Marco (30): «Bin erleichtert»
«Ich liebe es. Endlich kann man wieder leben! Die vergangenen Wochen waren echt schlimm. Ich habe meistens schlecht geschlafen und war ständig dehydriert. Jetzt kann man endlich wieder nach draussen und etwas unternehmen. Bei Temperaturen über 30 Grad ist das eine Tortur, bei der man jegliche Lebensfreude verliert.»
Wie geht es dir mit dem aktuellen Wetterumschwung?
Ich bin froh, dass es endlich abgekühlt hat.
Ich vermisse die Wärme und Sonne sehr.
Es ist mir eigentlich egal, ich passe mich an.
Ich finde beides gut, Abwechslung ist schön.
Ich habe das Wetter kaum bemerkt.
Nicole (30): «Kann mit der Hitze wenig anfangen»
«Es fühlt sich an, als könnte ich endlich wieder atmen und leben. Ich glaube, ich hatte eine Hitzedepression. Es war so schlimm. Jetzt kann ich wieder normal funktionieren, ohne ständig erschöpft zu sein oder zu schwitzen, obwohl ich nur existiere.

Heute Morgen ging ich in langen Hosen nach draussen, und es regnete leicht. Ich habe es genossen! Ich kann nicht verstehen, wie man dieser Hitze nachtrauern kann.» Jetzt könne sie auch endlich mit ihrer Hündin wieder normale Spaziergänge unternehmen. «Die wollte bei der Hitze nämlich auch nicht mehr viel machen!»
Yvonne (52): «Ab 30 Grad beginnt das Leben»
«Ich liebe warme Temperaturen. Ab 30 Grad beginnt das Leben für mich. Wenn die Temperatur unter 15 Grad fällt, würde ich am liebsten direkt Winterschlaf machen. Alles ist mühsamer: Man muss mehr anziehen und immer eine Jacke mitnehmen. Es lebe der Sommer!»
Michel Aresti, 37: «Bin schon nur wegen meines Hundes froh um Abkühlung»

«Ich finde es super, dass es nicht mehr so heiss ist – schon nur wegen meines Hundes. Jetzt kann ich wieder grössere Runden laufen, ohne dass er nach 15 Minuten nicht mehr weiterlaufen mag.»
Vivi Mason (27): «Eine Pause von Badi, Lärm und Menschenmengen? Ja bitte!»
«Es ist eine riesige Erleichterung. Wir haben zwar eine Klimaanlage, aber es ist sehr angenehm, nicht schon auf dem Weg zur Arbeit ins Schwitzen zu kommen. Ausserdem fühlt man sich nicht mehr gezwungen, jedes Wochenende in die Badi zu gehen. Eine Pause von Hitze, zu viel Sonne, Lärm und Menschenmengen? Ja bitte!»

In der Kommentarspalte von 20 Minuten sind die Meinungen indes klar: Rund 80 Prozent der Kommentierenden sind froh, ist es das vorläufig einmal gewesen mit der Hitze. Das sind die Hauptgründe, wieso die Kommentierenden keine Lust mehr haben auf Hitze:
- Schlafprobleme: Viele konnten wegen der warmen Nächte kaum schlafen und fühlen sich nun erstmals wieder erholt.
- Erschöpfung und eingeschränkte Leistungsfähigkeit: Mehrere schreiben, sie seien bei der Hitze schlapp, unkonzentriert oder kaum arbeitsfähig gewesen.
- Gesundheitliche Beschwerden: Genannt werden Kreislaufprobleme, Kopf- und Brustdruck, Herzprobleme, Hautausschlag und verstärkte Schmerzen bei Fibromyalgie.
- Gefühl des Eingesperrtseins: Einzelne konnten das Haus tagsüber kaum verlassen oder verglichen die Hitzewelle mit «Hausarrest».
- Belastung für Tiere und Natur: Hunde konnten nur kurze Runden laufen; zudem werden Trockenheit, verdorrte Pflanzen, Wassermangel und Auswirkungen auf die Landwirtschaft erwähnt.
- Psychische Belastung: Mehrere Teilnehmende verwenden Begriffe wie «Hitzedepression», mentale Erschöpfung oder das Gefühl, nicht mehr sie selbst zu sein.
Die positiven Stimmen verbinden die Hitze dagegen vor allem mit Lebensfreude, Sonne, Baden und einem Gefühl von Energie. Vereinzelt nennen Kommentierende auch konkrete Vorteile des warmen und trockenen Wetters bei der Arbeit: So gingen etwa Arbeiten mit Fiberglas schneller voran und auch Löcher zu graben, sei bei Regenwetter mühsam bis unmöglich.
Diese Hitze-Folgen zeigt die Forschung
Studien bringen hohe Temperaturen mit schlechterem Schlaf, mehr Stress, geringerer Leistungsfähigkeit und einer stärkeren psychischen Belastung in Verbindung. Wie stark jemand reagiert, ist jedoch sehr unterschiedlich.
Schlechter Schlaf: Hohe Innen- und Aussentemperaturen gehen häufig mit kürzerem und schlechterem Schlaf einher. Das zeigt eine systematische Übersichtsarbeit im Fachjournal Sleep Medicine Reviews. Schlafmangel kann wiederum Müdigkeit, Gereiztheit und Konzentrationsprobleme begünstigen.
Mehr Stress und Erschöpfung: Der Körper muss bei Hitze stärker arbeiten, um seine Temperatur zu regulieren. Die Weltgesundheitsorganisation WHO nennt Erschöpfung als typische Folge von Hitzebelastung und weist darauf hin, dass Hitze bestehende psychische Erkrankungen verschärfen kann.
Weniger Leistungsfähigkeit: Hitze kann Wohlbefinden, Gesundheit und Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Darauf weist das Bundesamt für Gesundheit hin. Besonders belastend ist sie bei körperlicher Arbeit, fehlender Abkühlung oder ungenügender Flüssigkeitszufuhr.
Mehr psychische Krisen: Eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse im Fachjournal The Lancet Planetary Health fand Zusammenhänge zwischen höheren Temperaturen beziehungsweise Hitzewellen und mehr psychiatrischen Behandlungen, Spitaleintritten sowie suizidalem Verhalten. Hierbei handelt es sich um statistische Zusammenhänge auf Bevölkerungsebene: Hitze löst nicht bei jeder Person automatisch eine psychische Erkrankung aus.
Bestehende Erkrankungen können sich verschärfen: Besonders gefährdet sind Menschen mit körperlichen oder psychischen Vorerkrankungen sowie Personen, die bestimmte Medikamente einnehmen. WHO und BAG weisen darauf hin, dass Hitze bestehende Erkrankungen verschlimmern und die Wärmeregulation zusätzlich belasten kann.

Daniel Graf (dgr) arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Er ist Leiter des Ressorts New und seit September 2023 Mitglied der Redaktionsleitung.