Wer ist Joshua Kushner? Der Investor hinter Fifa Forward

Der stille Stratege: Wer ist Joshua Kushner?Man kennt seinen Bruder, man kennt seine Frau. Ihn kennt man spätestens jetzt, seit er als Geldgeber im bisher umstrittensten Fifa-Projekt der Geschichte aufgetaucht ...

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Wer ist Joshua Kushner? Der Investor hinter Fifa Forward

Der stille Stratege: Wer ist Joshua Kushner?

Man kennt seinen Bruder, man kennt seine Frau. Ihn kennt man spätestens jetzt, seit er als Geldgeber im bisher umstrittensten Fifa-Projekt der Geschichte aufgetaucht ist.

Salome Woerlen31.07.2026, 17.56 Uhr

4 Leseminuten


In der Wirtschaftswelt ist Joshua Kushner längst ein bekannter Name, in der Öffentlichkeit hingegen weniger.

In der Wirtschaftswelt ist Joshua Kushner längst ein bekannter Name, in der Öffentlichkeit hingegen weniger.

Kevin Dietsch / Getty

Üblicherweise meidet Joshua Kushner die öffentliche Aufmerksamkeit. Er gibt kaum Interviews und äussert sich weder zu seinem Privatleben noch zu seinen politischen Ansichten. Man kennt ihn daher vor allem als den Bruder von Trumps Schwiegersohn Jared Kushner. Oder als Mann des Supermodels Karlie Kloss. Jahrelang hat er still seine Erfolge erzielt. Umso mehr überrascht es, dass er jetzt als Investor am umstrittenen Fifa-Projekt von Präsident Gianni Infantino beteiligt ist.

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Wer ist Joshua Kushner?

Der Einzelgänger

Joshua Kushner wurde 1985 geboren und wuchs als jüngstes von vier Kindern in einer wohlhabenden Familie in Livingston, New Jersey, auf. Wie sein älterer Bruder Jared studierte Joshua an der Harvard University. Die beiden schienen dazu bestimmt zu sein, in die Kushner Companies einzusteigen – die vom Vater und Grossvater gegründete Immobilienfirma.

Der Bruder Jared Kushner tat genau das und legte einen steilen Aufstieg hin. Als der Vater 2005 unter anderem wegen Steuerhinterziehung, illegaler Wahlkampfspenden und Zeugenbeeinflussung verurteilt und inhaftiert wurde, übernahm der damals 27-jährige Jared Kushner die Leitung des Unternehmens. 2017 trat er zurück und wurde ein wichtiger Berater von Donald Trump, der damals soeben Präsident geworden war.

Jared und Josh Kushner an der Veranstaltung «Die 100 einflussreichsten Persönlichkeiten der New Yorker Immobilienbranche» des «New York Observer» im Jahr 2011.

Jared und Josh Kushner an der Veranstaltung «Die 100 einflussreichsten Persönlichkeiten der New Yorker Immobilienbranche» des «New York Observer» im Jahr 2011.

Patrick McMullan / Getty

Joshua Kushner schlug einen anderen Weg ein. Als sein Bruder das Familienunternehmen übernahm, tüftelte er bereits an eigenen Ideen. Noch während seiner Studentenzeit gründete er mehrere Firmen. 2009, im Alter von 24 Jahren, lancierte er dasjenige Unternehmen, das zu seinem grössten Erfolg werden sollte: Thrive Capital, eine Firma mit Fokus auf Investitionen in den Bereichen Software und Internet.

Schnell bewies Kushner ein gutes Gespür für Startups. 2012 investierte er als einer der Ersten in Instagram, später kamen Spotify, Stripe, Twitch und Slack hinzu.

Nebst seiner Tätigkeit als Investor gründete er 2012 mit zwei ehemaligen Harvard-Kollegen den Krankenversicherer Oscar Health. Zu dieser Zeit trieb der damalige Präsident Barack Obama seine Gesundheitsreform, bekannt als Obamacare, voran. Die Reform schuf neue Versicherungsbörsen für alle, die keine Police über den Arbeitgeber hatten. Diese Kundschaft wollte Kushner mit einer einfachen, App-basierten Alternative gewinnen. Das Geschäft gestaltete sich allerdings als schwierig und wurde noch komplizierter, als Donald Trump 2016 zum US-Präsidenten gewählt wurde.

Der Liberale

Er sei von Trumps Sieg überrascht gewesen, sagte Kushner 2017 zum Magazin «Forbes». Der neue Präsident stellte ihn sowohl wirtschaftlich als auch privat vor neue Herausforderungen. Joshua Kushner ist Demokrat, war ein Unterstützer des vorherigen Präsidenten Barack Obama und hat öffentlich erklärt, nicht für Donald Trump gestimmt zu haben. Sein Bruder Jared Kushner ist mit Trumps Tochter Ivanka Trump verheiratet und pflegt einen engen Austausch mit dem Präsidenten. Heute bereist er als US-Sondergesandter in Trumps Entourage die ganze Welt, um in geopolitischen Krisen zu verhandeln.

Joshua Kushner und seine Frau Karlie Kloss. Die beiden sind seit 2018 verheiratet und haben drei gemeinsame Kinder.

Joshua Kushner und seine Frau Karlie Kloss. Die beiden sind seit 2018 verheiratet und haben drei gemeinsame Kinder.

Getty

Über die Familie äussert sich Joshua Kushner kaum. Zu «Forbes» sagte er 2017 lediglich, er und sein Bruder würden noch immer täglich miteinander sprechen.

Der Konzentrierte

Grössere Bekanntheit erlangte Kushners Unternehmen durch sein Investment bei Open AI, dem Unternehmen hinter dem KI-Modell Chat-GPT. Der Open-AI-Chef Sam Altman und Kushner kannten sich bereits seit 2011. Als sie sich 2022 wieder trafen, erklärte ihm Altman, dass Open AI kein sicherer Erfolg sei. Kushner aber war überzeugt vom Produkt und investierte mit seiner Firma noch im selben Jahr 130 Millionen Dollar. In den Jahren danach stockte er bei jeder weiteren Finanzierungsrunde auf, selbst als Altman 2023 kurzzeitig als Chef entlassen wurde. Bis Anfang 2026 war die Bewertung von Open AI auf 285 Milliarden Dollar gestiegen, Ende März wurde das Unternehmen in einer Investitionsrunde sogar mit 852 Milliarden Dollar bewertet.

Kushners Anlagephilosophie zahlte sich einmal mehr aus: frühe und grosse Investitionen in wenige ausgewählte Firmen, statt das Kapital breit zu streuen.

Der Investor der Stunde

Mit Gianni Infantinos neuestem Vorhaben begibt sich Joshua Kushner auf unbekanntes Territorium. Statt auf Software, setzt er nun auf Sport.

Laut Bloomberg sollen sich Infantino und Kushner bereits letztes Jahr getroffen haben, um auszuloten, wie die Fifa mehr Geld herausholen könnte. Der angekündigte Plan klingt gewaltig: Infantino will eine neue Gesellschaft namens Fifa Forward Enterprise gründen, kurz FFE. Sie soll künftig die kommerziellen Rechte der Fifa bündeln und gleichzeitig die Turniere selbst organisieren. 20 Milliarden Dollar soll das neue Konstrukt wert sein. Kushner will sich über seine neu gegründete Holdinggesellschaft Thrive Eternal daran beteiligen. Mit Thrive Eternal sucht Kushner gezielt nach Firmen, die sich nicht durch Technologie ersetzen lassen. Bereits im April dieses Jahres stieg das Unternehmen in den Profisport ein. Mit einer Minderheitsbeteiligung beim Baseball-Team San Francisco Giants tätigte es seine allererste Investition.

Ob sich sein Investment im Fifa-Vorhaben auszahlt, müssen nun 211 Verbände entscheiden. Der europäische Verband Uefa hat bereits einen Boykott künftiger Fifa-Turniere angekündigt. Weder Kushners Unternehmen Thrive Eternal noch Kushner selbst haben sich bisher zum Fifa-Plan geäussert. Öffentlichkeit war für Kushner bisher immer eine Sache der anderen, seiner Frau Karlie Kloss, seines Bruders Jared. Jetzt steht er zum ersten Mal selbst im Fokus.

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