«Trapped in Hope»: Palästinensische Einmannshow am Zürcher Theaterspektakel
Der Nahostkonflikt aus der Sicht eines palästinensischen Flüchtlings: Wir sind Helden, sie sind TäterAm Zürcher Theaterspektakel erweist sich «Trapped in Hope» als ein Stück Propaganda. Die politische Realität ...
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Der Nahostkonflikt aus der Sicht eines palästinensischen Flüchtlings: Wir sind Helden, sie sind Täter
Am Zürcher Theaterspektakel erweist sich «Trapped in Hope» als ein Stück Propaganda. Die politische Realität geht unter in der Banalität von Gut und Böse.
23.08.2026, 17.48 Uhr
3 Leseminuten

Nabil_Al-Raee macht das Publikum zum Chor seiner Mission.
Gibt es gute Propaganda? Effektive Propaganda wird gute Propaganda sein. «Aber gibt es auch gutes propagandistisches Theater?», fragt man sich nach «Trapped in Hope», einer politischen Einmannshow des palästinensischen Schauspielers Nabil Al-Raee am Zürcher Theater-Spektakel. Wohl kaum!
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Propaganda raubt der Kunst jenen Raum, in dem sich der Sinn eines Werks im Austausch zwischen Künstler und Publikum erst entfaltet. Statt es zu eigenen Empfindungen und Urteilen anzustiften, soll das Publikum vereinnahmt werden hinsichtlich einer Ideologie. Die Kunst bleibt als Vorwand auf der Strecke.
Die Stereotypen
In «Trapped In Hope» kommt die Propaganda anfangs auf leisen Sohlen daher. Auf die Rückwand der Halle Süd werden Fragen projiziert: «Stellt euch einen Araber vor, einen Palästinenser! Habt ihr jetzt einen Mann mit Kamel gesehen?» So sollen westliche Stereotypen bewusst gemacht werden, noch bevor Nabil Al-Raee selbst auf der Bühne erscheint. Ein Mannsbild im Anzug, Mitte vierzig, mit buschigem, schwarzem Schnauz.
Nabil Al-Raee, der das Freedom Theatre im Flüchtlingslager Jenin geführt hat und heute im Flüchtlingslager Al-Aroub im Westjordanland lebt, stellt sich auf der Bühne als Flüchtling vor. Zunächst beginnt er mit einem Scherz: Wie Zöllner oder Polizisten sollen ihn Leute aus dem Publikum durchsuchen – sie finden ein Feuerzeug, ein paar Münzen, Zigaretten und Notizpapier. Nichts Riskantes also, der Mann scheint safe.
Und nun beginnt er plötzlich mit seinen Ausführungen. Wie ein Lehrer führt er auf der Bühne durch die Geschichte Israels und Palästinas. Für ihn handelt es sich nicht um eine tragische historische Verstrickung, sondern um einen additiven Prozess, in dem sich die Israeli ständig mehr Schuld auflasten und die Palästinenser dabei zu Opfern und Helden machen.
Es werden einige Daten genannt: erster Zionistenkongress in Basel 1897, die Gründung Israels 1948 und die Nakba der Palästinenser und 1993 das Abkommen von Oslo, an dem sich Israel und die PLO gegenseitig anerkennen. Weiter geht die Geschichtsstunde nicht, so dass weder die Hamas noch das Massaker an israelischen Zivilisten am 7. Oktober 2023 zum Thema wird. Das würde das propagandistische Dispositiv erheblich stören. Es gibt gemäss Nabil Al-Raee auch keine Konflikte unter den Palästinensern – sondern nur «ein Volk, das gegen seine Unterdrücker kämpft» – mithin gegen «Genozid» und «Apartheid».
Sooft Nabil Al-Raee von Israeli spricht, handelt es sich um schikanöse Soldaten. In ihrem Umfeld hat er sich selbst bald als Opfer, bald als Held gefühlt. In einer vierzigtägigen Haft habe er die israelischen Verhöre durch Schweigen und einen Hungerstreik pariert. Fast schon anrührend sind seine Erinnerungen aus der Kindheit. Als Sechsjähriger habe er, dem Vorbild eines amerikanischen Kino-Rebellen folgend, den Oberkörper entblösst und sich mit einem Holzschwert bewehrt. Damit wollte er eigentlich einem Mädchen imponieren, stattdessen fiel er israelischen Soldaten auf, die ihn prompt schlugen und entwaffneten.
Dienstfertiges Publikum
Bezeichnend für Nabil Al-Raees zwischen Vortrag, Rollenspiel und Gesangseinlagen ausfasernden Auftritt ist, dass der aufdringliche Conférencier das Publikum nicht nur für seine Sache gewinnen will, er instrumentalisiert es auch. Die sogenannte vierte Wand ist weg. Besucherinnen und Besucher werden eingespannt, um Texte zu lesen, rebellische Parolen zu intonieren oder seine persönlichen Erinnerungen, die er auf Englisch erzählt, ins Deutsche zu übersetzen.
Das Publikum wird förmlich zum Multiplikator seiner Mission. Das scheint es nicht zu stören, dienstfertig macht es mit. «Did you like me?», fragt Nabil Al-Raee schliesslich. – Geht so.
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