Die Kabelbinder-Frage: Wie auf dem Reload an kleinsten Festival-Details geschraubt wird

Rund zehn Jahre haben das Reload zu dem gemacht, was es 2026 ist: 2015 erwachte das Festival wie ein Phönix aus der Asche, heute greift ein Rädchen ins andere – die Änderungen passieren im Detail.

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Stand: 14.08.2026, 18:44 Uhr

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Menschen und Eindrücke vom Reload Festival 2026 am Donnerstag in Sulingen

Damit vor der Reload-Bühne alle Fans auf ihre Kosten kommen, muss auf und hinter der Bühne jeder Handgriff sitzen. © Patrick Klein

Rund zehn Jahre haben das Reload zu dem gemacht, was es 2026 ist: 2015 erwachte das Festival wie ein Phönix aus der Asche, heute greift ein Rädchen ins andere – Änderungen passieren im Detail.

Sulingen – Ehrenamt und Professionalisierung gehen beim Reload Hand in Hand, keines von beiden würde allein ausreichen, das mittlerweile auf rund 20.000 Besucher gewachsene Festival in Sulingen auf die Beine zu stellen. Die Nähe zu den Menschen in Sulingen ist das eine, das fundierte Fachwissen samt unverzichtbaren Kontakten von außerhalb das andere. Und quasi jeder ist aufgefordert, eigene Ideen einzubringen, um das Event stetig besser zu machen. Einer, der das so gut weiß wie kaum ein anderer, ist Maik Strübe. Der Gesellschafter ist einer von außerhalb – und nach mehr als zehn Jahren am Reload-Ruder immer noch beeindruckt, wie sehr das Metal-Festival von seiner Nähe zu Sulingen profitiert.

Backstage berichtet „der einzige, der hier bunte Klamotten trägt“, von all jenen Dingen, die den Besuchern auf den Campingplätzen und dem Infield verborgen bleiben – ohne die das Reload aber sang- und klanglos in sich zusammenfallen würde. Da sind zuvorderst die vielen Ehrenamtlichen in der Crew, die organisiert werden müssen. „Auf den Parkplätzen sind nur Ehrenamtler unterwegs“, erzählt Strübe. Selbst auf der Bühne sind bis heute viele Freiwillige im Einsatz. Da, wo es besonders gefährlich ist und höchste Professionalität gefragt ist, sind wiederum nur externe Crews im Einsatz.

Wochenlang wird beim Reload auf- und abgebaut – doch am Ende zählen wenige Minuten

Sechs Wochen wird aufgebaut, drei Wochen lang wieder abgebaut – und zwischendrin entscheiden mitunter wenige Minuten, ob ein vorher akribisch geplanter Ablauf ins Stottern gerät oder glattgeht. Wobei das Stottern vor den Bühnen meist gar nicht bemerkt wird. So mussten am Freitag rund 20 Nightliner und zehn 40-Tonner mit Equipment dirigiert, entladen und später wieder beladen werden. Allein Headliner Judas Priest hatten am Freitag zwei große und einen kleinen Laster mit Material an der Laderampe geparkt.

Die Headliner sind auch diejenigen, die mit ihrem Setup vorgeben, was für andere Bands beim Aufbau möglich ist. „Kleine Abweichungen bringen hier das ganze Karussell durcheinander“, erklärt Maik Strübe und nimmt seinen für die nahtlosen Abläufe verantwortlichen Stage-Manager dankbar in den Arm. Der habe zwar wegen des stetigen Stresses schon graue Haare, aber grundsätzlich alles im Griff, witzelt der Gesellschafter über den wichtigsten Mann für die Bühnen-Logistik.

Reload-Neustart im Jahr 2015 bringt neue Gesellschafter und professionellere Abläufe nach Sulingen

Auf die Bühne – eine der größten Festival-Bühnen Europas – ist Maik Strübe besonders stolz. „Schwierig ist es nur bei der Anlieferung der großen Teile und für die Rigger (in der Höhe tätige Techniker, Anm. d. Redaktion).“ Neben, unter und hinter dem für Festival-Besucher sichtbaren Bereich gibt es viel Platz zum Arbeiten. Zwei Bands können ihr Equipment hintereinander in Stellung bringen, bevor die eng getakteten Umbauphasen zwischen den einzelnen Auftritten beginnen. Das Rampen-System samt Lkw-Stellflächen erinnert ein wenig an Logistiklager großer Supermarkt-Ketten.

2013 fuhr das kurz zuvor nach Sulingen umgezogene Reload immense Verluste ein, 2014 musste es ausfallen. Der Fortbestand des Festivals stand auf der Kippe. Die Rettung kam in Form einiger neuer Gesichter. Acht Gesellschafter hat das Reload seit 2015. Maik Strübe ist einer von ihnen und meist im Hintergrund zu finden. Abläufe wurden im Zuge der Neuaufstellung professionalisiert, neue Kontakte erweiterten das bisherige Kernteam, ohne das gewohnte Reload-Feeling komplett zu verändern. Dieses Jahr ist unter anderem die Anreise deutlich verbessert worden, Drohnen ermöglichten eine optimale Zuteilung der Besucher.

Ohne die besondere Beziehung zu Sulingen und seinen Bewohnern ginge es nicht, erklärt Strübe. Ganz oben stehe beim Reload, dass die Leute sehen, dass schlecht laufende Dinge nicht einfach bestehen bleiben. „Wir bemerken diese Dinge. Und wir sind immer bemüht, diese Dinge zu verbessern.“ So ist eine der wichtigsten Fragen, die die Reload-Crew fürs Festival im nächsten Jahr klären muss, ein regelrechtes Luxusproblem: Für die unzähligen Banner, die derzeit aufwendig mit Kabelbindern an den Festivalzäunen befestigt werden, soll es bald eine neue Lösung geben. Dass Zeit vorhanden sei, sich mit solchen Details beschäftigen zu können, sei ein großes Glück, sagt der Gesellschafter mit einer gehörigen Portion Stolz in der Stimme.