Die Eintracht ist kreativ auf dem Markt

Eintracht Frankfurt holt den Verteidiger Otavio für 4,5 Millionen Euro. Onyedika kommt bald, Andrich gar nicht. Der Brasilianer steht symbolisch für eine veränderte Transferstrategie.

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Die Eintracht ist kreativ auf dem Markt

Stand: 28.07.2026, 18:27 Uhr

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28.07.2026, xjhx, Fussball 1.Bundesliga, Eintracht Frankfurt Trainingslager - in Grassau v.l. Trainer Adolf Adi Hütter (Eintracht Frankfurt)

Immerhin fit werden die Eintracht-Spieler sein: Cheftrainer Adi Hütter gibt die Schlagzahl vor. © Jan Huebner/Jan Hübner

Eintracht Frankfurt holt den Verteidiger Otavio für 4,5 Millionen Euro. Onyedika kommt bald, Andrich gar nicht. Der Brasilianer steht symbolisch für eine veränderte Transferstrategie.

Es ist bis jetzt nicht so, dass die Zugänge der Frankfurter Eintracht bleibenden Eindruck hinterlassen hätten. Ist auch schwierig, so viele Neue hat der Bundesligist aus dem Hessischen noch gar nicht an Land gezogen. Malik Pimpong, Stürmer, ist erst 18 Jahre jung und hat noch kein einziges Spiel in einer Männermannschaft absolviert. Dafür macht es das Dänen-Talent, für gut drei Millionen Euro vom FC Midtjylland gekommen, ganz gut, zeigt vielversprechende Ansätze. Der junge Bursche weiß, wo das Tor steht. Trotzdem benötigt die Eintracht im Sturm noch Verstärkungen, auch wenn Sportvorstand Markus Krösche sagt: „Wir sind da gut aufgestellt, haben junge Spieler, die sich zeigen können.“ Pimpong ist freilich keine Soforthilfe.

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Gestatten, Otavio. Hier mit Sportvorstand Markus Krösche (l.) bei der Vertragsunterzeichnung. © SGE

Das gilt gewissermaßen auch für Noel Aseko, den 20 Jahre alten Mittelfeldmann. Der für gut zwölf Millionen Euro aus seinem Vertrag bei Bayern München ausgelöste Juniorennationalspieler ist eigentlich fest eingeplant in der Zentrale der Eintracht, doch das Knie spielt da momentan nicht mit. Eine nicht näher definierte Problematik an dem Gelenk hält ihn vom Mannschaftstraining ab.

Aseko läuft und läuft

Auch am Dienstag drehte er mit den Kollegen Jean-Matteo Bahoya und Eric Dina Ebimbe seine Runden um den Sportplatz des ASV Grassau. Immerhin durfte er beim traditionellen Handkäs-Frühstück der Fans dabei sein (siehe „Hütter-Gaudi“). Ein für ihn persönlich wahrscheinlich eher zweifelhaftes Vergnügen.

Erstaunlich ist auf jeden Fall, dass sich der mit einigen Vorschusslorbeeren gekommene Berliner Junge so lange mit dieser Blessur herumschlägt. Auch in Hannover holten ihn die Folgen einer Meniskus-OP aus dem Jahr 2024 ein, das letzte Saisonspiel verpasste er. „Das Knie reagiert immer mal wieder“, befand 96-Trainer Christian Titz. Für die Roten machte Aseko dennoch 32 Ligaspiele. Dass er aber jetzt nach mehr als zweieinhalb Monaten Pause noch immer nicht ins Teamtraining integriert werden kann, überrascht.

Markus Krösche wiegelt ab: „Da mache ich mir keine Sorgen, das ist kein Problem. Die Ärzte haben kein Veto eingelegt.“ Es sei vielmehr so, dass man den Akteur „nicht zu schnell“ integrieren wolle, um das Knie nicht zu reizen. „Er wird behutsam aufgebaut, das ist eine ganz normale Vorsichtsmaßnahme.“

Hilfreich wäre es dennoch, wenn der Poker um einen weiteren Zugang, Raphael Onyedika vom FC Brügge, bald abgeschlossen wäre. Danach sieht es aus. „Es gibt noch keinen Durchbruch“, betont Markus Krösche. Doch der Deal hängt nur noch an Kleinigkeiten, soll in Kürze durchgehen, für rund zehn Millionen Euro. Für die Eintracht wäre das nicht nur ein gutes Geschäft, sondern ein ganz hervorragender Transfer. Robert Andrich ist dann von der Liste gestrichen.

Und die Frage wird nun sein, wie schnell der neueste Neue eine irgendwie geartete Rolle wird spielen können. Am Dienstag bestätigten die Frankfurter den Kauf der brasilianischen Abwehrkante Otavio Manoel Galdino Fernandes, kurz Otavio. Der 20-Jährige kommt für 4,5 Millionen Euro aus Portugal vom Erstligisten Estrela Amadora und unterschreibt bis 2031. Am Mittwoch wird die Nummer fünf im Basiscamp am Chiemsee erwartet. Vorher musste der Verteidiger wieder nach Portugal reisen, um in der brasilianischen Botschaft in Lissabon eine Arbeitserlaubnis für Deutschland zu erwirken. Bürokratie halt.

28.07.2026, xjhx, Fussball 1.Bundesliga, Eintracht Frankfurt Trainingslager - in Grassau v.l. Noel Aseko (Eintracht Frankfurt)

Bisher nur sehr selten am Ball: Noel Aseko. © Jan Huebner/Jan Hübner

Otavio bringt Gardemaß in die Frankfurter Abwehr, er misst 193 Zentimeter, gilt als resoluter Zweikämpfer, ist schnell auf den Beinen; in 22 Einsätzen half er mit, Estrela Amadora in der höchsten portugiesischen Spielklasse zu halten. „Er hat eine ausgeprägte Verteidigungsmentalität, die wir in unserem Kader gezielt stärken möchten“, sagt Sportdirektor Timmo Hardung. Interessant allemal: Es wird Wert auf eine andere Körperlichkeit in der Deckung gelegt. Nach der vergangenen Saison sicher keine schlechte Idee. Otavio selbst gibt sich demütig: „Es ist ein wahr gewordener Traum.“

Preise steigen weiter

Der Südamerikaner ist in Europa noch ein unbeschriebenes Blatt, aber fällt damit – genau wie Malik Pimpong – genau ins Frankfurter Beuteschema.

Die Eintracht ist darauf angewiesen, talentierte Fußballer noch früher zu entdecken und zu rekrutieren. Auch eine Folge des sich verändernden Transfermarktes und der Strategie des Klubs, die viele kopiert und verfeinert haben. Die Preise sind insgesamt gestiegen, daher müssen die Kreativität, Tiefe und Schnelligkeit bei der Spielersuche auf ein anderes Level gehoben werden.

Das birgt Risiken. Die Trefferquote kann sinken, die Fehlschüsse sich mehren. Der Weg ist für die Eintracht aber alternativlos, wenn sie ihren Kurs beibehalten will. Dass noch einiges passieren wird, ist klar. „Das Transferfenster ist noch fünfeinhalb Wochen offen, bis dahin kann alles komplett anders aussehen“, befindet Krösche.

Timmo Hardung preist den Linksfuß Otavio schon mal an, als „hoch veranlagten Innenverteidiger mit viel Entwicklungspotenzial“, der auch hinten links verteidigen kann. Bei Otavio wird es aber nicht enden. Trainer Adi Hütter drängt noch auf einen gestandenen Verteidiger. Zumal derzeit niemand weiß, was aus Arthur Theate wird. Der wird Anfang August in Frankfurt erwartet.