Warum ich nie wieder einen All-inclusive-Urlaub buchen würde
12. August 2026, 14:56 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten In früheren Jahren buchte unser Autor durchaus neben seinen anderen, abenteuerlicheren Reisen, auch mal den ein oder anderen All-inclusive-Urlaub. Sich um...
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12. August 2026, 14:56 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
In früheren Jahren buchte unser Autor durchaus neben seinen anderen, abenteuerlicheren Reisen, auch mal den ein oder anderen All-inclusive-Urlaub. Sich um nichts Gedanken machen zu müssen, einfach losfliegen, das schien verlockend. Heute ist er von diesem Konzept so weit abgekommen, dass er sagt, er würde nie wieder diese Art von Urlaub machen. Auf TRAVELBOOK berichtet er, warum.
Unter den zahlreichen Postwurfsendungen, die mir so jeden Tag, und natürlich ungebeten, ins Haus flattern, sind nicht selten auch Reiseprospekte. Die werben dann für Rundreisen in exotische Destinationen, die schönsten Zugfahrten der Welt, aber auch immer mal wieder für einen All-inclusive-Urlaub. Regelmäßig frage ich mich dann, welche Marketing-Genies eigentlich glauben, ein Bild von einem riesengroßen, völlig gesichtslosen Hotelbunker wäre für ein solches Angebot das passende Reklame-Bild. Doch es scheint ja zu funktionieren, All-inclusive-Reisen boomen. Ich persönlich habe allerdings nach ein paar Erfahrungen mit dem Konzept beschlossen, dass ich es nie wieder buchen würde.
Zunächst einmal, und das habe ich ja schon angedeutet, findet so ein All-inclusive-Urlaub meist an einem absolut grauenhaften Ort statt. Einem Klotz von Hotel, der sich möglichst in Küstennähe eines Reiseziels befindet, und an den sich weitere graue Giganten dieser Art reihen, die alle dasselbe Angebot haben. Die Anlage zentriert sich um eine gewaltige Pool-Landschaft, damit auch ja niemand mehr zum meist nur wenige Schritte entfernten Meer laufen muss. Es soll ja, All-inclusive sei Dank, vor Ort möglichst viel konsumiert und Zeit verbracht werden. Die Massen an Menschen, die eine solche Destination vor allem zur Hochsaison bevölkern, sind mir ein absoluter Graus.
Rücksichtsloses Verhalten
Nun bin ich sicher mittlerweile ein Extremfall in die andere Richtung, aber ich bevorzuge heute die Einsamkeit der Natur gegenüber dem Rummel eines All-inclusive-Urlaubs. Je weniger Menschen ich bei einem Aufenthalt treffe, desto mehr fühle ich mich bei mir, kann auch wirklich entspannen. Natürlich, abends freue auch ich mich mitunter über nette Gesellschaft, aber die suche ich mir dann eben selbst aus. Bei einer All-inclusive-Reise wird man aber einfach – je nachdem, wie viel man bezahlt hat – mit einem farbigen Bändchen ausgestattet, und dann wie Vieh mit den anderen Urlaubern ins Gatter, also die Pool-Landschaft, verfrachtet.
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Ich sehe wenig Reiz darin, in einem Hotel Urlaub zu machen, in dem man, augenzwinkernd gesagt, ob seiner Größe ganze Wanderungen unternehmen muss, um von A nach B zu kommen. Und wo man vermutlich jedes Mal eine Rettungsmannschaft losschicken muss, wenn sich mal wieder ein Kind verläuft. So ein All-inclusive-Urlaub bringt leider auch in vielen Menschen das Schlechteste hervor. Denn nicht wenige scheinen der Meinung zu sein, sie hätten sich durch ihre Zahlung auch das Privileg erworben, sich rücksichtslos zu verhalten. Das berüchtigtste Beispiel sei hier nur das schamlose Reservieren von Strandliegen oder anderen Orten per Handtuch, auch, wenn man sie dann den ganzen Tag nicht benutzt.
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Schlechte Musik
Dem schlechten Benehmen wird leider mitunter auch durch die Möglichkeit, gewisse alkoholische Getränke frei Haus genießen zu können, Vorschub geleistet. Tatsächlich scheint für nicht wenige Menschen eines der Hauptargumente an einem All-inclusive-Urlaub zu sein, dass man sich jeden Tag stundenlang betrinken kann. Da bilden sich richtige Cliquen, die sich dann zu einer gewissen Uhrzeit verabreden, und ihre Gelage auch nur unterbrechen, um sich zu den Mahlzeiten in die Restaurants zu schleppen. Am peinlichsten wird es, wenn diese Menschen zu später Stunde versuchen, in der unvermeidlichen und unfassbar schlechte Musik spielenden Club-Diskothek ein paar Tanzschritte aufs Parkett zu legen.
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Ein Hauptargument für einen All-inclusive-Urlaub scheint für viele zu sein, im Urlaub endlich mal nicht selbst kochen zu müssen. Meist mehrere Restaurants bieten dem Gaumen eine erstaunliche Bandbreite an kulinarischen Köstlichkeiten, stilecht serviert in gigantischen metallenen Wannen. Aus diesen bedient sich dann jeder nach Herzenslust. Die Mengen, die man hier mitunter auf den Tellern vor allem älterer Urlauber entdecken kann, sind absolut beeindruckend, bzw. beängstigend. Genauso wie das Verhalten, schon vor dem Öffnen der Restaurants dort lange Schlangen zu bilden. Und dann den Laden zu stürmen, als könne man bei dieser Fülle an Essen zu kurz kommen.
Drängelei am Buffet
Nun klingt das vielleicht etwas abgehoben, aber ich mag auch das Essen an sich nicht. Wo alles schnell und in Massen produziert werden muss, da bleibt kein Raum mehr für echte Qualität. Nichts ist zudem schlimmer für mich als ein Buffet, wo ich mich dann von anderen Menschen bedrängen und herumschubsen lassen muss, weil sie Angst haben, ich könnte ihnen etwas wegessen. Die sich auch nicht schämen, herzhaft mit den Händen zuzugreifen, wo gerade mal wieder jemand anders das Besteck entführt hat. Dazwischen rennen dann lärmend zahlreiche Kinder herum, die aussehen, als hätten sie im Schokobrunnen gebadet. Und deren Eltern anscheinend denken, ihr Nachwuchs wäre bei einem All-inclusive-Urlaub ein Problem der Allgemeinheit, aber jedenfalls nicht ihres.
Am erschreckendsten an dem Konzept All-inclusive-Urlaub ist aber für mich, dass ein solcher den Reisenden ganz leicht des Landes an sich berauben kann, in das man fährt bzw. fliegt. Und ich weiß, wovon ich rede. Denn ich habe das Konzept sowohl in Tunesien und Ägypten ausprobiert. Und von beiden Ländern am Ende quasi überhaupt nichts gesehen, da ich mich fast nur im Hotel aufhielt. Vage Erinnerungen an einen Wasserpark und eine Krokodilfarm. Das ist aber auch schon alles, und das ist nach einer Woche Aufenthalt in einem Land ein verdammt trauriges Fazit. Immerhin, in Ägypten gab es ein dem Hotel vorgelagertes Riff, in dem eine unglaublich schöne Unterwasserwelt schwamm.
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Mit diesem Text will ich aber keinesfalls ein Plädoyer gegen den All-inclusive-Urlaub als solchen halten. Ich verstehe gut, dass es für manche Menschen schön ist, sich mal eine Woche um wirklich nichts Sorgen machen zu müssen. Weil vom Frühstück bis zum Abendessen und der Kinderbetreuung für absolut alles gesorgt ist. Und scheinbar gibt es mittlerweile auch Konzepte wie All-inclusive Plus oder sogar Ultra. Diese sind auf eine etwas anspruchsvollere und zahlungskräftigere Art von Urlaubern ausgelegt. Mich werden Sie bei einem solchen Urlaub allerdings nicht mehr finden. Wenn Sie aber mal auf einer Wanderung sind, und dann früh morgens jemanden sehen, der sich mitten im Wald aus seinem Schlafsack schält, das bin dann ich.