Erstaunliche Werte: 54.288 Blitze zucken am Sonntag über Garmisch-Partenkirchen vom Himmel – Wald im Hitzestress

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Erstaunliche Werte: 54.288 Blitze zucken am Sonntag über Garmisch-Partenkirchen vom Himmel – Wald im Hitzestress

Stand: 04.08.2026, 18:30 Uhr

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Wetterkarte

Blitze überall: Die Markierungen zeigen die Einschläge am Sonntagabend im Südlandkreis. © Grafik Kachelmannwetter

Der Deutsche Wetterdienst hat beim Gewitter am Sonntag über dem Werdenfelser Land 54.288 einzelne Blitze registriert. Nur fünf weitere Fälle mit mehr als 50.000 Blitzen sind seit 2007 in der Datenbank verzeichnet. Für den Wald stellt das eine weitere Gefahr dar.

Garmisch-Partenkirchen – Diese Zahl wirkt – und ist erstaunlich: 54.288 einzelne Blitze hat der Deutsche Wetterdienst bei dem starken Gewitter am Sonntagnachmittag über dem Werdenfelser Land registriert. Ein Wert, der den subjektiven Eindruck stützt, dass dieses Unwetter eine größere Dimension erreichte als normale Gewitterlagen. Lothar Bock, Klimaexperte beim Wetterdienst in München, hat tiefer in die Statistik geblickt und herausgelesen: „Insgesamt finden sich in der Datenbank nur noch fünf weitere Fälle, in denen mehr als 50.000 Blitze aufgetreten sind.“ Der Rekord geht auf den 10. Juli 2011 zurück. Damals zuckten über 66.000 Blitze im Südlandkreis vom Himmel. Aufzeichnungen darüber gibt es aber erst seit 2007.

Die Folgen waren spürbar: Zwei Brände gehen auf Blitzeinschläge zurück. Jener auf der Sasseninsel im Eibsee am Sonntagabend und jener am Kareck oberhalb des Oberauer Golfplatzes (wir berichteten). Hatten die Rettungskräfte den Einsatz bei Oberau am Montag für beendet erklärt, so entfachte dort gestern Morgen erneut ein Feuer. Glutnester hatten sich entzündet. Sofort rückten die Brandlöscher wieder an. Am Nachmittag gab es laut Polizei wieder Entwarnung. Am Freitag hatte es schon am Kofel bei Oberammergau einen solchen punktuellen Waldbrand gegeben, den die Rettungskräfte fast drei Tage lang im Auge behalten und bekämpfen mussten.

Passiert ist letztlich nicht viel. „Gott sei Dank“, sagt Quirin Neuner, stellvertretender Leiter des Forstbetriebs Oberammergau, deutlich. „So etwas kann sich bei der Trockenheit schnell entfachen.“ Und größere Dimensionen annehmen. Das zentrale Problem: Die Brandbekämpfer kommen im Notfall oft schlecht zu den Einsatzorten. „Der Bergwald ist eine Achillesferse“, räumt er ein. „Viele Gebiete sind relativ schlecht erschlossen. Wir haben nicht viele Forstwege, eher Steige, über die man zu Fuß, die Feuerwehr aber nicht mit Fahrzeugen anrücken könnte.“ Die letzte Antwort sei oft der Helikopter.

Unglaublich: Er Baum qualmt erst und brennt von innen nach einem Blitzschlag.

Unglaublich: Dieser Baum qualmt erst und brennt von innen nach einem Blitzschlag. © STAATSFORSTEN

Die Verantwortlichen in den Forstbetrieben beobachten die Klimaveränderungen mit Argusaugen – und Sorgen. Die Winter bringen kaum noch Schnee, mehr Regen, der aber außerhalb der Vegetationszeit des Waldes nicht groß helfe. Dafür die lang anhaltenden Dürren im Frühjahr und Sommer. „Der Wald leidet unter Hitze- und Trockenheitsstress. Das kann man schon sagen“, betont Neuner. „Das wiederum begünstigt Brände.“

Neu sei das Phänomen nicht ganz. „Wir verfolgen die Entwicklung seit 20 Jahren.“ Der Forst versucht, entgegenzusteuern. „Wir arbeiten daran, den Wald anzupassen. Wir setzen auf jungen Wald, kleine Bäume, die nicht so leicht brennbar sind.“ Braun benadelte Böden seien eher hinderlich. Gibt es größere Projekte in Waldflächen, versuchten die Förster, kleine Tümpel in der Nähe anzulegen, um mehr Wasser im Boden zu halten. „Aber auch die trocknen aus“, bedauert Neuner. Zwei Revierförsterinnen aus Böbing und Grainau unternehmen immer wieder Erkundungsflüge, um bei langen Trockenperioden auf Rauchentwicklung zu achten, um Gefahren frühzeitig zu orten.

Gewitter könnten heftiger werden

Ob Gewitter und Blitzschläge nun häufiger eintreten, dazu äußern sich Experten wie Professor Dr. Harald Kunstmann vom KIT-Campus Alpin in Garmisch-Partenkirchen noch sehr vorsichtig. „Statistisch ist das schwierig zu beurteilen“, sagt der stellvertretende Leiter des Instituts. „Da bräuchte man längere Zeiträume, um das zu überprüfen.“ Aus Sicht der Physik traut sich Kunstmann dann aber doch eine klare Aussage zu. „Dass Gewitter durch Hitze und Trockenheit intensiver werden, das kann man gut herleiten.“ Denn mehr Hitze führe dazu, dass mehr Wasserdampf in der Atmosphäre vorhanden sei. „Wir nennen das verborgene Energie.“ Und um starke Gewitter auszulösen, brauche es viel heiße Luft, die vom Boden in höhere Luftschichten aufsteigt. Als Konsequenz träfen dann zwei ungute Phänomene aufeinander: die Trockenheit im Wald, dazu heftigere Gewitter. Für Kunstmann erhöhe das die Gefahr für Blitzschläge durchaus.

Zur Intensität hat Wetterdienst-Mann Bock noch Zahlen: Der stärkste gemessene Blitz am Sonntag hatte eine Stromstärke von 107,6 Kiloampere, fünfmal mehr als ein normaler Blitz. Zum Vergleich: Die größte Einzelentladung gab es bisher am 19. Juli 2013 mit 266,1 kA. Aber auch die 107,6 kA vom Sonntag sind enorm: Sie entsprechen der Energie, die 100 ICE-Züge zum Anfahren benötigen.