Er verkauft Micro Cars bundesweit: Hoeneß-Sohn und Geissens als Kunden – Saar-Autohändler witterte den Hype
SaarlandSaarbrückenLandeshauptstadtNachrichten aus Saarbrücken Er verkauft Micro Cars bundesweit Hoeneß-Sohn und Geissens als Kunden – Saar-Autohändler witterte den Hype ...
- 4 min read
- Saarland
- Saarbrücken
- Landeshauptstadt
- Nachrichten aus Saarbrücken
Er verkauft Micro Cars bundesweit Hoeneß-Sohn und Geissens als Kunden – Saar-Autohändler witterte den Hype
Saarbrücken · Auch prominente Familien sollen bei ihm gekauft haben. Patrick Müller verkauft aus Scheidt Micro Cars an Jugendliche in ganz Deutschland. Was es mit dem Trend auf sich hat.
17.08.2026 , 21:40 Uhr
Foto: BeckerBredel
Sogenannte Micro Cars sind Fahrzeuge, die Personen ab 15 Jahren mit einem Rollerführerschein auf öffentlichen Straßen fahren dürfen. Die Fahrzeuge sehen ganz unterschiedlich aus, aber gemeinsam sind ihnen einige Merkmale, die sie vom Roller unterscheiden: eine geschlossene Fahrgastzelle, vier Räder, ein kleiner Kofferraum und Platz für einen Mitfahrer. Die Geschwindigkeit ist begrenzt auf 45 Kilometer pro Stunde. Im fließenden Verkehr werden sie so auch mal zum Hindernis – in der Innenstadt fallen sie dagegen nur auf, weil sie meist ein Mofakennzeichen haben.
In Scheidt hat sich der Autohändler Patrick Müller schon vor Jahren auf diese Fahrzeuge spezialisiert und gehört nach eigenen Angaben heute bundesweit zu den führenden Verkäufern dieser Autos. Der 59-Jährige spricht von einem „echten Hype“. Als mit der Neuordnung der Führerscheinklassen in der EU 2012 die in Frankreich bereits sehr verbreiteten Fahrzeuge auch den deutschen Markt erreichten, witterte er eine Chance. „Den Micro Car habe ich für mich entdeckt, weil er das Produkt für die Kinder zwischen 15 und 18 ist. Ich kannte das aus Frankreich und sah einen Markt“, erklärt er sein Engagement. Er habe einen bundesweiten Vertrieb aufgebaut, Vertragswerkstätten im Saarland ausgesucht und heute ein etabliertes Netz.
„An brauchbaren Busverbindungen mangelt es ohnehin“
„Erst wurden in ganz Deutschland pro Jahr nur 200 dieser Fahrzeuge verkauft, heute sind es 1500. Und es hat sich sehr viel getan“, sagt Müller in seinem Showroom in Scheidt, wo man die ganze Palette an Micro Cars besichtigen kann. „Das Spitzenmodell von Ligier hat Servolenkung, Klimaanlage, Sitzheizung, Car Play und einen sehr stabilen Alurahmen. Stellantis bietet ein Fahrzeug für unter 10.000 Euro an.“ Wer 15 Jahre alt sei, komme damit bei jedem Wetter sicher zur Schule, zum Ausbildungsplatz oder zum Training. Die Eltern hätten damit weniger Fahrdienste. „An brauchbaren Busverbindungen mangelt es ohnehin“, findet Müller. „Vor allem auf dem Land, wo die Fahrzeuge gut zu verkaufen sind.“
Müller ist Autohändler im Familienbetrieb in dritter Generation. Seine Familie begann in Altenkessel mit einem Rover Autohaus, dann kamen Autovermietungen dazu und der Handel mit anderen Marken und hochpreisigen Fahrzeugen. Neben den Micro Cars stehen ein Ferrari und ein Mercedes-Oldtimer.
Auch Promi-Familien kaufen Micro Cars in Scheidt
Aus ganz Deutschland kommen Kunden. Auch prominente Familien gehören dazu. „Florian Hoeneß, der Sohn von Uli Hoeneß, kam mit einem Hänger nach Scheidt, um ein Micro Car für seinen Sohn nach Nürnberg zu holen“, erzählt Müller. „Auch die Geissens haben für die Töchter schon bei mir Autos dieser Klasse gekauft.“
Mit 15 Jahren könne man nur in diesem Segment fahren. „Wenn man 18 ist, bekommt man ein richtiges Auto und dann garantieren wir in Scheidt sogar die Rücknahme für den Gebrauchtmarkt“, sagt Müller.
In seinem Hof parken gute 30 Micro Cars. Mit Elektroantrieb oder Dieselmotor, in bunten Farben, gebraucht und neu. Liefern könne er sofort, auch das sei immer wichtig. „Die jungen Leute sind stolz auf diese Autos und finden sie längst nicht mehr peinlich“, sagt er. „Influencer sind damit unterwegs, die Fahrzeuge sind einfach cool.“
Micro Cars in der Tempolimit-Debatte
Müller hat auch eine Meinung zur aktuellen politischen Debatte um die Höchstgeschwindigkeit. Damit die Fahrzeuge den Verkehr nicht behindern, fordern einzelne Verkehrspolitiker eine Anpassung der Höchstgeschwindigkeit auf 60 Kilometer pro Stunde. Die Kleinstautos könnten dann im Verkehr besser mitschwimmen. Davon hält Müller allerdings wenig. „In der Praxis fahren diese Autos auf Nebenstrecken und innerorts, wo ohnehin Tempo 30 gilt“, sagt er. „Vielleicht sollte man über Tempo 50 diskutieren, aber diese Fahrzeuge sind nicht für Tempo 60 gebaut, und die Fahrer sind natürlich immer unerfahrene Fahrer zwischen 15 und 18. Wir sehen bei uns, dass Blechschäden da nicht selten sind. Bei Tempo 45 hatten wir aber noch nie Personenschäden im Kreis unserer Kunden.“ Ein Unfall mit dem Roller könne schnell schlimmer ausgehen. Aus diesem Grund vermittele er auch kein Tuning – das 45-km/h-Auto sei für Jugendliche genau so, wie es konzipiert ist, ein ideales Fortbewegungsmittel für den Nahverkehr.
Aus Scheidt beliefert Müller einen bundesweiten Markt. Alleine im Jahr 2026 habe er bisher 78 neue Ligier und 45 Micro Cars von Stellantis verkauft. „Das Geschäft hat uns ein gutes Wachstum gebracht und erreicht gerade seinen Höhepunkt“, sagt er und ist sicher, dass er einen guten Riecher hatte. (ian/sve)
-
Saarbrücken
-
Saarland
-
Saarbrücken
-
Landeshauptstadt
-
Nachrichten aus Saarbrücken
-
Zur Startseite