Eintracht-Pokalgegner St. Tönis im Porträt: Apfelpflücker aus der Wunder-Fabrik
Der SC St. Tönis 11/20 klingt nicht nach großem Fußball, Fallobst ist die Elf aus der Apfelstadt aber definitiv nicht. Gastfreundschaft, Vorfreude und Mut sind groß, vor allem das Stadion dürfte Eintracht Frankfurt Sorgen bereiten.
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Eintracht-Pokalgegner im Porträt Die Apfelpflücker aus der Wunder-Fabrik
Der SC St. Tönis 11/20 klingt nicht nach großem Fußball, Fallobst ist die Elf aus der Apfelstadt aber definitiv nicht. Gastfreundschaft, Vorfreude und Mut sind groß, vor allem das Stadion dürfte Eintracht Frankfurt Sorgen bereiten.
Die Spieler des SC St. Tönis freuen sich auf die Eintracht. Bild © IMAGO / Funke Foto Services
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Exakt 97 Tage nach dem letzten Bundesliga-Spieltag steht für Eintracht Frankfurt das erste Pflichtspiel der neuen Saison auf dem Programm. Die Hessen, die inzwischen wieder von Adi Hütter trainiert werden, treten mit einem sehr lückenhaften Kader in der ersten Runde des DFB-Pokals an. Gegner dort: der SC St. Tönis 11/20. Kennen Sie nicht? Macht nix! Alles Wichtige zur Frankfurter Auftakthürde gibt es hier im Überblick.
St. Tönis – wo ist das?
Was klingt wie ein Mix aus Großmetzgerei mit Bezug zu Schalke 04 und Schauplatz einer bayrischen Vorabend-Krimiserie ist in der Realität ein Ortsteil der Stadt Tönisvorst. Diese liegt rund 35 Kilometer westlich von Düsseldorf am Niederrhein, hat vier Grundschulen, zwei Wochenmärkte und mit Lea Schüller zudem eine waschechte Fußball-Nationalspielerin hervorgebracht. Neben rund 30.000 Einwohnerinnen und Einwohnern sieht man in Tönisvorst vor allem eins: Apfelbäume.
"Wir sind als Apfelstadt bekannt", fasste Uwe Ring, ein langjähriger Betreuer des SC St. Tönis, im Gespräch mit dem hr-sport zusammen. Laut eigenen Angaben gibt es in der Stadt des Frankfurter Pokalgegners insgesamt 400.000 Apfelbäume und jedes Jahr 48 Millionen Äpfel. Warum das von Belang ist? Dazu später mehr.
Was ist das für ein Club?
Kommen wir zum Sportlichen und dem SC St. Tönis 11/20. Der Verein mit dem etwas sperrigen Namen, der noch in der Saison 2011/12 in der Kreisliga B spielte, schaffte innerhalb von nur acht Jahren den Durchmarsch in die Oberliga und gehört dort mittlerweile zum Inventar. In der vergangenen Saison zogen die Blau-Gelben zudem erstmals ins Finale des Niederrheinpokals ein und bejubelten trotz einer 1:4-Niederlage gegen Drittligist MSV Duisburg die Premieren-Teilnahme am DFB-Pokal.
"Das Spiel gegen die Eintracht ist der Oberhammer", beschrieb Ring die Ausgangslage. Die Favoritenstellung ist klar, die Eintracht sollte aber gewarnt sein.
Denn: Dass St. Tönis in Form ist, zeigte der 3:2-Sieg nach 0:2-Rückstand am vergangenen Wochenende beim Saisonauftakt gegen die 1. Spvg. Solingen-Wald. Dass die Elf vom Niederrhein, die von Bekim Kastrati trainiert wird, durchaus auch (Achtung: Fußballsprache) Eier in der Hose hat, bewies Ring mit einer Mini-Kampfansage: "Das wird das größte Spiel der Vereinsgeschichte, das wird nie wieder kommen. Ich bin aber schon gespannt, wen wir dann in der zweiten Runde kriegen." Verbale Scharmützel sympathisch verpackt.
Wo wird gespielt?
Zugegeben: Bislang spricht wenig dafür, dass die Eintracht trotz ihrer offensichtlichen Probleme und Kader-Unzulänglichkeiten mit allzu großen Sorgen in Richtung St. Tönis aufbrechen müsste. Gegen einen Viertligisten sollte – im Normalfall – auch die aktuelle Abwehr eine Chance haben, mit etwas Konzentration sollte der Einzug in die nächste Runde möglich sein. Tönisvorst ist ja nicht Brentford.
Was dem hessischen Unterfangen eines geglückten Saisonstarts jedoch im Weg steht, ist der Austragungsort. Die Gastgeber haben sich entschieden, die Partie ins Krefelder Grotenburg-Stadion zu verlegen und könnten damit einen Coup gelandet haben. Grund dafür: Es gibt wohl wenige Fußballfelder dieses Landes, die so für große Überraschungen stehen wie Heimstätte des KFC Uerdingen.
Ailton (re.) und der Grotifant. Bild © IMAGO / Revierfoto
Am 19. März 1986 drehte Bayer Uerdingen nach einer 0:2-Hinspiel-Niederlage einen 1:3-Halbzeit-Rückstand gegen Dynamo Dresden in einen 7:3-Sieg und zog dank des "Wunders von der Grotenburg" ins Europapokal-Halbfinale ein. Regisseur Sönke Wortmann wählte das Grotenburg-Stadion zudem als Drehort für seinen Film "Das Wunder von Bern".
Und da an diesem Ort auch noch mehrfach das Uerdinger Maskottchen "Grotifant" durch Schlägereien mit den Fans oder Schiri-Beschimpfungen auffiel und ein gewisser Ailton im Spätherbst seiner Karriere immerhin noch drei Treffer für Uerdingen erzielte, erscheint so ein Außenseiter-Sieg plötzlich doch möglich. Oder?
Und sonst so?
Wie versprochen, spannen wir an dieser Stelle noch einmal den Bogen zurück zu den Äpfeln. Die Spieler und Fans des SC St. Tönis bezeichnen sich selbst gerne spaßeshalber als "Apfelpflücker". Passend dazu rät Betreuer Ring allen Fans der Eintracht, die die Reise zum ersten Auswärtsspiel der Saison antreten, sich als ebensolche in der Region zu verdingen. "Wenn ihr bei uns seid, probiert einen Apfel. Ohne einen Apfel solltet ihr nicht nach Hause fahren."
Wem das Obst zu gesund und so ein Apfel zu wenig auswärtsfahrtkompatibel ist, für den gibt es natürlich auch eine Alternative und einen Tipp: Am besten eine etwas größere Tasche mitnehmen. "Ihr könnt euch auch ein paar mehr Äpfel einpacken und dann Ebbelwoi draus machen." Fallobst in St. Tönis. Bleibt nur die Frage, auf welches Team diese Beschreibung nach dem Spiel zutrifft.