Dittli tritt wieder an – funktioniert die Romandie politisch anders?

Dittli, Maudet et al. Dittli tritt wieder an – ein Westschweizer Phänomen? Valerie Dittli will in der Waadtländer Regierung bleiben. Ihr Alleingang erinnert ...

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Dittli tritt wieder an – funktioniert die Romandie politisch anders?

Dittli, Maudet et al. Dittli tritt wieder an – ein Westschweizer Phänomen?

Valerie Dittli will in der Waadtländer Regierung bleiben. Ihr Alleingang erinnert an ähnliche Fälle in der Romandie.

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Valérie Dittli will es noch einmal wissen: Die Waadtländer Mitte-Politikerin kandidiert im Februar erneut für den Staatsrat – und das ohne Rückendeckung ihrer Partei. Ihr Fall wirft ein Schlaglicht auf eine politische Kultur, die sich in der Romandie grundlegend von jener der Deutschschweiz unterscheidet.

Gegenüber SRF begründete Dittli ihren Entscheid so: «Ich bin in der Politik zu Hause. Ich würde mir eigentlich nichts mehr wünschen, als diese zwei Geschichten, die anfangs dieser Legislatur passiert sind, nun jetzt abzuarbeiten und endlich auch einmal von der richtigen Regierungsratsarbeit sprechen zu können.»

Ähnliche Fälle in der Romandie

Der Fall Dittli erinnert an zwei andere Kontroversen aus der Westschweiz. Der jurassische Staatsrat Martial Courtet wurde letztes Jahr aus der Kantonsregierung abgewählt, nachdem ein externer Untersuchungsbericht seinen Führungsstil scharf kritisiert hatte. Die Mitte stellte ihn daraufhin nicht mehr auf – er kandidierte trotzdem zur Wiederwahl und scheiterte.

Die drei Staatsräte Maudet, Dittli und  Courtet in Porträts nebeneinander.
Legende:

Pierre Maudet, Valérie Dittli, Martial Courtet: Drei Staatsräte, die in der Westschweiz unter Druck gekommen sind und dennoch zum Teil beim Wahlvolk Rückhalt bekommen haben.

Keystone / DI NOLFI, GILLIERON, DELLA VALLE

Noch bekannter ist der Fall des Genfer Staatsrats Pierre Maudet: Trotz einer Verurteilung wegen Vorteilsnahme und dem Ausschluss aus der FDP wurde er nach seinem erzwungenen Rücktritt für eine neue Partei erneut in die Genfer Regierung gewählt.

Politische Kultur – der Vergleich

Wieso häufen sich solche Kontroversen rund um Kantonsregierungen scheinbar häufiger in der Romandie als in der Deutschschweiz? Politologe Sean Müller von der Universität Bern sieht darin einen kulturellen Unterschied: «Wir sehen das auch in Umfragen: In der Westschweiz wird viel mehr auf Transparenz, aber auch auf Gleichheit und Gerechtigkeit beharrt.»

Das sind wirklich kulturelle Unterschiede zwischen der Deutschschweiz und der Westschweiz, die sich da zeigen.

In der Deutschschweiz sei man eher etwas für sich und man übernehme Eigenverantwortung. Dann ist man dennoch wieder konkordant und sucht einen Kompromiss. «Da zeigen sich wirklich kulturelle Unterschiede zwischen der Deutschschweiz und der Westschweiz», sagt Müller.

Hinzu kommt ein struktureller Unterschied: Ein Staatsrat in der Romandie ist nicht dasselbe wie ein Regierungsrat in der Deutschschweiz. Staatsrätinnen und Staatsräte verfügen über mehr Kompetenzen, und generell liegen mehr Aufgaben beim Kanton.

Müller illustriert das am Beispiel der Gemeindeautonomie: «Sie ist wirklich je östlicher, umso grösser. Es fängt an im Westen, im Kanton Genf, mit einer sehr kleinen Gemeindeautonomie. So werden etwa Baubewilligungen vom Kanton ausgestellt. Wenn man weiter im Osten einer Deutschschweizer Gemeinde das Baubewilligungsverfahren wegnehmen würde, gäbe das eine Revolution.» In der Deutschschweiz seien Schule, Planung und ähnliche Aufgaben viel stärker auf kommunaler Ebene verankert.

Grosses Missverständnis zwischen den Sprachregionen

Im Fall Dittli prallen laut Müller unterschiedliche Vorstellungen von Regierungsarbeit aufeinander – und bisher habe man keine gemeinsame Sprache gefunden. «Ich sehe vor allem ein grosses Missverständnis: Man probiert, mit der eigenen Erfahrung oder mit eigenen Erwartungshaltungen an etwas heranzugehen, was völlig anders funktioniert. Und man kann vielleicht auch gar nicht wissen, dass es völlig anders funktioniert – sei es vom Alter her oder von der Herkunft.» So komme es zu Konflikten. «Aber ich würde jetzt nicht jemandem die Schuld zuschieben – bei einem Missverständnis sind immer beide schuld.»

SRF-Korrespondentin: «Staatsratwahlen sind Kopfwahlen»

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SRF-Westschweiz-Korrespondentin Valérie Wacker:

«Eines darf man nicht vergessen: Regierungsratswahlen, oder eben Staatsratswahlen, sind Kopf- oder Personenwahlen. Es ist also nicht unmöglich, sich einen Regierungssitz im Alleingang zu holen, wenn man entsprechend bekannt und beliebt ist. Was aber niemand schafft: danach im Alleingang durchregieren.»

Schweiz aktuell, 17.8.2026, 19:00 Uhr ;  srf/gaji/wacv/horm;