Hot Printing Festival Offenbach 2026: Druckgrafiken sehen, machen, kaufen
Kiki Loo druckt einen Dodo. Den Vogel hat die Künstlerin aus Offenbach auf eine Steinplatte gezeichnet, die Vorlage für ihre Tusche-Lithographie. Mit einem feuchten Schwamm wischt sie über den massiven Kalkstei...
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Kiki Loo druckt einen Dodo. Den Vogel hat die Künstlerin aus Offenbach auf eine Steinplatte gezeichnet, die Vorlage für ihre Tusche-Lithographie. Mit einem feuchten Schwamm wischt sie über den massiven Kalkstein, dann walzt sie schwarze Druckfarbe darüber und druckt den Dodo schließlich auf Papier. Es riecht nach frischer Farbe, Schmieröl, Terpentin. In der Druckwerkstatt im Bernardbau an der Herrnstraße röhren und rattern ein Dutzend historische Pressen und Spezialmaschinen. Künstler nutzen sie für ihre Projekte oder bereiten sich wie Loo auf das Druckfestival „Hot Printing“ vor, das in diesem Jahr zum dritten Mal in Offenbach stattfindet.
Ein ganzes Wochenende machen regionale und internationale Künstler Druck, in Workshops, Vorträgen, Ausstellungen. Bespielt werden mehrere Orte, das Klingspor Museum, das Haus der Stadtgeschichte, der Hof des Büsingpalais und die Druckwerkstatt. „Sie ist das Herz des Festivals“, sagt Museumsleiterin Dorothee Ader, die Initiatorin des Festivals. „An dem Ort wird spürbar, was man alles tun kann.“
Dazu gehören: Bleisatz, Lithographie, Radierung, Tiefdruck, Linolschnitt und Buchdruck. Dominik Gußmann leitet die Werkstatt seit ihrer Gründung 2020, einem Kooperationsprojekt des Museums mit dem Haus der Stadtgeschichte. Dienstagnachmittags hilft er Laien und Künstlern an den Maschinen.

Dass Druckerzeugnisse mal obsolet sein könnten oder gar eine Renaissance erleben, darüber denke er nicht nach, so der Offenbacher Künstler. Für ihn ist es sein Leben: „Ich habe nie etwas anderes gemacht.“ Besonders leuchten seine Augen, wenn er vor „Elisabeth“ steht. Sie wiegt fast fünf Tonnen, so viel wie ein großer Elefant. Elisabeth ist eine Offsetdruckmaschine, „die heute noch für Tageszeitungen genutzt wird“, sagt Gußmann. „Bis in die Achtzigerjahre gab es in Druckereien Andruckpressen für Bleidruck.“ Eine steht in der Werkstatt, hinter ihr stapeln sich Lettern. Wenn man an der Kurbel dreht, fährt die Walze mit dem Papier über den Bleisatz. „Ruhig etwas schneller“, sagt Gußmann. Sonst verwischt der Druck. Dann macht es „klick“. Das Papier lässt sich herausziehen. Zu sehen ist eine historische Stadtansicht von Frankfurt mit dem Kaiserdom.
„Man hat diesen schönen Wundermoment“
Die Rhein-Main-Region hat eine lange Tradition in der Druckgrafik, die weit über Gutenberg hinausreicht. Alois Senefelder entwickelte die Lithographie zwar in München, von Offenbach aus aber nahm sie im 19. Jahrhundert ihren Weg in die Welt. Der Offenbacher Verleger Johann Anton André nutzte die Technik, um den musikalischen Nachlass Wolfgang Amadeus Mozarts zu vervielfältigen – die seinerzeit erste Adresse für Notendruck. Auch die Schriftgießerei der Gebrüder Klingspor war im 20. Jahrhunderts eine der bedeutendsten Schriftenhersteller.

„Da bot sich ein Festival einfach an“, sagt Ader. Inzwischen ist es etabliert und findet alle zwei Jahre statt. Die Stände der Künstler haben sich seit der Premiere 2022 fast verdoppelt, 90 sind es diesmal. Gut ein Drittel kommt aus der Rhein-Main-Region, schätzt Ader. Ina Hengstler und Marina Kampka sind seit der ersten Ausgabe dabei.
Hengstler ist auf Buchdruck spezialisiert. Die Künstlerin aus Frankfurt hat im vergangenen Jahr Südkorea und Japan bereist und berichtet auf dem Festival von ihren Erfahrungen. „Südkorea hat zum Beispiel eine vor Gutenberg liegende Geschichte im Bleisatz“, sagt sie. Und Japan eine ohnehin lange Tradition, auch im Buchbinden und Papierschöpfen, der Hengstler nachgespürt hat.
Auf Motivsuche vor Ort hat sich Marina Kampka begeben. Mit Lena Schrieb, die sie aus dem Studium in Offenbach kennt, hat sie das „Stadtstempel-Projekt“ entwickelt. „Wir stempeln mit Knete“, sagt sie, „die oft einfachste Drucktechnik“, die sich für jeden eigne. Fundstücke werden in Knete gedrückt, die Form mit Farbe bemalt und dann auf Papier gedruckt. „Man hat diesen schönen Wundermoment“, sagt Kampka. Was beim Druck herauskomme, sei unvorhersehbar, mal präzise, mal fragmentarisch.

Kampka zeigt fertige Drucke, die an Fossilien oder Fotogramme erinnern. 111 handtellergroße, beschriftete Motive aus Offenbach, Steine, Pflanzen, Spuren aus dem öffentlichen Raum. Auch in Warschau, Wien und Zürich haben die Künstlerinnen Druckarchive angelegt. In Frankfurt-Sossenheim geht die Spurensuche demnächst weiter.
Die 42 Jahre alte Künstlerin erinnert sich, dass zu ihrer Studienzeit „Handwerk als unsexy“ galt. Heute beobachten sie und Hengstler ein wachsendes Interesse. „Man merkt einfach, dass Menschen Handwerk brauchen, weil es verloren geht“, so Hengstler. Speziell der Druck verbinde künstlerisches Schaffen mit kulturellem Erbe. Auch Kampka erlebt, dass Menschen es schön finden, „selbst etwas herzustellen, nicht nur zu konsumieren. Und sich einfach mal die Hände schmutzig zu machen“.

Auf dem Festival können sich die Künstlerinnen mit anderen vernetzen, die auch originelle Drucktechniken verwenden. Darunter etwa die Wasserlithographie. Eine Künstlerin geht mit Besuchern an den Main, sammelt Rückstände, die auf der Wasseroberfläche treiben, und druckt sie. Eine andere arbeitet mit von Borkenkäfern befallener Rinde, wieder andere zeigen knallbunte Postkarten aus dem Risodrucker.
Darum soll es in Offenbach gehen: Experimentierfreude. Nicht ohne Grund gehe der Name des Festivals auf den niederländischen, experimentellen Drucker Hendrik Nicolaas Werkman zurück, sagt Festivalleiterin Ader, der eine Druckgrafikserie „Hot Printing“ nannte. Ein Handwerk, das einst von der Digitalisierung verdrängt wurde, findet über die digitale Gegenwart zurück ins Analoge. Zu etwas nachhaltig Greifbarem, das Menschen mit ihren Händen schaffen.
„Hot Printing“: Samstag, 22. August, bis Sonntag, 23. August, Offenbach, Eintritt frei, www.klingspormuseum.de.