Drinnen heißer als draußen: Für ältere Menschen wird die Wohnung schnell zur Hitzefalle

Hitzewelle Drinnen heißer als draußen: Für ältere Menschen wird die Wohnung schnell zur Hitzefalle Hitze trifft nicht alle Menschen gleich. Neue Messungen zeigen, welchen Belastungen ältere Menschen in...

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Drinnen heißer als draußen: Für ältere Menschen wird die Wohnung schnell zur Hitzefalle

Hitzewelle

Drinnen heißer als draußen: Für ältere Menschen wird die Wohnung schnell zur Hitzefalle

Hitze trifft nicht alle Menschen gleich. Neue Messungen zeigen, welchen Belastungen ältere Menschen in überhitzen Wiener Wohnungen ausgesetzt sind

Die aktuelle Hitzewelle macht sich in Wiener Wohnungen deutlich bemerkbar. Vor allem dort, wo die Bewohnerinnen und Bewohner sich kaum dagegen schützen können. Das zeigen Temperaturmessungen, welche die Universität für Bodenkultur (Boku) seit Juni gemeinsam mit Greenpeace und der Volkshilfe bei älteren Menschen in Wien durchführt. Insgesamt werden in diesem Sommer zwölf Wohnungen untersucht, darunter auch jene von armutsbetroffenen Seniorinnen und Senioren. Die Temperaturen in den Wohnungen kann jede und jeder live über ein Dashboard mitverfolgen.

Ein Holzregal in einem Raum, an dem eine kleine Stofftasche mit Blumenmotiv hängt. Darunter misst eine Hand mit einem digitalen Thermometer die Raumtemperatur, die auf dem Gerät mit 27,3 °C und einer Luftfeuchtigkeit von 56 % angezeigt wird. Im Hintergrund sind unscharf Blumen und weitere Wohnaccessoires zu erkennen.
In Wiener Altbauwohnungen können die Temperaturen bei Hitzewellen über 30 Grad steigen. Besonders gefährdet sind ältere, armutsbetroffene Menschen.

In sechs der zwölf untersuchten Altbauwohnungen kletterten die Temperaturen bereits kurz nach Beginn der aktuellen Hitzewelle auf über 28 Grad. Am stärksten betroffen war die Einzimmerwohnung eines armutsbetroffenen Pensionisten mit 33 Quadratmetern, in der die Temperatur auf bis zu 30 Grad stieg. Innerhalb von 24 Stunden war es in allen zwölf Wohnungen mindestens sieben Stunden lang wärmer als draußen, in der Wohnung des Pensionisten sogar knapp 13 Stunden. Auch nachts kühlten sieben der Wohnungen nie unter 27 Grad ab.

Laut einer Berechnung von Greenpeace auf Basis von Statistik-Austria-Daten starben bei der Hitzewelle im Juni rund 300 Menschen in Österreich an den Folgen der extremen Temperaturen.

Hitze ohne Ausweg

Erich Fenninger, Direktor der Volkshilfe Österreich, verweist darauf, dass armutsbetroffene Menschen der Hitze stärker ausgesetzt sind. Viele leben in engen, schlecht sanierten Wohnungen ohne Sonnenschutz in dicht bebauten, hitzeanfälligen Vierteln mit wenig Grünraum. Zudem fehle oft das Geld für Jalousien, Kühlgeräte oder den Besuch eines Schwimmbads. Bei älteren Menschen komme darüber hinaus hinzu, dass sie häufig nicht mehr mobil genug seien, um kühlere Orte aufzusuchen.

Dass die Situation extrem heikel ist, darauf verweist auch Daniela Haluza, Umweltmedizinerin an der Medizinischen Universität Wien. Sie bezeichnet Hitze als das tödlichste Wetterextrem in Österreich. Besonders ältere Menschen könnten hohe Temperaturen körperlich schlechter kompensieren. Dauerhaft überhitzte Wohnungen erhöhten das Risiko für Kreislaufprobleme, Schwindel, Stürze und Verwirrungszustände. Mit der Folge, dass Betroffene als Notfall im Krankenhaus landen.

Forderungen an Politik

Greenpeace und Volkshilfe fordern angesichts der Ergebnisse mehrere Maßnahmen von Klimaminister Norbert Totschnig und Vizekanzler Andreas Babler: eine stärker sozial ausgerichtete Sanierungsförderung, die einkommensschwachen Haushalten eine vollständige Förderung thermischer Sanierungen ermöglichen soll, sowie eine gesetzliche Verankerung von Mietminderungen bei unzureichendem Hitzeschutz. Weiters sollen Eigentümerinnen und Eigentümer bei Neubau und Sanierung zu wirksamer, außenliegender Beschattung verpflichtet werden. Städte sollten zudem Betonflächen entsiegeln, mehr Bäume pflanzen und kostenlose, auch am Wochenende zugängliche Abkühlorte in dicht verbauten Wohnvierteln schaffen.

Greenpeace-Klimaexperte Marc Dengler (li.) und Volkshilfe-Direktor Erich Fenninger (re.) fordern rasche Schutzmaßnahmen gegen die Hitzegefahr in Wiener Wohnungen.

Die zunehmende Hitze macht deutlich, dass Klimaschutz und soziale Fragen eng miteinander verbunden sind. Die Wohnung ist ein maßgeblicher Faktor, wie gut jemand die Hitze überstehen kann und entscheidet somit über Gesundheit und Lebensqualität. (red, 31.7.2026)

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