Nach der Hitzewelle ein Tropensturm? Das sagen Meteorologen zu möglichem Hurrikan-Risiko über Deutschland

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Nach der Hitzewelle ein Tropensturm? Das sagen Meteorologen zu möglichem Hurrikan-Risiko über Deutschland

Erst Waldbrände, jetzt Tropenstürme? Was Meteorologen zum Hurrikan-Risiko für Europa sagen

Stand: 31.07.2026, 09:18 Uhr

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Hurrikane versetzen Amerika jedes Jahr in Angst. Ob Deutschland eines Tages Ähnliches droht, hängt von Kräften ab, die weit weg entstehen – und näherkommen.

Bilder von überfluteten Straßen, gekippten Strommasten und weggeschwemmten Häusern – solche Szenen kennt man aus Florida oder der Karibik. Doch in den letzten Jahren häufen sich auch in Europa die Meldungen über Hitzerekorde, ungewöhnlich warme Meere und heftige Unwetter, wie das Hitzegewitter, das aktuell über Deutschland zieht. Da drängt sich natürlich unweigerlich die Frage auf: Ist Deutschland sicher vor einem Hurrikan?

Hurrikan, Tropensturm über der US-Ostküste.

Kein Hurrikan, aber auch keine Entwarnung: Der Klimawandel bringt Extremwetter mit sich. © IMAGO / UPI Photo

Ein echter Hurrikan wird Deutschland nicht treffen, zumindest nicht in der Form, die man aus amerikanischen Nachrichtenbildern kennt. Hurrikane seien in Deutschland schlicht unmöglich, erklärte der Meteorologe Jan Schenk dem Technikmagazin Chip. Der Grund liegt nicht allein in der Wassertemperatur, sondern in den grundlegenden physikalischen Bedingungen, unter denen tropische Wirbelstürme überhaupt entstehen und sich halten können. Einen großen Haken gibt es dabei dennoch: Denn Hurrikane können an einem anderen Ort entstehen, und sich Richtung Europa bewegen.

Wie ein Hurrikan entsteht – und warum Europa indirekt betroffen ist

Damit ein Hurrikan entstehen kann, braucht es mindestens 26,5 Grad Celsius an der Meeresoberfläche. Das allein reicht aber nicht aus. Entscheidend sind auch eine geringe Windscherung und die Nähe zum Äquator, wo die Corioliskraft anders wirkt als in nördlichen Breiten. Diese Kräfte halten den rotierenden Sturm zusammen. Meteorologe Martin Puchegger von wetter.com erklärte gegenüber t-online, dass Hurrikane ihre Energie nicht aus Temperaturgegensätzen beziehen, sondern direkt aus warmen Meeresoberflächen, durch die Freisetzung latenter Wärme beim Kondensieren von Wasserdampf. Weder Nord- noch Ostsee erreichen die dafür nötigen Temperaturen.

Medicane – der Hurrikan des Mittelmeers

Das Mittelmeer erreicht im Hochsommer regional Wassertemperaturen von über 26 Grad Celsius – also theoretisch nahe an der Grenze, ab der tropische Wirbelstürme entstehen können. Trotzdem bilden sich dort keine echten Hurrikane. Der Grund: Das Mittelmeer ist zu klein, um einem Sturm die nötige Energie dauerhaft zu liefern. Zudem ist das Mittelmeer schlicht zu klein, um einem Sturm dauerhaft genug Energie zu liefern.

Was dort stattdessen entsteht, nennt sich Medicane – ein Kunstwort aus Mediterranean und Hurricane. Medicanes sehen auf Satellitenbildern einem Hurrikan täuschend ähnlich, doch der Schein trügt. Im Gegensatz zu einem echten Hurrikan ernährt sich ein Medicane nicht selbst, sondern wird von außen angetrieben und zerfällt meist schon nach Stunden oder wenigen Tagen wieder.
Trotz ihrer geringeren Stärke können Medicanes verheerende Schäden anrichten. Der Medicane Daniel forderte im September 2023 in Libyen mindestens 11.300 Todesopfer.

Je weiter ein Hurrikan nach Norden zieht, desto mehr verliert er seinen Zusammenhalt. Die Temperatur im Innern sinkt, die Struktur wird asymmetrisch und aus dem tropischen Wirbelsturm wird ein außertropischer Sturm. Laut Schenk wird der Hurrikan auf diesem Weg gewissermaßen auseinandergerissen. Dennoch zeigen Beispiele wie Hurrikan Ophelia aus dem Jahr 2017, wie nah tropische Stürme Europa kommen können: Ophelia traf als gewaltiger Orkan die Südwestküste Irlands, forderte drei Todesopfer und verursachte Sachschäden von sieben Millionen Dollar.

Deutschland muss also keine Hurrikane fürchten, wohl aber stärkere Orkane und andere heftige Sturmlagen, deren Intensität laut Klimaforschung zunehmen dürfte. Und wer sich für spektakuläre Naturschauspiele begeistert: Am 12. August lassen sich gleich zwei beeindruckende Ereignisse am deutschen Nachthimmel beobachten.