„Er weiß nicht, wie es ist“: Englands WM-Retter Bellingham legt sich öffentlich mit Trainer Tuchel an
StartseiteSportFußball„Er weiß nicht, wie es ist“: Bellingham widerspricht Tuchel nach WM-HalbfinaleinzugStand: 12.07.2026, 21:46 UhrKommentareUns auf Google folgenEngland steht im WM-Halbfinale – wieder einmal...
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„Er weiß nicht, wie es ist“: Bellingham widerspricht Tuchel nach WM-Halbfinaleinzug
Stand: 12.07.2026, 21:46 Uhr
England steht im WM-Halbfinale – wieder einmal dank Jude Bellingham. Doch statt Euphorie gibt es nach scharfer Kritik von Trainer Thomas Tuchel ordentlich Zündstoff im englischen Lager.
Miami – Eigentlich hat die englische Nationalmannschaft ordentlich Grund zum Feiern: Im dramatischen WM-Viertelfinale gegen das Überraschungsteam aus Norwegen setzten sich die Three Lions mit 2:1 nach Verlängerung durch und ziehen ins Halbfinale ein. Doch rund um den Auftritt des Titelkandidaten gibt es noch eine Menge Klärungsbedarf. Im Mittelpunkt steht mit Jude Bellingham der Mann des Abends.

Der 23-jährige Star von Real Madrid folgte dem Rat seiner Mutter und erzielte beide englischen Tore: In der Nachspielzeit der ersten Hälfte hielt er England zunächst mit dem Ausgleich zum 1:1 im Spiel – ein Treffer, der wegen eines möglichen vorausgegangenen Regelverstoßes höchst umstritten war. In der 3. Minute der Verlängerung setzte er mit dem Siegtreffer obendrein den Schlusstrich unter eine ausgeglichene wie hart umkämpfte Partie.
Bellingham sorgt erst mit umstrittenem Tor und dann mit verbalem Nachspiel für Aufsehen
Bereits beim 3:2-Achtelfinalsieg über Co-Gastgeber Mexiko rettete Bellingham England das Weiterkommen – nun schoss er sein Land fast im Alleingang eine Runde weiter und avancierte mit seinem zweiten Doppelpack in Folge abermals zum Matchwinner. Im WM-Turnier 2026 kommt der ehemalige BVB-Profi mittlerweile auf beeindruckende sechs Tore in sechs Partien und zieht so mit Stürmerstar und Rekordjäger Harry Kane gleich.
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Für England ist Bellingham damit zur absoluten Lebensversicherung geworden: Zwölf der insgesamt 13 englischen WM-Tore gehen auf das Konto von Kane und Bellingham. Sonst traf nur Marcus Rashford einmal für die Three Lions. Statt gemeinsam zu feiern, sorgte Trainer Thomas Tuchel nach dem Spiel für Gesprächsstoff. Der 52-Jährige holte im TV-Interview überraschend zur Generalkritik an seiner Mannschaft aus.
„Wir haben uns das Leben heute durch unsere Spielweise sehr schwer gemacht“, konstatierte der deutsche Coach und bemängelte, dass sein Team zu ungenau agiert habe, nicht schnell genug gewesen sei und zu viele technische Fehler gemacht habe. Sein Fazit, nachdem er sich in Rage geredet hatte: „Heute hatten wir Glück.“
Im kurz darauffolgenden Interview auf Tuchels Aussagen angesprochen, reagierte Bellingham pikiert. „Vielleicht weiß er nicht, wie es ist, unter solchen Bedingungen gegen Haaland, Nusa und Sörloth zu spielen“, konterte der Offensivmann mit Blick auf die brütende Hitze und spielte auf die Qualität des Gegners an: „Das ist keine schlechte Mannschaft.“
Den etwas biederen Auftritt seiner Elf wollte auch Bellingham nicht beschönigen. Doch darum gehe es eben nicht immer: „Man gewinnt nicht jedes Spiel, in dem man tausend Pässe spielt. Manchmal muss man auch schmutzig gewinnen“, beteuerte er. Damit äußerte der Führungsspieler klaren Widerspruch zu den Worten seines Cheftrainers.
Tuchels Kritik trifft bei Bellingham auf Widerstand
Ein weiterer Satz nährte Spekulationen über ein mögliches Spannungsfeld zwischen Tuchel und der Mannschaft: „Wir haben versucht, ein positives Umfeld zu entwickeln, und jetzt, wo wir unter den letzten vier Teams sind, sollten wir das genauso fortführen“, so Bellingham. Die Wortwahl – insbesondere „versucht“ und „entwickeln“ – legt nahe, dass dieser Prozess womöglich noch nicht abgeschlossen ist.
Tuchel seinerseits betonte zwar, es gebe „keine Kluft“ zwischen ihm und dem Team und er liebe seine Spieler „von ganzem Herzen“ – doch die öffentliche Auseinandersetzung wirft Fragen auf. Bereits als Vereinstrainer war der gebürtige Schwabe dafür bekannt, mit seiner direkten, kompromisslosen Art zu polarisieren. Sein ausgeprägter Perfektionismus im Umgang mit Spielern wurde ihm gelegentlich zum Verhängnis und könnte es auch zukünftig wieder werden.
Polarisierender Tuchel schreibt mit England WM-Geschichte
Trotz allem bleibt sein Weg mit England bemerkenswert. Tuchel hatte die Three Lions zu Jahresbeginn 2025 übernommen und die WM-Qualifikation mit acht Siegen aus acht Spielen und einem Torverhältnis von 22:0 makellos gestaltet. Mit dem Einzug ins WM-Halbfinale schreibt er nun Geschichte: Er ist der erste ausländische Trainer überhaupt, der England bei einer Weltmeisterschaft in die Runde der letzten Vier geführt hat.
Das nächste Kapitel dieser Geschichte wartet bereits am Mittwoch: Im Halbfinale trifft England auf den Titelverteidiger Argentinien, der sich im Viertelfinale gegen die Schweiz ebenfalls erst nach Verlängerung mit 3:1 durchsetzte. Eine knifflige Aufgabe, für die es eigentlich nur eine Lösung geben kann: Die Engländer müssen spielerisch eine Schippe drauflegen – dann ist Tuchel zufrieden und der sportliche Erfolg noch wahrscheinlicher. Somit wäre allen Beteiligten geholfen. (fn)