Historische Niedrigwasserstände setzen Europas Atomkraftwerke unter Druck – und Strompreise steigen

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Historische Niedrigwasserstände setzen Europas Atomkraftwerke unter Druck – und Strompreise steigen

Dürre-Drama in Europa: Atomkraftwerke drosseln Leistung – Strompreise steigen

Stand: 05.08.2026, 14:01 Uhr

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Das Schweizer Atomkraftwerk Beznau

Das Schweizer Atomkraftwerk Beznau. (Archivbild) © Philipp von Ditfurth/dpa

Rekordniedrige Wasserstände in Donau und Rhein bremsen Atom- und Wasserkraftwerke. Mehrere Länder kämpfen bereits mit steigenden Strompreisen und Engpässen.

Bukarest – Die anhaltende Dürre in Europa bringt die Energieversorgung mehrerer Länder zunehmend unter Druck. Historisch niedrige Wasserstände in Donau und Rhein zwingen Atomkraftwerke in Ungarn, Rumänien, Frankreich und der Schweiz dazu, ihre Leistung zu drosseln oder zeitweise ganz abzuschalten. Gleichzeitig liefern Wasserkraftwerke deutlich weniger Strom als üblich. Das berichtet unter anderem Euro2day

Niedrige Flusspegel bremsen Atomkraft

In Rumänien arbeitet das Atomkraftwerk Cernavodă, das rund ein Fünftel des Stroms des Landes erzeugt, nur noch mit verringerter Leistung. Zeitweise mussten einzelne Reaktoren abgeschaltet werden, nachdem die Donau auf historische Tiefstände gefallen war. Um mehr Wasser zum Kraftwerk zu leiten, ließen die Behörden sogar Felsen im Flussbett sprengen.

Auch das Schweizer Atomkraftwerk Beznau wurde vom Netz genommen. Laut France 24 Reduzierten in Frankreich Betreiber unter anderem in Chooz und Cattenom die Leistung ihrer Anlagen, damit das erwärmte Kühlwasser die Flüsse nicht zusätzlich aufheizt. Nach einem französisch-belgischen Abkommen müssen Kraftwerke an der Maas ihre Leistung reduzieren, wenn der Wasserstand unter einen festgelegten Grenzwert fällt.

In Ungarn stand das Atomkraftwerk Paks zeitweise kurz vor einer vollständigen Abschaltung. Drei der vier Reaktoren waren außer Betrieb, die Anlage lief nur noch mit etwa zehn Prozent ihrer Leistung. Erst leicht steigende Wasserstände verhinderten den kompletten Stillstand. Die Regierung bereitet sich nun darauf vor, den Stromverbrauch großer Industriebetriebe zu begrenzen und mehr Strom aus dem Ausland einzukaufen.

Auch Wasserkraft fällt aus

Nicht nur Atomkraftwerke kämpfen mit der Trockenheit. Mehr als 30 große Wasserkraftwerke und Kraftwerksblöcke in fünf europäischen Ländern erzeugen derzeit deutlich weniger Strom als üblich. Insgesamt fehlen dadurch rund 5,8 Gigawatt Leistung.

Besonders betroffen sind Österreich, Slowenien, Rumänien und Serbien. Vor allem Laufwasserkraftwerke, die auf den natürlichen Wasserfluss angewiesen sind, produzieren erheblich weniger Strom oder mussten teilweise abgeschaltet werden. Bis Ende Juni erreichte ihre Stromerzeugung nur 80 % des üblichen Wertes, im Juni allein sogar lediglich 63 %.

Die Auswirkungen zeigen sich bereits an den Energiemärkten. Italien verzeichnet mit mehr als 200 Euro pro Megawattstunde derzeit die höchsten durchschnittlichen Strompreise Europas. Auch Rumänien, Ungarn, die Slowakei, Slowenien und Kroatien nähern sich der Marke von 180 Euro je Megawattstunde.

In Rumänien stoppten die Autohersteller Dacia und Ford ihre Produktion vorübergehend. Ford erklärte allerdings, die Unterbrechung stehe im Zusammenhang mit den Sommerferien und nicht mit möglichen Stromengpässen.

Debatte über Atomkraft

Die anhaltende Dürre hat auch die Diskussion über die Zukunft der Atomenergie neu entfacht. Kritiker verweisen darauf, dass viele Atomkraftwerke auf ausreichend Flusswasser zur Kühlung angewiesen sind und deshalb bei Hitzewellen und Trockenperioden an ihre Grenzen stoßen.

Nach Prognosen des französischen Forschungsprogramms Explore2 könnten die Niedrigwasserstände der Flüsse in Frankreich bis 2050 im Durchschnitt um 15 % zurückgehen. Parallel werben einzelne Unternehmen bereits mit neuen Reaktorkonzepten, die nach eigenen Angaben ohne Kühlwasser auskommen sollen. (Redaktion) Weitere Quellen: Spektrum der Wissenschaft, Aktien Check, Yle.fi.