Erste Hilfe: Nicht zögern, retten!

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Erste Hilfe: Nicht zögern, retten!

Stand: 20.08.2026, 22:50 Uhr

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Wenn das Herz stehen bleibt, zählt jede Sekunde. Trotzdem greifen viele Menschen aus Angst zu wenig oder zu spät ein. Das muss sich ändern. Ein Kommentar von Sophia Belliveau.

München – Jedes Jahr sterben etwa 65.000 Menschen in Deutschland an einem plötzlichen Herztod – eine viel zu hohe Zahl. Das größte Problem: Nur in rund der Hälfte solcher Notfälle starten Außenstehende vor Eintreffen der Rettungskräfte mit der Reanimation. Dabei sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit mit jeder Minute, in der das Herz nicht schlägt, um zehn Prozent.

Regelungen für Ersthelfer

Die Überlebensrate bei Reanimationen außerhalb des Krankenhauses ist seit Jahren nicht signifikant gestiegen - sie liegt stabil bei elf Prozent. (Symbolbild) © Bernd Thissen/dpa

Wenn mehr Menschen eingreifen würden, könnten sie AOK-Schätzungen zufolge jährlich 10.000 weitere Menschen retten. Experten schwärmen in diesem Zusammenhang von der Stadt Seattle im Nordwesten der USA. Dort liegt die Chance, einen plötzlichen Herzstillstand außerhalb eines Krankenhauses zu überleben, bei 62 Prozent – in Deutschland sind es nur elf. Der entscheidende Unterschied: In Seattle leisten mehr Menschen die lebenswichtige Erste Hilfe.

Erste Hilfe: Deutsche trauen sich nicht zum Eingreifen

Das liegt nicht etwa daran, dass sich Deutsche weniger für das Wohl ihrer Mitmenschen interessieren als die Einwohner Seattles. Die meisten trauen sich schlicht nicht, einzugreifen – aus mangelndem Wissen oder Angst, etwas falsch zu machen. Ein medizinischer Notfall tritt in der Öffentlichkeit fast immer unerwartet ein und überfordert viele. Zudem ist Reanimation eine brutale Angelegenheit: Oft brechen Rippen oder sogar das Brustbein. Der Impuls, lieber nichts zu machen als etwas Falsches, ist verständlich, aber ein Trugschluss. Jede Hilfe ist besser als keine.

Dass das Bayerische Rote Kreuz Kinder zu Ersthelfern ausbildet, senkt hoffentlich in der nächsten Generation die Hemmschwelle. Doch auch Erwachsene müssen lernen, im Notfall einzugreifen. Jeder sollte zumindest den Grundablauf „Prüfen – Rufen – Drücken“ kennen: Zunächst an den Schultern rütteln und die Atmung kontrollieren. Bei fehlender oder abnormaler Atmung die 112 anrufen und anschließend sofort mit der Herzdruckmassage anfangen. Im Durchschnitt dauert es neun Minuten, bis ein Rettungswagen eintrifft. Wenn Minuten über Leben und Tod entscheiden, darf die Erste Hilfe nicht erst dann beginnen.