Die 15-jährige Schwimmerin Nida Omid und die Suche nach dem nächsten Level

Vom Amalienbad nach Paris: Die Wienerin gilt als großes österreichisches Schwimmtalent, bei der EM in Frankreich schwamm sie zu Staffelrekord. Wie weit kann, wie weit will sie gehen?

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Die 15-jährige Schwimmerin Nida Omid und die Suche nach dem nächsten Level

Schwimmen

Die 15-jährige Schwimmerin Nida Omid und die Suche nach dem nächsten Level

Vom Amalienbad nach Paris: Die Wienerin gilt als großes österreichisches Schwimmtalent, bei der EM in Frankreich schwamm sie zu Staffelrekord. Wie weit kann, wie weit will sie gehen?

Lukas Zahrer

Eine Schwimmerin mit Schwimmhaube und Schwimmbrille hält sich am Beckenrand eines Schwimmbads fest. Im Hintergrund sind rote Schwimmbahnenmarkierungen sichtbar.
Im Schnitt verbringt Nida Omid 22 Stunden pro Woche im Wasser. Dazu kommen zwei bis vier Einheiten in der Kraftkammer.

Bevor Nida Omid in der Stadthalle ins Trainingsbecken springt, stellt sie eine Musikbox auf den Startsockel. In den kurzen Pausen, wenn sie sich mal am Beckenrand festhält, hört sie gerne Musik – das hebt die Stimmung, vor allem bei einer besonders harten Einheit. Oft nimmt sie den Track, den sie am Rand kurz hört, auf die Schwimmbahn mit. Dann singt sie das Lied im Kopf weiter, während sie ihre Kraulzüge in den Pool setzt.

Omid, die etliche nationale Nachwuchs-Rekorde hält, gilt als großes Talent im österreichischen Schwimmsport. Mit 15 Jahren ist sie Österreichs jüngste Athletin bei der laufenden Europameisterschaft in Paris. Es ist der bis dato größte Wettkampf ihrer Karriere – und bereits am Montag sorgte sie für eine österreichische Bestmarke.

Als sie vier Jahre alt war, lernte Omid schwimmen. Die Eltern wollten sich im Urlaub keine Sorgen machen, wenn sie mit ihren drei Kindern Zeit am Strand verbringen. Ihre Eltern emigrierten vor 30 Jahren aus Afghanistan, zunächst kam der Vater nach Österreich, später zog die Mutter nach. Nida kam wie ihre zwei Geschwister in Österreich zur Welt. Die Eltern waren sportbegeistert, der Vater spielte leidenschaftlich Volleyball, bis sein Knie den Geist aufgab. Er war dahinter, dass seine Kinder ebenfalls eine Sportart für sich entdeckten.

Gefühl von Freiheit

Tochter Nida brachte er ins Amalienbad in eine Schwimmschule, die Sache nahm ihren Lauf. "Mir hat das Schwimmen immer richtig Spaß gemacht", sagt Omid bei einem Pressetermin vor der EM in Wien. Sie trat dem Arbeiter Schwimm Verein (ASV) Wien bei, mit sieben Jahren schwamm sie erste Wettkämpfe. Als sie zehn war, wechselte sie in die Leistungsgruppe von Trainerin Olga Kropotova in der Wiener Stadthalle. Seither betreibt Omid Leistungssport.

Eine junge Frau in einem rot-weißen T-Shirt hält eine Medaille in der Hand und lächelt in die Kamera. Sie steht an einer grünen Wand, im Hintergrund ist unscharfe Natur zu erkennen.
In Skopje gewann Nida Omid bei den Europäischen Olympischen Jugendspielen Bronze über 400 Meter Lagen.

"Das Gefühl beim Schwimmen ist einzigartig", sagt Omid dem STANDARD. "Ich fühle mich im Wasser einfach frei. Beim Schwimmen fokussiere ich mich nur auf mein Training, denke nicht an die Schule oder an andere Probleme aus dem Alltag. Beim Schwimmen bin ich in einer anderen Dimension."

In einer typischen Woche kommt Omid auf 22 Stunden im Wasser. Sie geht in ein Sportgymnasium, an zwei Tagen in der Woche beginnt der Unterricht erst um 11 Uhr, damit Zeit für das Frühtraining bleibt.

Im vergangenen Jahr holte sie bei den Europäischen Olympischen Jugendspielen in Skopje eine Bronzemedaille, es war ihr bis dato größter internationaler Erfolg. Bei der EM geht Omid über 200 Meter Kraul und Lagen an den Start. "Im Einzel will ich Leistung bringen", sagt Omid. "Das heißt: Ich will an meine Bestzeiten herankommen und schauen, dass die bestmögliche Platzierung herauskommt."

Rekordstaffel

OSV-Sportdirektor Jakub Maly bezeichnet Omid als "Sportlerin mit sehr viel Potenzial". Fleißig und ehrgeizig sei sie, aber: "Die Frage ist: Will man das Potenzial ausschöpfen? Sie kommt jetzt in das Schlüsselalter, wo sich abzeichnet, ob sie dahinter ist oder nicht." Maly findet es nicht ideal, dass Omid bei ihrem Verein trainiert und für das Training vergleichsweise weite Wege zwischen Schule und Schwimmbecken zurücklegen muss. Er würde sie lieber im Leistungszentrum in der Südstadt sehen. "Ab dem Oberstufenalter muss ein systematisches Training stattfinden, wo es harte Phasen gibt. Das geht nicht auf Knopfdruck." Er habe diesbezüglich "gewisse Bedenken", lasse sich aber "gern überraschen". Keine Zweifel hegt er daran, dass Omid eine harte Arbeiterin wäre.

Eine Schwimmerin mit Badekappe und Schwimmbrille im Wettkampf, umgeben von spritzendem Wasser in einem Schwimmbecken. Im Hintergrund sind gelbe und rote Begrenzungslinien im Wasser zu sehen.
Nida Omid in ihrem Element: "Ich fühle mich im Wasser einfach frei."

Ihr Weg könnte sie schon in zwei Jahren zu Sommerspielen führen. Sie ist als Puzzleteil für ein Olympia-Ticket eingeplant: Der OSV forciert die 4x200-Meter-Staffel, Maly sieht in Omid die wahrscheinlichste Option für internationale Erfolge. Gemeinsam mit Iris Julia Berger, Aviva Hollinsky und der Rückkehrerin Marlene Kahler schwamm Omid am Montag eine Zeit von 8:04,27 Minuten. Das reichte zwar nicht fürs EM-Finale, aber solch eine schnelle Staffel hatte Österreich noch nie.

Im kommenden Jahr findet die Weltmeisterschaft in Budapest statt, dort werden erste Quotenplätze für Los Angeles 2028 vergeben. "Ich hoffe, dass ich bei größeren Wettkämpfen wie Olympia teilnehmen kann", sagt Omid. "Das wäre mein Traum." (Lukas Zahrer, 10.8.2026)

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