Marsmond oder eingefangener Asteroid? ESA-Sonde Hera liefert neue Daten zu Deimos – und neue Fragen

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Marsmond oder eingefangener Asteroid? ESA-Sonde Hera liefert neue Daten zu Deimos – und neue Fragen

„Ein einzelner Einschlag genügte“: Forscher lösen mit ESA-Daten zwei Rätsel des Marsmondes Deimos

Stand: 22.08.2026, 12:46 Uhr

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Die ESA-Sonde „Hera“ hat Daten geliefert, die zwei alte Rätsel des Marsmondes Deimos lösen – und dabei ein neues aufwerfen.

Bern – Der Planet Mars wird von zwei kleinen Monden umkreist, die das Interesse der Forschung derzeit vermehrt auf sich ziehen – schließlich soll im Oktober eine japanische Mission mit deutscher Beteiligung zu den Marsmonden Phobos und Deimos aufbrechen. Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung der Universität Bern hat sich nun mit Deimos, dem kleineren der beiden Marsmonde beschäftigt und gleich zwei Rätsel gelöst.

Der rote Planet Mars (links) und sein kleiner Mond Deimos (rechts). (Archivbilder)

Der rote Planet Mars (links) und sein kleiner Mond Deimos (rechts). (Archivbilder) © Bild-Kombo: NASA/JPL/USGS und NASA/JPL-Caltech/University of Arizona

Deimos ist annähernd oval geformt und hat an seinem Südpol eine tiefe Senke. Im Vergleich zum stark verkraterten Mond Phobos ist Deimos von einer lockeren Schicht aus Staub und Geröll bedeckt, die ihm ein glattes und staubiges Aussehen verleiht. Woher kommt die Senke? Und wieso ist Deimos von Regolith bedeckt? Auf die Spur dieser beiden Fragen begab sich das Forschungsteam mithilfe neuer Daten, die die ESA-Sonde „Hera“ vom Marsmond Deimos geliefert hatte.

Marsmond Deimos im Fokus: Hundert Simulationen lösen sein Rätsel

Ein Team um Dr. Sabina Raducan nutzte hochauflösende Computersimulationen des Softwaresystems „Bern Smoothed Particle Hydrodynamics“ (SPH), um die markante Senke in der Nähe des Südpols zu analysieren. „Wir führten etwa hundert Simulationen durch – jede dauerte jeweils etwa eine Woche“, erklärt Studienleiterin Raducan in einer Mitteilung. Anschließend verglich das Forschungsteam die Simulationen mit den Beobachtungsdaten der ESA-Raumsonde.

Die befindet sich derzeit auf dem Weg zum Asteroiden „Dimorphos“, der 2022 von der NASA-Raumsonde „DART“ gerammt wurde. „Hera“ soll den Einschlag dort genauer untersuchen – und nutzte einen Vorbeiflug am Mars, um Daten von Deimos aus nächster Nähe zu sammeln.

ESA-Raumsonde liefert Daten über Marsmond Deimos

Das Ergebnis ist die erste wissenschaftliche Veröffentlichung mit Daten vom Vorbeiflug „Heras“ an dem Marsmond. Publiziert wurde sie in Nature Astronomy. Für das Forschungsteam sind die Ergebnisse der Studie eindeutig: Ein Asteroid mit rund 320 Metern Durchmesser, der in einem 45-Grad-Winkel auf Deimos einschlug, hat die Senke am Südpol verursacht. Gleichzeitig entstanden durch die Kollision große Mengen an Material, die über die Oberfläche geschleudert wurden.

„Unsere Simulation zeigt also, dass ein einzelner Einschlag genügte, um die heutige Landschaft von Deimos entscheidend zu prägen“, erklärt Mitautor Martin Jutzi. „Der Aufprall war heftig genug, um Material global umzuverteilen, aber nicht so stark, dass der Mond zerbrochen wäre.“

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Blick ins Innere von Marsmond: Deimos ist stark porös

Das Forschungsteam stellte außerdem fest, dass die obersten Schichten von Deimos außerordentlich schwach sind und der innere Aufbau stark porös ist, was die Einschlagskräfte dämpfte. „Deimos ähnelt in seinen physikalischen Eigenschaften eher den sogenannten Trümmerhaufen-Asteroiden, als unserem Erdmond“, sagt Raducan. „Das heißt aber nicht unbedingt, dass Deimos wirklich ein Asteroid ist“, fügt die Studienleiterin hinzu, denn es gibt die Theorie, dass Deimos und der Schwestermond Phobos einst Asteroiden waren, die von der Gravitation des Mars eingefangen wurden.

„Deimos könnte auch aus Material entstanden sein, das bei Einschlägen auf dem Mars hochgeschleudert wurde“, sagt Raducan. Die Studie liefert praktische Vorhersagen, die durch künftige Weltraummissionen überprüft werden können – etwa durch die japanische MMX-Mission (Martian Moons eXploration). Die Mission soll im Oktober 2026 starten, die beiden Marsmonde detailliert beobachten und Proben von Phobos zur Erde bringen. Mit dabei ist auch ein deutsch-französischer Rover namens „Idefix“, der auf Phobos landen soll.

Die aktuelle Studie liefert wichtige Vorhersagen für die MMX-Mission – zur Dicke und Verteilung der Staubschicht sowie zu den mechanischen Eigenschaften des Materials von Deimos. „Damit erhält MMX ein klareres Bild davon, was seine Instrumente und letztlich die Probenentnahme erwarten dürfte“, so Raducan. (Quellen: Mitteilung, Studie, eigene Recherche) (tab)