Einzelhandel: Diese 30 besonderen Geschäfte hat Saarbrücken seit 2022 verloren (Teil 1)
Café Schubert, Foto Gressung, Villeroy&Boch oder Mutter Erde – Saarbrücken hat seit 2022 viele beliebte Geschäfte verloren. Eine Bestandsaufnahme des Wandels in der Innenstadt, Teil 1.
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Einzelhandel Diese 30 besonderen Geschäfte hat Saarbrücken seit 2022 verloren (Teil 1)
Saarbrücken · Café Schubert, Foto Gressung, Villeroy&Boch oder Mutter Erde – Saarbrücken hat seit 2022 viele beliebte Geschäfte verloren. Eine Bestandsaufnahme des Wandels in der Innenstadt, Teil 1.
02.08.2026 , 04:55 Uhr
Villeroy&Boch hat die Saarbrücker Bahnhofstraße Anfang 2023 verlassen.
Foto: Thomas Schäfer
Zuletzt hat es wieder die Bahnhofstraße erwischt: „Vero Moda", ein über viele Jahre bei vielen Frauen äußerst beliebtes Geschäft, steht plötzlich leer. Von einem „großen Verlust" spricht eine Frau um die 40, die das Schild betrachtet, das im Schaufenster hängt: „In der Europa-Galerie sind wir weiterhin für euch da."
Wandel in der City: Diese Geschäfte hat Saarbrücken verloren
Ganz weg ist „Vero Moda" also nicht aus Saarbrücken. Und doch gibt es mindestens zeitweise einen weiteren Leerstand in der City. Der Einzelhandel der Landeshauptstadt ist seit Längerem in einer schwierigen Lage, das geht fast allen Städten in Deutschland so. Doch wie dramatisch ist die Lage? Darüber gibt es mitunter sehr unterschiedliche Ansichten.
Fakt ist, dass in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe bekannter und beliebter Läden schließen mussten. Wir haben uns den Wandel im Saarbrücker Handel nochmals genauer angeschaut. Herausgekommen ist eine Liste zahlreicher Verluste – ohne Anspruch auf Vollständigkeit, dafür mit Anmerkungen, Erinnerungen, Folgen. Es geht um Geschäftsaufgaben seit 2022 – insgesamt 30, im ersten Teil unserer Übersicht 15.
Natürlich haben seither auch etliche Geschäfte geöffnet, von „Go Asia" und „Rituals" bis zum spektakulären Neustart von Juwelier Eckstein am Markt. Doch um die soll es vorerst nicht gehen. Sondern um Läden, die der Vielfalt der Einkaufsstadt Saarbrücken heute ganz konkret fehlen.
Teil 1: Diese Läden gibt es nicht mehr in Saarbrücken
Café Schubert: Emotional ein herber Verlust für viele Saarländer. Seit 1950 hatte das Café in der Sulzbachstraße Bestand, noch immer kann man das an der Fassade nachlesen. 2023 aber muss das Traditionshaus, berühmt für „Saarbrigger Kligger" oder „Perlen der Saar", Insolvenz anmelden. Zunächst sieht es so aus, als würde ein Nachfolger gefunden, der womöglich sogar weiterhin Schubert-Ware anbietet, spekuliert wird über „Wasgau". Doch diese und alle weiteren Hoffnungen zerplatzen. Zwar hängt weiter die markante Schubert-Werbung am markanten gelben Haus, doch die Zukunft sieht ganz anders aus: Die Kebab-Kette „Mangal Döner x LP10" von Fußball-Weltmeister Lukas Podolski eröffnet bald. Wann genau, ist noch unklar.
So sieht das ehemalige Café Schubert heute aus.
Foto: Thomas Schäfer
Foto Gressung: Mehr als 120 Jahre kannte man den Namen in Saarbrücken, Ende 2025 aber ziehen dunkle Wolken auf über dem Foto-Fachgeschäft in der Diskonto-Passage. Der Familienbetrieb ist in finanzielle Schieflage geraten, muss einen Insolvenzantrag stellen. Die Hoffnung des Chefs, dass das Traditionshaus von einem Kollegen übernommen wird, erfüllte sich bislang nicht. Noch immer ist der Laden dicht.
Foto Gressung ist seit einigen Monaten geschlossen.
Foto: Thomas Schäfer
Villeroy & Boch: Kein schöner Zug des Weltkonzerns, die Filiale in der Bahnhofstraße, ganz nah am St. Johanner Markt, Anfang 2023 zu schließen. Begründet wird der Schritt mit einem „sich verändernden Kundenverhalten hin zum digitalen Handel". In der Schmuck-Branche ist das Internet offensichtlich eine weniger gefährliche Konkurrenz. Statt Teller und Tassen bietet in dem Laden nun die „Trauringschmiede" Gold und Silber an.
Papier & Feder: Ein kleiner Laden bloß in der Futterstraße, doch auch dieser trug zur Vielfalt des Saarbrücker Handels bei. Zum Abschied Ende 2022 lässt es Inhaber Alexander Karla verbal krachen: „Corona-Lockdowns, Fußgängerzonen, Beratungsklau, Internet-Shopping, Energiepreis-Wucher haben dieses Geschäft ruiniert!" Nach einem Komplett-Umbau ist in dem Laden seit 2024 das Café „Mayfair" zuhause.
Ara: Ebenfalls mit deutlichen Worten verabschiedet sich das Schuhgeschäft „Ara" vom St. Johanner Markt. Ein Manager sagt unserer Zeitung: „Eigentlich mag ich Saarbrücken gern, und der Laden war auch in einer schönen Lage." Aber: „Der gesamte Standort Saarbrücken hat sich aus unserer Sicht nach der Pandemie nicht positiv entwickelt." Selbst der St. Johanner Markt habe inzwischen „teilweise auch ein Frequenzproblem". In das Ladenlokal ist der Juwelier Haeger eingezogen.
Paper & Tea: Cooles Konzept, aufwendiger Umbau. Doch offenbar chancenlos. Schon nach weniger als anderthalb Jahren ist der als Kult-Laden angekündigte Tee-Spezialist, der auch viel Drumherum im Angebot hatte, schon wieder von der Bildfläche verschwunden. Die Kette aus Berlin muss Insolvenz anmelden. In der Bahnhofstraße kann schnell ein Nachfolger gefunden werden: „Grünbert" bietet nachhaltige Mode. Soll gut laufen, hört man.
Autre Chose: „Klein, aber fein! Eine erstaunliche Auswahl an tollen, vorteilhaften Kleidungsstücken aus vorwiegend deutscher/europäischer Produktion" – so wurde das Geschäft am St. Johanner Markt auf der Webseite der Stadt beschrieben, es „belebe das Saarbrücker Modeangebot". Ende Mai 2024 ist Schluss, der Laden steht weiter leer.
Görtz 17: Das Thema Schuhe wird immer schwieriger im stationären Einzelhandel, Zalando und Co. lassen grüßen. Den deutschlandweit in Finanznot geratenen Händler Görtz 17 erwischt es in der Bahnhofstraße Ende 2022, Anfang 2023. Seither steht das markante Gebäude direkt bei Karstadt leer. Es soll aber einen neuen Besitzer und neue Pläne geben.
Hier war mal das Schuhgeschäft Görtz 17 zuhause.
Foto: Thomas Schäfer
Jack Wolfskin: Auch in der Europagalerie hat sich extrem viel verändert in den vergangenen Jahren. Beispielhaft bitter ist das Ende des Outdoor-Spezialisten im Jahr 2023.
Deko-Paradies Pink: „Corona hat uns leider einen Strich durch die Rechnung gemacht. Schweren Herzens müssen wir den Store in Saarbrücken schließen." Im Januar 2024 wird so das Ende des großen Ladens in der Trierer Straße verkündet.
2024 schloss das Deko-Geschäft gegenüber der Europa-Galerie.
Foto: Thomas Schäfer
Casa Mada: Saarbrückens „spanisches Wohnzimmer" schließt Mitte 2025 nach 20 Jahren in der Mainzer Straße. „Weine, Öle und Meer" hieß das Motto des kleinen Ladens voller Spezialitäten und Lebensfreude.
Wild Side Store: Nach vier Jahren in der Fröschengasse muss der Concept Store 2025 für immer schließen. Hier gab es schicke Kleidung, Schmuck und Deko. Zum Abschied schreibt die Chefin: „Die Dynamik der Online-Welt, der stetig wachsende Druck im Einzelhandel und der hohe Anspruch an Sichtbarkeit und Reichweite – all das konnten wir irgendwann nicht mehr auffangen."
Eterna: Das Bekleidungsunternehmen, Spezialist für Herrenhemden und Damenblusen, schließt seine Filiale gegenüber von Karstadt im Sommer 2023 nach deutlich über zehn Jahren in Saarbrücken. Offenbar gab es keine Einigung über die Höhe der Miete.
Spezialisiert auf Hemden und Blusen, im Sommer 2023 kam das Ende. In dem Laden ist nun ein Brillengeschäft.
Foto: Thomas Schäfer
Wajos: Im Frühjahr 2023 verschwindet der Feinkostladen vom St. Johanner Markt. Ein gutes Jahr später gibt es in der Nachbarschaft zumindest teilweise Ersatz mit einer Filiale der Kette „vom Fass".
Mutter Erde: Viele Kunden schätzten die „herzenswarme Atmosphäre" in der Türkenstraße an der Basilika, doch der Naturkostladen „Mutter Erde", der älteste Bioladen der Stadt, muss Ende 2022 aufgeben. Nach mehr als 40 Jahren. Einige Zeit später ist auch für die „Ringelblume" im Nauwieser Viertel Schluss. (jos)