Ein Ort an dem Welten verschmelzen: Das erste Drachenfest in Waldeck

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Ein Ort an dem Welten verschmelzen: Das erste Drachenfest in Waldeck

Stand: 31.07.2026, 18:00 Uhr

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Erstes Drachenfest in Waldeck: Mitten in der Schlacht

Mittendrin statt nur dabei: Drei Lager haben sich zusammengeschlossen, um in einer Schauschlacht die Festung des roten Lagers einzunehmen. © Foto: Aileen Raddatz

Mit dem neuen Larp-Gelände in Waldeck hat das zweitgrößte Live-Rollenspiel Deutschlands einen neuen Ort, von dem die knapp 6000 Beteiligten beeindruckt sind.

Waldeck – Das Stampfen unzähliger Stiefel und der Lärm von tosendem Kampfgebrüll leiten mich den Hügel hinauf. Was hier los ist? Ich befinde mich auf dem ersten Drachenfest in Waldeck – genauer gesagt auf dem Weg zu einer großen Larp-Schlacht, einem großen Live-Rollenspiel.

Drei Teams haben sich zusammengetan, um die Festung des roten Lagers zu stürmen. Doch diese verteidigen ihre Festung mit Leib und Seele. Ich könnte glatt vergessen, dass es sich um ein Live-Rollenspiel handelt, würden die Pfeilspitzen und Wurfgeschosse der Trebuchets (Belagerungswaffen) nicht aus Schaumstoff bestehen. Auch die vielen Personen, mit den roten Team-Caps weisen darauf hin, dass es sich „nur“ um ein überwachtes Rollenspiel handelt.

Doch für die Kämpferinnen und Kämpfer spielt das keine Rolle. Sie sind bereits in ihre eigene Welt abgetaucht. Und dabei spielen sie nicht einfach nur eine Rolle, sie werden zu den Figuren, deren Geschichten sie erzählen. Und wenigstens für den Moment vergessen sie die Realität um sich herum.

Auch mir geht es so, als ich weiter meine Runde über das riesige Gelände drehe. Jede Straße, jeder Weg, sei es die große Hauptstraße oder eine noch so kleine Gasse, zieht mich in seinen Bann. Egal, in welche Richtung ich mich drehe, es fühlt sich an wie eine Reise in ein fast vergessenes Zeitalter. Zwischenzeitlich vergesse ich glatt selbst, dass ich mich in Wahrheit noch immer im 21. Jahrhundert befinde – wäre da nicht die Kamera um meinen Hals, die mich ständig daran erinnert.

Ich laufe weiter über das Gelände. Innerhalb kürzester Zeit ist auf den Hügeln des ehemaligen Golfplatzes eine eigene Stadt entstanden. Gefühlt ist sie genauso groß wie Waldeck selbst. In dem „echten Waldeck“ leben um die 6919 Einwohner, beim Drachenfest werden knapp 6000 Menschen beherbergt.

Mein Weg führt mich vorbei an der „Aventurischen Botschaft“, den Blick schweifend Richtung „Zum verfressenen Biber“ und weiter zur „Alchemistengarde“. Da steht plötzlich ein junges Fräulein vor mir. Sie hält einen Käfig hoch, darin sitzt ein (Plüsch-)Huhn. „Ja, der Sven ist echt. Der nimmt einem alle Ängste und Sorgen.“

Erstes Drachenfest in Waldeck: Ohne Mütze keine Taverne. Seit 2009 führt er den "Durstigen Dolch" auf dem Spielfeld.

Ohne „Mütze“ gäbe es keine Taverne auf dem Spielfeld. Seit 2009 führt er den „Durstigen Dolch“. © Foto: Aileen Raddatz

Stolpere ich gerade noch über das Hinweisschild „Achtung Goblin“ mit der Randnotiz „Lüge, der ist lieb“, zieht es mich auch schon weiter zum „Botenamt Aldradach“. Ich staune: Die haben sogar ihr eigenes Postamt. „Ich benötige den Namen, das Lager, eine Lagebeschreibung und eine Skizze“, sagt die Dame hinter dem Postschalter zu einem Herrn, der offenbar etwas verschicken möchte.

Fasziniert schüttele ich den Kopf und setze meinen Weg fort. Plötzlich finde ich mich an einem düster wirkenden Platz wieder. Wo kommt all der Nebel her? Das große Zelt vor mir wird „Limbus“ genannt. Der Ort, an dem gefallene Krieger und Kriegerinnen sich durch verschiedene Rätsel spielen, um über den angrenzenden Friedhof wieder in die Welt der Lebenden zurückzukehren. Dieser Ort ist nichts für schwache Nerven. „Zutritt ab 18“, warnt ein Schild am Eingang. Na dann viel Erfolg ihr furchtlosen Krieger und entschlossenen Schildmaiden.

Da lenkt mich ein entstehender Tumult auf eine andere Händlerstraße. Mitten auf dem Weg scheinen zwei Lager in einen Konflikt geraten zu sein. „Geh schnell weiter, wir wollen nichts damit zu tun haben“, ruft ein Vater seinem Sohn zu. „Nimm deinen Fisch herunter.“ Der Sohn gehorcht, versteckt seinen „Fisch“ und läuft eilig seinem Vater hinterher. Auch die anderen Menschen, die eben noch auf der Straße unterwegs waren, suchen schleunigst das Weite. Anspannung liegt in der Luft. „Nie wieder Kupfer!“, brüllen einige. Andere erwidern: „Tyrannei ist keine Herrschaft!“

So viel habe ich inzwischen verstanden: Das kupfernde Lager, die Sieger im vorherigen Jahr, sind bei kaum jemandem noch beliebt. Mit ihnen scheint eine tyrannische Herrschaft an die Macht gekommen zu sein, welche es in diesem Jahr zu stürzen gilt. Jetzt legen sie sich sogar mit den Orks an. Da verdrücke ich mich lieber.

Nach über acht Kilometern Fußmarsch wäre eine Verschnaufpause in der Taverne „Zum durstigen Dolch“ jetzt genau das Richtige für mich. Ich hoffe bloß, dass ich auch den Weg dorthin finde.