200 Menschen unter Trümmern – doch Kolumbiens Präsident weist Retter zurück

Hunderte Menschen unter Trümmern Schweres Erdbeben: Präsident weist ausländische Retter abAktualisiert am 12.08.2026 - 19:18 UhrLesedauer: 3 Min.Player wird geladenVideo: Ein Gebäude kollabiert beim Erdbeben. (...

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200 Menschen unter Trümmern – doch Kolumbiens Präsident weist Retter zurück

Hunderte Menschen unter Trümmern

Schweres Erdbeben: Präsident weist ausländische Retter ab


Aktualisiert am 12.08.2026 - 19:18 UhrLesedauer: 3 Min.

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Video: Ein Gebäude kollabiert beim Erdbeben. (Quelle: reuters)

Nach dem verheerenden Erdbeben in Kolumbien haben viele Staaten Hilfe angeboten. Rettungskräfte will die neue Regierung aber nicht ins Land holen.

Kolumbiens Regierung unter dem gerade erst vereidigten Präsidenten Abelardo de la Espriella hat nach dem schweren Erdbeben internationale Hilfe durch Rettungskräfte abgelehnt. Mehrere Länder hatten angeboten, spezialisierte Teams in die betroffenen Gebiete zu schicken. Bogotá nimmt bislang jedoch vor allem Hilfsgüter an, berichten die spanische Zeitung "El País" und das kolumbianische Portal "La Silla Vacía".

Das Erdbeben der Stärke 7,4 hat Kolumbien am Montag erschüttert und mehr als 200 Menschen getötet. Besonders betroffen sind die Städte Cali, Pereira, Manizales und Quibdó. Nach Angaben des kolumbianischen Städteverbands Asocapitales könnten sich noch bis zu 200 Menschen unter den Trümmern befinden – eine inoffizielle Suchseite führt indes 4.000 Vermisstenmeldungen auf. Mehr als 2.000 Menschen weitere wurden verletzt.

Dabei gilt gerade die Zeit unmittelbar nach einem Erdbeben als entscheidend für die Suche nach Überlebenden. Am Mittwoch endet die Phase der ersten 72 Stunden nach dem Beben. In schwer zugänglichen Gebieten fehlt es laut Berichten weiterhin an Rettungspersonal.

Zwölf Länder bieten Retter an

Kolumbiens Vizepräsident José Manuel Restrepo hat bestätigt, dass zwölf Länder neben Hilfsgütern auch Rettungsmannschaften angeboten haben. Darunter sind Mexiko und El Salvador, die über Erfahrung mit schweren Erdbeben verfügen.

Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum erklärte, ein Hilfspaket und ein spezialisiertes Rettungsteam stünden bereit. Dafür brauche es jedoch eine formelle Anfrage aus Bogotá. Nayib Bukele, Präsident von El Salvador, teilte jedoch mit, Kolumbien habe ausschließlich um humanitäre Hilfsgüter gebeten. Die eigenen Rettungs- und Einsatzkräfte seien bereits im Einsatz, weshalb derzeit kein zusätzliches Personal benötigt werde.

El Salvador schickte daraufhin Hilfsgüter nach Kolumbien. Auch die Vereinten Nationen haben Unterstützung angeboten. Die kolumbianische Regierung hat um internationale Hilfe für bestimmte Bedürfnisse gebeten, bislang aber keinen umfassenden internationalen Aufruf zur Entsendung von Rettungskräften gestartet.

Die private Rettungsorganisation Brigada de Rescate Topo Tlatelolco aus Mexiko hatte sogar bereits Spezialisten nach Kolumbien geschickt. Diese durften ihre Arbeit laut einer Mitteilung der Organisation jedoch nicht aufnehmen. Derzeit erwäge die kolumbianische Regierung nur, Retter aus den USA, Chile und Ecuador zuzulassen, heißt es dort. Die Organisation erwarte weitere Einschätzungen vonseiten der Regierung in Bogotá.

Eine Ausnahme bilden Hilfsangebote aus den USA. Washington hat Hilfen im Umfang von 15,5 Millionen Dollar angekündigt. Zudem aktivierte das US-Außenministerium ein Katastrophenhilfeteam, das die Einsätze und die Koordination der staatlichen Reaktion unterstützen soll. Hier zeigt sich die Regierung von de la Espriella kooperativ.

Kritik an Vorgehen der Regierung

Das Vorgehen sorgt vor allem deshalb für Kritik, weil die Lage in einigen Regionen angespannt bleibt. In Quibdó im besonders betroffenen Departamento Chocó haben laut "La Silla Vacía" zunächst Einwohner selbst mit Rettungsarbeiten begonnen. Personal und Ausrüstung erreichten die schwer zugängliche Stadt nur langsam. "Die Arbeitsbedingungen sind sehr prekär", sagte der freiwillige Retter Carlos Mosquera dem Medium.

Der Ort San José de Palmar, das Epizentrum des Erdbebens am Montag im Departamento Chocó, ist weiterhin von der Außenwelt abgeschnitten. Das teilte die Gouverneurin Nubia Carolina Córdoba Curi am Mittwoch mit. Die einzige Straße, die zu der Gemeinde führt, sei aufgrund von 24 Erdrutschen, die durch das Erdbeben verursacht wurden, gesperrt.

Die Behörden begründen ihre Zurückhaltung mit den bestehenden Regeln für den Katastrophenschutz. Zunächst müssten die nationalen Rettungskapazitäten ausgeschöpft werden, bevor ausländische Kräfte angefordert werden. "Das ist eine technische Frage", erklärte Calis Bürgermeister Alejandro Eder. In seiner Stadt seien fast 400 kolumbianische Retter im Einsatz.

Experten sehen zugleich Probleme beim Krisenmanagement der erst seit wenigen Tagen amtierenden Regierung. Präsident De la Espriella hat wichtige Posten im Katastrophenschutz noch nicht besetzt. Zudem war die Übergabe zwischen seiner Regierung und der seines Vorgängers Gustavo Petro zuvor abgebrochen worden.

"Was notwendig ist, ist, dass die Regierung schnell versteht, wie Notlagen verwaltet werden", sagte der frühere stellvertretende Leiter der nationalen Katastrophenschutzbehörde, Juan Carlos Orrego, "La Silla Vacía". Die Bewältigung einer solchen Katastrophe sei vor allem eine technische Aufgabe.

Das Auswärtige Amt (AA) in Berlin teilte mit, dass die kolumbianische Regierung den europäischen Katastrophenschutzmechanismus zur Aktivierung von Hilfen aus der EU bereits ausgelöst habe. Für die Suche nach Verschütteten habe das südamerikanische Land keine Hilfe aus dem Ausland angefordert, führte AA-Sprecher Martin Giese am Mittwoch aus. Die kolumbianischen Behörden hätten die Bundesregierung aber um einen Beitrag gebeten, "dass die Familien, die alles verloren haben, wieder Zugang zu sauberem Trinkwasser und Nahrungsmittel bekommen können".