„Die Maschinen kratzen nur noch obendrüber“

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„Die Maschinen kratzen nur noch obendrüber“

Stand: 02.08.2026, 16:42 Uhr

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Landwirt Axel Strauß aus Reinheim steht inmitten seines Maisfeldes und begutachtet Maiskolben, die schon Trockenschäden aufweisen

Beim Körnermais entdeckt Landwirt Axel Strauß aus Reinheim die ersten Trockenschäden. © Rolf Oeser

Ackererde ist hart und trocken / Landwirte leiden unter großen Ernteausfällen / Tierhalter müssen an ihre Wintervorräte gehen. Von Annette Schlegl

Axel Strauß ist geknickt. „So was habe ich um diese Jahreszeit noch nicht gesehen“, sagt er, während er eine Maispflanze in den Fingern hält. Die extreme Trockenheit gefährdet seine Ernte. Wo der Landwirt aus Reinheim (Landkreis Darmstadt-Dieburg) auch hinschaut: überall trockene Böden. Gerade wehte ein kräftiger Wind über die Äcker, „da sah es aus wie in der Sahara“. Soll heißen: Staubwolken und Windhosen über den Feldern durch aufgewirbelten Humus und Sand.

Die obersten Bodenschichten seien 30 Zentimeter tief ausgetrocknet, sagt Axel Strauß. „Weil der Boden so hart ist, kratzen die Maschinen nur noch obendrüber.“ Der Grubber oder die Scheibenegge könnten nur noch die ersten drei bis vier Zentimeter bearbeiten.

Körnermaiskolben mit braunen, dürren Haaren und ausgetrockneter Spitze auf dem Feld von Landwirt Axel Strauß in Reinheim

An der Spitze ist der Körnermais aktuell wegen der langanhaltenden Trockenheit und Hitze schon vertrocknet. © Rolf Oeser

Der Körnermais ist an der Spitze braun und verschrumpelt. „Wenn der hintere Teil des Kolbens noch Wasser bekäme, wäre der Mais gerettet“, sagt er. „Wenn der Regen ausbleibt, stirbt der Rest auch noch ab.“ Trockenschäden gibt es auch beim Silomais, der als ganze Pflanze an die Widerkäuer verfüttert wird. Er muss laut dem Vollerwerbslandwirt früher abgeerntet werden, normalerweise ist er erst im September dran. „In den Körnern steckt die Kraft für die Tiere, die Stängel sind nur die Rohfaser zum Sättigen. Da fehlen die Proteine.“

In den vergangenen vier Wochen habe es nicht geregnet, sagt Strauß, der stellvertretender Vorsitzender des Bauernverbands Starkenburg ist. Wenn dann andernorts wirklich ein paar Tropfen vom Himmel gekommen seien, habe der Regen nur den Bodenstaub gebunden, aber für die Pflanzen habe es nicht gereicht.

Landwirt Axel Strauß aus Reinheim hält eine gesunde und eine abgestorbene Zuckerrübe in seinen Händen

Abgestorbene Zuckerrüben am Rand des Feldes. © Rolf Oeser

Strauß rechnet bei seiner Ernte mit 20 bis 30 Prozent Einbußen. Damit kam er noch „mit einem blauen Auge davon“, wie er sich ausdrückt.

Im Landkreis Offenbach und im Landkreis Groß-Gerau – vor allem im Hessischen Ried – hilft nichts mehr. „Dort ist der Mais nur hüfthoch und schon gelb, die Körner sind noch gar nicht ausgebildet.“ Die Maispflanzen seien schon verbrannt. Die Betriebe würden in den kommenden zwei Wochen „abernten, was noch da ist“.

Bauern sollen sich gegenseitig aushelfen

Die sandigen Böden im Kreis Groß-Gerau und im Kreis Offenbach sind ursächlich dafür, dass dort die Ernte nahezu komplett ausfällt. Sie können Wasser nicht gut speichern, trocknen deshalb schneller aus. In Reinheim und Umgebung herrschen dagegen Löß-Lehm-Böden vor, die eine hohe Wasserspeicherkapazität haben.

Trotzdem sieht der 52-Jährige den kommenden heißen Tagen sorgenvoll entgegen. Die Zuckerrüben, die er anbaut, lassen ihre Blätter schlapp hängen, einige haben auch schon gelbe, vertrocknete Blätter. „Wenn wir in den nächsten zehn bis 14 Tagen Regen bekommen, kann die Ernte noch gerettet werden“, gibt er die Hoffnung nicht ganz auf.

Der Weizen hätte noch Wasser gebraucht, sagt Marie-Claire von Spee, Sprecherin des Hessischen Bauernverbands, – auch wenn die Weizenernte in Südhessen schon durch ist. „Die Pflanze konnte die Nährstoffe nicht mehr in das Korn stecken“, erklärt sie. Die Körner seien deutlich kleiner und nicht voll ausgebildet, das Getreide könne oft nur noch als Futterweizen verwendet werden, aber nicht mehr in der Mehlproduktion.

Auch die Halter von Rindern, Schafen und Pferden sind schlimm dran. Weil das Gras nicht mehr wächst, gibt es keinen dritten Schnitt. Deshalb müssen sie jetzt schon an ihre Wintervorräte gehen. „Das kann im Winter problematisch werden, weil die Tierhalter Gras zukaufen müssen, und die Preise dann für Heu & Co. ziemlich hochgehen“, so von Spee. Außerdem sei das Gras sehr vertrocknet, habe nicht mehr viele Nährstoffe. „Die Tiere können das nur noch knabbern.“

Landwirt Axel Strauß aus Reinheim lässt die staubige Ackererde durch seine Finger rieseln

Die Ackererde ist nach vier Wochen ohne Regen staubtrocken. © Rolf Oeser

Der Hessische Bauernverband hat deshalb einen Aufruf gestartet und eine Futterbörse eingerichtet. Ziel ist es, Tierhalter, die kurzfristig Futter oder zusätzliche Weideflächen benötigen, mit Betrieben zu vernetzen, die entsprechende Flächen oder Gras-Silage, Heu oder Silomais anbieten können. Die Landwirte sollen sich also aus Solidarität untereinander aushelfen.

„Sobald es wieder regnet, versuchen wir die Flächen bis zur nächsten Hauptkultur zu begrünen“, sagt Axel Strauß. Diese Zwischenfrüchte – Hülsenfrüchte, Rettich, die Senfpflanze oder das Ramtillkraut – werden angebaut, damit die Verdunstung nicht mehr so groß ist. Die Pflanzen verbessern die Bodenfruchtbarkeit und binden die Nährstoffe.

Die Landwirte beauftragen Zuchtunternehmen auch, Getreide-, Mais- und Zuckerrübensorten einzukreuzen, die trockentoleranter sind. „Aus südlichen Ländern, aber auch aus Australien und Südamerika“, erläutert der Reinheimer. Auch der komplette Fruchtwechsel passiert bereits: Einige Landwirte setzen auf Sojabohnen. Die seien bisher eigentlich in Brasilien oder Argentinien heimisch, so Strauß. „Das klappt in manchem Jahr, aber in anderen Jahren ist unser Klima dann doch zu rau.“