Händlerverband kritisiert Twint: Hohe Gebühren belasten kleine Händler

Publiziert23. August 2026, 12:14Marktmacht-Missbrauch«Doppelt so viel Gebühren»: Kleine Händler gehen gegen Twint vorKleine Händler zahlen laut einem Gutachten doppelt so viel Gebühren wie grosse. Der Handelsve...

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Händlerverband kritisiert Twint: Hohe Gebühren belasten kleine Händler

Publiziert23. August 2026, 12:14

Marktmacht-Missbrauch«Doppelt so viel Gebühren»: Kleine Händler gehen gegen Twint vor

Kleine Händler zahlen laut einem Gutachten doppelt so viel Gebühren wie grosse. Der Handelsverband reichte bei der Weko ein Gutachten ein.

Fabian Pöschl

Darum gehts

  • Die Swiss Retail Federation wirft Twint vor, seine Marktmacht zu missbrauchen und überhöhte Gebühren zu verlangen.
  • Laut einem Gutachten zahlen kleine Händler 1,3 Prozent pro Twint-Transaktion – mehr als doppelt so viel wie grosse Konkurrenten mit 0,59 Prozent.
  • Der Verband hat Anzeige bei der Weko eingereicht; diese hat noch keine Untersuchung eröffnet.

Seit der Corona-Krise zahlen viele nur noch digital. Das freut Zahlungsdienstleister, die mitverdienen. Doch für Händler wird das zum Problem, manche verlangen bereits einen Twint-Zuschlag. Der Detailhändler-Verband Swiss Retail Federation reichte deshalb im vergangenen Jahr Anzeige bei der Wettbewerbskommission (Weko) ein. Dazu erstellte der Verband ein Gutachten, das «Schweiz heute» einsehen konnte.

Der Verband wirft Twint und dessen Eignerfirmen vor, ihre Marktmacht zu missbrauchen. In dem zitierten Gutachten heisst es, grosse Händler müssten für Twint-Zahlungen deutlich weniger Gebühren bezahlen als kleine, die direkt einen Vertrag mit Twint abgeschlossen haben und dafür einen QR-Code erhalten. Der kleine Händler zahle standardmässig 1,3 Prozent des Transaktionsbetrags. Die grösseren hätten einen Vertrag mit dem Zahlungsdienstleister (Acquirer), von dem sie ein Zahlungsterminal bekommen. Für Twint fielen dabei im Schnitt Gebühren von 0,59 Prozent an.

Diesen Firmen gehört Twint

Twint gehört den Banken BCV (Banque Cantonale Vaudoise), Postfinance, Raiffeisen, UBS und Zürcher Kantonalbank sowie dem Zahlungsabwickler (Acquirer) Worldline und dem Infrastrukturbetreiber Six.

Wer treibt die Gebühren hoch?

Besonders stört den Handelsverband, dass die Gebühren bei anderen Zahlungsmitteln deutlich niedriger seien. So müssten untersuchte Händler bei Debitkartenzahlungen im Schnitt 0,33 Prozent des Transaktionsbetrags bezahlen und bei Kreditkarten 0,68 Prozent.

Von der Twint-Gebühr erhalten drei Parteien einen Anteil: der Acquirer, Twint und die mit dem Dienst verknüpfte Bank. Welcher dieser drei Akteure der Kostentreiber ist, wissen die Händler nicht, vermuten aber, dass die Banken den Löwenanteil ausmachen. Sie können gemäss Geschäftsbedingungen bis zu 2 Prozent verlangen, bei Debitkarten von Mastercard und Visa liegen die Interchange-Gebühren hingegen bei durchschnittlich 0,12 bis 0,15 Prozent.

Wie stehst du zu den Gebühren, die Händler für Twint-Zahlungen zahlen müssen?

Es ist unfair, dass kleine Läden mehr bezahlen als grosse Ketten.

Ich finde, die Gebühren sind gerechtfertigt, da Twint sehr bequem ist.

Die Banken sollten ihre Gebühren transparenter machen.

Mir ist egal, wie viel der Händler zahlt, Hauptsache, ich kann digital bezahlen.

Ich zahle lieber bar, um die Händler nicht mit Gebühren zu belasten.

Der Händlerverband sieht die Verflechtung problematisch. Verbandsdirektor Patrick Erny fordert eine genaue Prüfung der Abgaben. Die Weko hat noch keine Untersuchung eröffnet.

Ein Sprecher von Twint hält den Gebührenvergleich von ausgesuchten Händlern für «komplett falsch und irreführend». Er sagt, Twint sei bei Direktverträgen einer der günstigsten Zahlungsanbieter. Die meisten Händler hätten Acquirer-Verträge, bei denen Twint die Preise nicht gestalte. Bei Worldline heisst es, ein direkter Gebührenvergleich sei angesichts der unterschiedlichen Kostenstrukturen, Leistungsversprechen und Servicelevels der Zahlungsmittel nicht geeignet.

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Fabian Pöschl

Fabian Pöschl (fpo) arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Er ist Verantwortlicher Wirtschaftsnews im Ressort Wirtschaft

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