Dunkles Geheimnis: Römer-Villa enthüllt antikes Massaker in Britannien
KI-Stimme. InfoDie Villa von Brading zählt zu den bedeutendsten Zeugnissen der römischen Besiedlung Britanniens. Neue archäologische Untersuchungen deuten jedoch darauf hin, dass der einstige Landsitz einst Sch...
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Die Villa von Brading zählt zu den bedeutendsten Zeugnissen der römischen Besiedlung Britanniens. Neue archäologische Untersuchungen deuten jedoch darauf hin, dass der einstige Landsitz einst Schauplatz eines gewaltsamen Ereignisses gewesen sein könnte. Bei der Analyse menschlicher Knochen entdeckten Forscher Spuren, die auf ein mögliches Massaker hindeuten. Die Überreste werden zeitlich mit den politischen und militärischen Umbrüchen um das Jahr 353 n. Chr. in Verbindung gebracht, als die Herrschaft des Usurpators Magnentius in einem gewaltsamen Konflikt endete.
Menschliche Überreste als Hinweise auf ein Massaker
Forscher der University of Cambridge haben bei der Untersuchung menschlicher Knochen aus der berühmten Villa von Brading neue Erkenntnisse über die Geschichte des römischen Gebäudekomplexes gewonnen. Die prachtvolle Villa wurde erstmals in den Jahren 1880 und 1881 entdeckt und im Zuge archäologischer Ausgrabungen freigelegt. Internationale Bekanntheit erlangte sie vor allem durch ihre farbenprächtigen Mosaikböden, darunter Darstellungen des Gottes Bacchus und der Medusa. Die ebenfalls auf dem Gelände entdeckten und teilweise verstreut liegenden menschlichen Knochen fanden bei den frühen Untersuchungen hingegen deutlich weniger Beachtung.
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Bei weiteren Ausgrabungen in den 1990er und 2000er Jahren kamen zusätzliche menschliche Überreste ans Licht. Dazu gehörten die Knochen eines Jugendlichen, die am Grund eines Brunnens gemeinsam mit den Überresten von drei jungen Hunden gefunden wurden. Darüber hinaus entdeckten die Archäologen die Überreste von mindestens vier Erwachsenen, einem Jugendlichen und einem Kleinkind. Aufgrund der ungewöhnlichen Umstände untersuchten Wissenschaftler der University of Cambridge die Knochen genauer und unterzogen sie unter anderem einer Radiokarbondatierung. Über die Ergebnisse der Studie berichtete auch „Archaeology Magazine“.
Die Datierungen ordnen die menschlichen Überreste einem Zeitraum zwischen etwa 220 und 400 n. Chr. zu. Gleichzeitig liefern die Knochen Hinweise auf eine möglicherweise gewaltsame Vergangenheit der Villa. An mehreren Exemplaren fanden die Forscher Schnittspuren, die den Personen vermutlich kurz vor oder unmittelbar nach ihrem Tod zugefügt wurden. Zusätzlich weisen einige Knochen Bissspuren von Tieren auf, die möglicherweise von Hunden oder Füchsen stammen. Die Archäologen vermuten daher, dass zumindest einige der Verstorbenen zunächst in flachen Gräbern bestattet wurden. Anschließend könnten Aasfresser die Überreste freigelegt und einzelne Knochen über das Gelände verteilt haben.
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Wie kam es zu dem Massaker in der römischen Villa?
Zusätzliche Hinweise auf eine mögliche Unterbrechung der Nutzung der Villa liefert eine Analyse der dort gefundenen Münzen. In der chronologischen Abfolge zeigt sich eine auffällige Lücke zwischen etwa 330 und 348 n. Chr.. Ein vergleichbares Muster ist an zahlreichen anderen römischen Fundstätten in Britannien nicht festzustellen. Die Forscher vermuten daher, dass dieser Zeitraum mit einer vorübergehenden Aufgabe der Villa nach einem gewaltsamen Ereignis zusammenfallen könnte. Auch bauliche Veränderungen scheinen in diese Zeit zu fallen. Insbesondere im westlichen Gebäudetrakt lassen sich Hinweise auf eine spätere Umgestaltung erkennen.

In ihrer Studie stellen die Archäologen einen möglichen Zusammenhang mit den politischen Unruhen um das Jahr 353 n. Chr. her. Der Usurpator Magnentius, der sich gegen Kaiser Constantius II. gestellt hatte, erlitt in dieser Phase entscheidende militärische Niederlagen. In der Schlacht bei Mursa sowie später am Mons Seleucus verlor er endgültig seine politische Macht und nahm sich anschließend das Leben. Nach seinem Sieg ließ Constantius II. nach historischen Überlieferungen gezielt gegen mutmaßliche Unterstützer des Magnentius vor. Der römische Geschichtsschreiber Ammianus Marcellinus berichtet von Verhaftungen, Folterungen, Hinrichtungen und der Beschlagnahmung von Eigentum im Zuge dieser Vergeltungsmaßnahmen. Die Forscher halten es für möglich, dass diese politischen Repressionen mit den menschlichen Überresten in der Villa von Brading in Verbindung stehen könnten.
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Die Autoren der Studie betonen jedoch ausdrücklich, dass es sich dabei bislang lediglich um eine Hypothese handelt. Einen direkten Beweis für einen Zusammenhang zwischen den politischen Ereignissen und den Todesfällen in der Villa gibt es nicht. Dennoch ergibt sich aus dem Zusammenspiel der menschlichen Überreste, den Spuren an den Knochen, der auffälligen Münzlücke und den baulichen Veränderungen ein bemerkenswertes Indizienbild, das auf ein mögliches gewaltsames Ereignis während einer politisch instabilen Phase der römischen Herrschaft in Britannien hindeutet.