Erst Psychiatrie, jetzt Haft: Putin-Kritiker festgenommen
StartseitePolitikStand: 17.07.2026, 13:32 UhrKommentareUns auf Google folgenPutin-Kritiker Ilja Remeslo ist erneut festgenommen worden.Russlands Justiz geht erneut gegen den Putin-kritischen Blogger Ilja Remesl...
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Stand: 17.07.2026, 13:32 Uhr
Putin-Kritiker Ilja Remeslo ist erneut festgenommen worden.
Russlands Justiz geht erneut gegen den Putin-kritischen Blogger Ilja Remeslo vor. Der frühere Kreml-Unterstützer wurde in St. Petersburg festgenommen und soll nach Moskau gebracht werden. Ihm wird vorgeworfen, wissentlich falsche Informationen über die russischen Streitkräfte verbreitet zu haben. Erst vor wenigen Monaten war Remeslo nach scharfer Kritik an Präsident Wladimir Putin zeitweise in eine psychiatrische Klinik eingewiesen worden.
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Dieser Artikel entstand in Kooperation mit newsinfive.de.
Nach Angaben russischer Strafverfolgungsbehörden läuft gegen den 42-Jährigen ein Strafverfahren wegen der öffentlichen Verbreitung angeblich falscher Informationen über den Einsatz der russischen Streitkräfte aus politischen Motiven.

Sein Anwalt Sergej Badaschmin bestätigte, Remeslo werde nach Moskau überstellt. Dort soll ein Gericht über Untersuchungshaft oder andere Zwangsmaßnahmen entscheiden, wie die russische staatliche Nachrichtenagentur TASS berichtet.
Vom Kreml-Unterstützer zum Kritiker
Remeslo war über Jahre als Anwalt, Blogger und Publizist bekannt. Er machte sich einen Namen als entschiedener Gegner des 2024 gestorbenen Oppositionspolitikers Alexej Nawalny und dessen Anti-Korruptionsstiftung. Zwischen 2017 und 2023 gehörte er außerdem der Öffentlichen Kammer Russlands an, einem staatlich eingerichteten Beratungsgremium.
Im März 2026 änderte sich seine öffentliche Rolle schlagartig. Remeslo veröffentlichte vor rund 90.000 Abonnenten auf Telegram ein Manifest mit dem Titel „Fünf Gründe, warum ich Wladimir Putin nicht mehr unterstütze“. Darin brach er mit dem Präsidenten und kritisierte den Krieg gegen die Ukraine scharf. Putin führe einen gescheiterten Krieg, der Millionen Menschen getötet und Russlands Wirtschaft schwer beschädigt habe, schrieb Remeslo laut der britischen Zeitung The Independent.
Der russische Präsident sei kein legitimer Staatschef und müsse zurücktreten sowie als Kriegsverbrecher und Dieb vor Gericht gestellt werden, erklärte Remeslo weiter. Gegenüber dem britischen Guardian bezeichnete er Putins Herrschaft zudem als personalisiertes und korruptes System, das zum Scheitern verurteilt sei.
Kurz nach diesen Äußerungen wurde Remeslo in eine psychiatrische Einrichtung in St. Petersburg eingewiesen. Die Zeitung Fontanka berichtete damals unter Berufung auf das Krankenhaus, dass sich dort ein Patient mit seinem Namen befinde. Eine unabhängige Bestätigung dafür lag nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters damals nicht vor. Auch die Gründe für die Einweisung blieben unklar. Darüber berichtete unter anderem The Independent.
Verfahren wegen Armee-Äußerungen
Nun droht Remeslo ein Strafverfahren wegen seiner Aussagen über das russische Militär. Nach russischem Recht können Verurteilungen wegen der Verbreitung angeblich falscher Informationen über die Streitkräfte mit mehrjährigen Haftstrafen geahndet werden.
Nach Angaben von TASS wird der Fall von der zentralen Ermittlungsbehörde des russischen Ermittlungskomitees bearbeitet. Nach der Überstellung nach Moskau soll Remeslo zunächst vernommen werden. Anschließend werde über das weitere Vorgehen entschieden.
Quellen: The Independent, TASS, eigene Recherche. (Dieser Artikel entstand in Kooperation mit newsinfive.de.)