„Ein Stück Gernot Hassknecht steckt schon in mir“: So wurde Hans-Joachim Heist im Alter gelassener

Die meisten kennen Hans-Joachim Heist als cholerischen Gernot Hassknecht aus der „heute-show“, der sich so wunderbar echauffieren kann. Nun schlüpft der Schauspieler in neuen ZDF-Film „Die Abräumer“ in eine ganz andere Rolle und beweist zwischen Bowling-Turnieren und Trauerverarbeitung Feingefühl.

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„Ein Stück Gernot Hassknecht steckt schon in mir“: So wurde Hans-Joachim Heist im Alter gelassener

Stand: 17.08.2026, 07:00 Uhr

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Hans-Joachim Heist im Interview - Hans-Joachim Heist (77) dürfte vielen durch seine Rolle als Gernot Hassknecht aus der Satiresendung "heute-show" bekannt sein. In dem neuen ZDF-Film "Die Abräumer" (am Mittwoch, 26. August, um 21.45 Uhr bei ZDFneo) spielt er nun einen älteren Herrn, der mit einem Schicksalsschlag zu kämpfen hat.

Hans-Joachim Heist im Interview - Hans-Joachim Heist (77) dürfte vielen durch seine Rolle als Gernot Hassknecht aus der Satiresendung "heute-show" bekannt sein. In dem neuen ZDF-Film "Die Abräumer" (am Mittwoch, 26. August, um 21.45 Uhr bei ZDFneo) spielt er nun einen älteren Herrn, der mit einem Schicksalsschlag zu kämpfen hat. © Getty Images/Matthias Nareyek

Die meisten kennen Hans-Joachim Heist als cholerischen Gernot Hassknecht aus der „heute-show“, der sich so wunderbar echauffieren kann. Nun schlüpft der Schauspieler in neuen ZDF-Film „Die Abräumer“ in eine ganz andere Rolle und beweist zwischen Bowling-Turnieren und Trauerverarbeitung Feingefühl.

Sich lautstark über Politik und Gesellschaft aufregen, bis die Halsschlagader hervortritt - das kann er. Vielen Zuschauerinnen und Zuschauern ist Hans Joachim Heist durch seine Darstellung von Gernot Hassknecht aus der Satiresendung „heute-show“ bekannt. Doch der Schauspieler, Komiker und Regisseur kann viel mehr als „nur“ brüllen. Er ist auf Tour mit dem „großen Heinz-Erhardt-Abend“, macht Lesungen und spielt in dem neuen ZDF-Film „Die Abräumer“ (schon jetzt in der Mediathek und am Mittwoch, 26. August, um 21.45 Uhr bei ZDFneo) einen in sich gekehrten älteren Herrn. Der versucht, mit dem Verlust seiner Frau fertigzuwerden und findet Trost in einer neuen Freundes- und Bowlinggruppe, die bunter nicht sein könnte. Wie es dem gebürtigen Hessen selbst mit dem Älterwerden ergeht, in welchen Momenten er vor allem auf seine Familie baut und wie ihn Humor heute aufrechterhält, verrät der 77-Jährige im Interview anlässlich des Starts der Sportkomödie mit „Ladykracher“-Star Bettina Lamprecht.

Hans-Joachim Heist im Interview - Djamal (Mido Kotaini, links), Freddy (Hans-Joachim Heist), Shu (Jing Xiang, zweite von rechts) und Karo (Bettina Lamprecht) sind ein buntes Team auf dem Weg zum Sieg beim Big Battle Bowl in "Die Abräumer".

Hans-Joachim Heist im Interview - Djamal (Mido Kotaini, links), Freddy (Hans-Joachim Heist), Shu (Jing Xiang, zweite von rechts) und Karo (Bettina Lamprecht) sind ein buntes Team auf dem Weg zum Sieg beim Big Battle Bowl in „Die Abräumer“. © ZDF / Martin Valentin Menke

teleschau: In dem neuen ZDF-Film „Die Abräumer“ kann man Ihnen beim Bowlen zusehen. Liegt Ihnen das privat auch im Blut?

Hans-Joachim Heist: Dass es mir im Blut liegt, würde ich nicht sagen, aber ich habe in meiner Jugend sehr oft gebowlt - wenn auch nicht im Verein, sondern mit Freunden. Denn mit den richtigen Leuten macht es am meisten Spaß. Um meine Rolle in dem Film authentisch zu verkörpern, bedurfte es also keines immensen Trainings. Ich habe trotzdem mit dem von der Produktion gestellten Trainer stets fleißig gebowlt. Seit den Dreharbeiten hatte ich allerdings keine Gelegenheit mehr - aber was nicht ist, kann ja noch werden.

teleschau: Menschen verbinden Sie oft mit Ihren humorigen Rollen. Nun verkörpern Sie jedoch einen Mann, der den Verlust seiner Frau verarbeiten muss. Nehmen Sie schwere Themen wie „Verlust“ nach Drehschluss mit nach Hause?

Heist: Ich muss sagen, dass mich gerade diese vielschichtigen Rollen reizen. Während der Dreharbeiten beschäftigen mich die Emotionen natürlich sehr. Danach kann ich mich aber wieder gut distanzieren. Das muss ich auch. Dann lege ich das Drehbuch weg, gehe zu meinen Liebsten nach Hause oder widme mich der nächsten Produktion. Die Probleme meiner Figur dürfen nicht zu meinen eigenen werden.

teleschau: Was bedeutet Familie für Sie heute, das Ihnen mit 30 vielleicht noch nicht bewusst war?

Heist: Familie bedeutete und bedeutet bis heute Heimat. Ich schätze es sehr, dass mich meine Liebsten bei all meinen beruflichen Verpflichtungen und Reisen unterstützen. Ich bin viel unterwegs, spiele auf verschiedenen Bühnen und bin im Fernsehen zu sehen. Da kann es nicht schaden, wenn ich auch mal nur der Ehemann bin, der zu Hause den Müll rausträgt. Meine Frau passt schon auf, dass ich nicht abhebe (schmunzelt).

„Viele sagen: 'Satire darf alles.' Dem stimme ich nicht zu“

teleschau: Sie bringen Menschen seit vielen Jahren zum Lachen. Gleichzeitig erzählt „Die Abräumer“ davon, wie vergänglich das Leben ist und wie schmerzhaft Verlust sein kann. Ist Humor für Sie eine Form, mit der Endlichkeit des Lebens umzugehen?

Heist: Diese Frage stellen wir uns alle irgendwann zwangsläufig. Humor hilft mir schon dabei, auch mit schwierigen Momenten umzugehen. Lachen und Schmerz können also durchaus gleichzeitig existieren. In meinem Alter macht man sich über solche Themen einfach mehr Gedanken - früher war das anders.

teleschau: Was bedeutet Humor also für Sie?

Heist: Humor bedeutet für mich vor allem, Menschen zu unterhalten - auch in dunklen Zeiten. Ich finde es beispielsweise schön, wenn man selbst nach einer Beerdigung gemeinsam auf den Verstorbenen anstoßen, trotz aller Trauer lachen und sich an die schönen Momente erinnern kann. Humor hat für mich aber auch Grenzen. Beleidigungen oder Erniedrigungen gehören nicht dazu. Das Geschlecht oder die ethnische Herkunft sollten kein Gegenstand von Witzen sein.

teleschau: Muss Satire heute grundsätzlich vorsichtiger sein als früher?

Heist: Satire muss für mich vor allem präzise sein und den Punkt treffen. Viele sagen: „Satire darf alles.“ Dem stimme ich nicht zu. Auch Satire hat ihre Grenzen. Respekt hingegen sollte keine Grenzen kennen.

„Ich werde sicher nicht mit 100 Jahren auf die Bühne getragen“

teleschau: Worüber können Sie heute lachen, worüber Sie früher vielleicht noch nicht gelacht haben?

Heist: Das ist schwierig. Mein Humor hat sich seit meiner Jugend eigentlich kaum verändert. Ich habe mich schon früh intensiv damit beschäftigt. Otto Waalkes steht für mich bis heute für Komik mit Herz, und Loriot gehört für mich zu den Größten der Situationskomik. Das weiß ich heute vielleicht noch mehr zu schätzen als früher.

teleschau: Aktuell sind Sie ja selbst mit zwei unterschiedlichen Programmen auf der Bühne unterwegs. Denken Sie denn auch mal ans Aufhören?

Heist: Darüber denke ich tatsächlich oft nach. Weniger zu machen, kann ich mir gut vorstellen. Aber solange ich körperlich und geistig fit bin und die Menschen mich noch sehen wollen, höre ich auch nicht auf. Wenn es irgendwann peinlich werden sollte, ist für mich allerdings Schluss - ich werde sicher nicht mit 100 Jahren auf die Bühne getragen.

teleschau: Das Älterwerden wird häufig mit Einschränkungen verbunden. Erleben Sie das selbst so?

Heist: Mit den hohen Temperaturen komme ich inzwischen schon an meine Grenzen. Das Älterwerden hat aber auch seine Vorteile. Ich glaube, man wird gelassener - oder vielleicht sogar ein Stück weit weiser. Natürlich regen mich wichtige Dinge, die mich verletzen, noch immer auf. Insgesamt bin ich aber deutlich entspannter geworden und gewichte vieles anders. Früher habe ich mich zum Beispiel im Straßenverkehr viel schneller geärgert. Heute denke ich: Wenn ich eine halbe Stunde später ankomme, dann ist das eben so.

„Hassknecht bringt das auf den Punkt, was sich viele denken“

teleschau: Im Gegensatz zu Ihrer Kultfigur aus der „heute-show“, Gernot Hassknecht ...

Heist: Ein Stück Gernot Hassknecht steckt schon noch in mir (lacht). Viele halten ihn für einen Choleriker, aber das sehe ich anders. Er regt sich nicht über jede Kleinigkeit auf, sondern über Themen, die viele Menschen bewegen - vor allem über politische Entwicklungen. Ich selbst rege mich durchaus auch auf, etwa wenn die Bahn unpünktlich ist. Inzwischen bin ich gelassener geworden, auch wenn es mich noch ärgert, wenn ich mich auf Zeiten und Angaben nicht verlassen kann.

teleschau: Warum kommt ein solcher Charakter beim Publikum so gut an? Schließlich gilt Gernot Hassknecht nicht unbedingt als Sympathieträger.

Heist: Die einen finden Gernot Hassknecht großartig, die anderen können mit der Figur nichts anfangen. Das ist aber völlig in Ordnung, denn sie muss nicht jedem gefallen. Dass sie so schnell Kultstatus erreicht hat, ist großartig. Hassknecht bringt das auf den Punkt, was sich viele denken. Für manche ist er deshalb ein Ventil oder sogar ein Sprachrohr.

teleschau: 2023 erzählten Sie in der Talkshow „Riverboat“, Sie hätten noch nie Ihren Blutdruck gemessen, während Sie in einer Gernot-Schimpftirade waren. Haben Sie das inzwischen nachgeholt?

Heist: Tatsächlich habe ich das einmal untersuchen lassen, weil ich oft darauf angesprochen wurde. Viele hatten Sorge, ich könnte in der Rolle irgendwann einen Herzinfarkt bekommen. Auf die Idee wäre ich selbst gar nicht gekommen. Also bin ich zu meinem Hausarzt gegangen - und es war alles in bester Ordnung. Das ist im Grunde wie beim Leistungssport: Puls und Blutdruck gehen kontrolliert hoch und anschließend auch wieder herunter. Genau das gehört zum Schauspiel dazu. Es ist ein Schalter, den ich gelernt habe umzulegen. So authentisch es wirkt - der Körper muss danach auch wieder zur Ruhe kommen.

„Am Anfang meiner Schauspielkarriere musste ich kämpfen“

teleschau: Das ist etwas, worauf Sie sehr stolz sein können ...

Heist: Danke, es ist großartig, diese charakteristische Figur geschaffen zu haben, die Generationen überdauert. Zuvor war ich bereits in Produktionen wie „SOKO Köln“, „Löwenzahn“, „Bettys Diagnose“ oder dem „Tatort“ zu sehen. Auf diese Rollen bin ich auch stolz. Gernot Hassknecht war jedoch ein ganz besonderer Glücksfall. So eine Figur spielen zu dürfen, ist ein Geschenk. Sie hat mir viele weitere Möglichkeiten eröffnet, etwa die Stimme der Emotion „Wut“ in „Alles steht Kopf“ zu sprechen. Dafür bin ich sehr dankbar.

teleschau: Was bedeutet Erfolg für Sie heute?

Heist: Am Anfang meiner Schauspielkarriere musste ich kämpfen. Man muss Geld verdienen, sich selbst anbieten und hart für den Erfolg arbeiten - ob am Theater oder vor der Kamera. Hat man sich irgendwann etabliert, kommen viele Dinge von allein und auch die Angebote nehmen zu. Dieser Erfolg macht mich heute sehr glücklich.

teleschau: Von 2024 bis 2025 wirkten sie im Rahmen einer Kampagne gegen Altersdiskriminierung in Videoclips für eine Antidiskriminierungsstelle des Bundes mit. Hatten sie persönliche Erfahrungen mit Altersdiskriminierung?

Heist: Nein, solche Erfahrungen habe ich glücklicherweise nicht gemacht. Ich bin grundsätzlich gegen jede Form von Diskriminierung, sei es aufgrund des Alters, der Hautfarbe, des Geschlechts oder aus anderen Gründen. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich heute eine Ausstrahlung habe, die es anderen schwer macht, mich zu diskriminieren. Das musste ich mir allerdings über die Jahre hart erarbeiten. Meinem jüngeren Ich würde ich deshalb gerne sagen, dass es Rückschläge einstecken muss, um wieder aufzustehen und weiterzumachen. Und worauf wir alle achten sollten - jeden Tag: Dass wir alle menschlich bleiben. (Dieser Artikel entstand in Kooperation mit teleschau.)