„Er zerstört Familien“: ICE nimmt seine Verlobte fest – Trump-Wähler bereut plötzlich seine Stimme

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„Er zerstört Familien“: ICE nimmt seine Verlobte fest – Trump-Wähler bereut plötzlich seine Stimme

Stand: 08.08.2026, 06:14 Uhr

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ICE nimmt die Verlobte eines Trump-Wählers am Flughafen fest. Nun kritisiert der Republikaner die Regierung scharf. Die Frau sitzt in Abschiebehaft.

Houston – Jahrelang unterstützte John Gannon die Republikaner und stimmte 2024 für Donald Trump. Nun hat sich der 75-jährige Geschäftsmann aus Texas gegen die Einwanderungspolitik des Präsidenten gestellt. Auslöser ist die Festnahme seiner venezolanischstämmigen Verlobten durch die US-Einwanderungsbehörde ICE.

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Dieser Artikel entstand in Kooperation mit newsweek.com.

Yasmin Suarez Reyes wurde am 24. Juli am George Bush Intercontinental Airport in Houston festgenommen. Die 45-Jährige wollte mit Gannon zu einer Möbelmesse nach Las Vegas fliegen. Seitdem befindet sie sich in Abschiebehaft, während über ihren weiteren Aufenthalt in den USA entschieden wird.

Geteiltes Bild mit Beamten der US-Einwanderungsbehörden und US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus.

Symbolbild von Beamten der US-Einwanderungsbehörden (links) und US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus (rechts). Nach der Festnahme seiner Verlobten durch ICE bereut ein Trump-Wähler aus Texas seine Stimme. © Ryan Murphy/AFP; Jim Watson/AFP

Trump-Wähler bereut nach ICE-Festnahme seine Stimme

Gannon schilderte gegenüber CBS News, acht ICE-Beamte hätten seine Verlobte nach dem Verlassen eines Aufenthaltsbereichs am Flughafen umringt. „Sie sagten uns nicht, warum, und zerrten sie in ein Auto“, sagte er dem Sender. Die Darstellung des konkreten Ablaufs stammt von Gannon und lässt sich nicht unabhängig überprüfen.

Seine politische Konsequenz fällt eindeutig aus. „Ich habe für Trump gestimmt“, so Gannon. „Das würde ich nicht noch einmal tun, nicht nach diesem Fiasko.“ Der Unternehmer bezeichnet sich als langjährigen Republikaner und kritisiert nun ausgerechnet eine der zentralen politischen Prioritäten der Regierung, die verschärfte Durchsetzung des Einwanderungsrechts.

„Er zerstört Familien“: Gannon kritisiert Trumps ICE-Kurs

Gannon fordert, die Behörden sollten sich auf Menschen konzentrieren, von denen tatsächlich eine Gefahr ausgehe. „Geht hinter den Kriminellen her. Das unterstützen wir alle. Aber lasst die Mamas und Papas und die Kinder in Ruhe. Mann, er zerstört Familien“, erklärte er CBS News.

Der Geschäftsmann besitzt nach Medienberichten mehr als 1000 Werbetafeln in den USA sowie Unternehmen in Mexiko. Seine Kritik richtet sich inzwischen nicht nur gegen die Festnahme seiner Verlobten, sondern auch gegen die Art, wie die Regierung ihre verschärfte Abschiebepolitik durchsetzt.

Verlobte von Trump-Wähler reiste zunächst legal in die USA ein

Suarez Reyes ist in Venezuela geboren und besitzt auch die spanische Staatsangehörigkeit. Nach Angaben des Heimatschutzministeriums reiste sie am 24. Oktober 2023 legal in die USA ein. Ihre erlaubte Aufenthaltsdauer lief demnach am 19. Januar 2024 ab.

Nach Medienberichten war sie über das Programm für visumfreies Reisen eingereist, für das sie aufgrund ihrer spanischen Staatsbürgerschaft grundsätzlich infrage kam. Später beantragte sie Asyl und erhielt während des laufenden Verfahrens unter anderem eine Arbeitserlaubnis. Ein solcher Antrag bedeutet nach Angaben der US-Regierung jedoch nicht automatisch, dass eine Person einen regulären Aufenthaltsstatus besitzt.

US-Regierung: Asylantrag verleiht keinen Aufenthaltsstatus

Das Heimatschutzministerium widerspricht deshalb der Darstellung, Suarez Reyes habe sich zum Zeitpunkt ihrer Festnahme mit einem regulären Aufenthaltsstatus in den USA befunden. „Anhängige Anträge verleihen keinen rechtlichen Status“, erklärte ein Sprecher. Über ihre Ansprüche werde ein Einwanderungsrichter des Justizministeriums entscheiden.

Die Regierung betonte zugleich, Suarez Reyes werde ein ordnungsgemäßes Verfahren erhalten. Ihr Anwalt hält die Inhaftierung dagegen für unverhältnismäßig. Seine Mandantin habe die Möglichkeiten des US-Einwanderungsrechts genutzt und befinde sich nun seit fast zwei Wochen in einer Haftanstalt, obwohl sie nach seiner Darstellung keine Straftat begangen habe.

Anhängiger Asylantrag schützt nicht automatisch vor Abschiebung

Der Fall zeigt eine Besonderheit des US-Einwanderungsrechts. Ein laufendes Asylverfahren und eine damit verbundene Arbeitserlaubnis sind nicht mit einem dauerhaften legalen Aufenthaltsrecht gleichzusetzen. Deshalb können Personen trotz eines noch nicht entschiedenen Antrags in Abschiebeverfahren geraten.

Gerade diese Unterscheidung sorgt immer wieder für Missverständnisse. Für Betroffene kann der Alltag mit Arbeitserlaubnis, Führerschein und laufendem Behördenverfahren den Eindruck vermitteln, ihr Aufenthalt sei vollständig abgesichert. Die Einwanderungsbehörden können dennoch tätig werden, wenn die ursprüngliche Einreisegenehmigung abgelaufen ist.

ICE nimmt Suarez Reyes am Flughafen in Houston fest, Trump-Wähler fühlt sich von Regierung „völlig betrogen“

Suarez Reyes wurde während einer Inlandsreise festgenommen, nicht bei einer erneuten Einreise in die Vereinigten Staaten. Nach Angaben des Heimatschutzministeriums erfolgte ihre Festnahme am 24. Juli. Sie befindet sich inzwischen im Montgomery Processing Center in Conroe im US-Bundesstaat Texas. Wie ihr Verfahren endet, ist offen. Ein Einwanderungsrichter muss über ihre Ansprüche entscheiden. Bis dahin bleibt sie nach den bislang vorliegenden Angaben in Gewahrsam der Einwanderungsbehörde.

Gannon beschreibt die Festnahme inzwischen als persönlichen politischen Wendepunkt. Gegenüber CBS News erklärte er, er hätte nie erwartet, selbst in eine solche Situation zu geraten. In einem weiteren Interview sagte er, er fühle sich von der Regierung „völlig betrogen“.

Seine Kritik macht den Fall politisch besonders brisant: Gannon hatte Trump gerade wegen dessen republikanischer Politik unterstützt. Nun erlebt er selbst die Folgen einer Einwanderungspolitik, die auf eine deutlich konsequentere Durchsetzung bestehender Abschieberegeln setzt.

Was der Fall Suarez Reyes rechtlich besonders macht

PunktStand im Fall Suarez Reyes
Einreise in die USAIm Oktober 2023 legal über das Visa-Waiver-Programm
Erlaubter AufenthaltNach DHS-Angaben bis 19. Januar 2024
DanachAufenthalt über die erlaubte Frist hinaus
AsylantragIm Januar 2024 gestellt
ArbeitserlaubnisWährend des laufenden Verfahrens erteilt
AufenthaltsstatusEin anhängiger Asylantrag verleiht laut DHS keinen eigenständigen legalen Aufenthaltsstatus
AktuelleIn ICE-Haft; über ihren weiteren Aufenthalt entscheidet ein Einwanderungsgericht

Hinweis: Die Angaben zum Aufenthaltsstatus beruhen auf dem US-Heimatschutzministerium und Medienberichten. Über den Asylantrag ist noch nicht abschließend entschieden.

ICE-Festnahme wird für Trump-Unterstützer zum politischen Wendepunkt

Der Fall erlaubt dennoch keine Aussage darüber, wie verbreitet solche Meinungsumschwünge unter Trump-Wählern sind. Gannons Reaktion ist zunächst die persönliche Einschätzung eines einzelnen Wählers. Sie illustriert jedoch, wie die verschärfte Einwanderungspolitik inzwischen auch Familien und Partnerschaften betrifft, in denen US-Bürger oder langjährige Trump-Unterstützer unmittelbar mit Abschiebeverfahren konfrontiert werden.

Für Gannon steht seine Entscheidung inzwischen fest. Sollte er noch einmal vor der Wahl von 2024 stehen, würde er Trump nach eigener Aussage nicht erneut unterstützen. Seine Verlobte wartet währenddessen in Texas darauf, dass ein Einwanderungsgericht über ihren weiteren Aufenthalt in den USA entscheidet.