Der Mann, der auf der Hubschrauber-Kufe steht
Roman Witte legt Wert darauf, dass ein solcher Einsatz nur im Team funktioniert. „Wir haben eine Pilotin, eine Technikerin und mich als Operator an Bord. Dazu gehören aber auch die beiden Leute, die unseren Lan...
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Roman Witte legt Wert darauf, dass ein solcher Einsatz nur im Team funktioniert. „Wir haben eine Pilotin, eine Technikerin und mich als Operator an Bord. Dazu gehören aber auch die beiden Leute, die unseren Landplatz absichern, und die beiden Kollegen, die für die Betankung zuständig sind. Das alles muss für einen Einsatz gewährleistet sein“, berichtet der Dresdner. Er ist Teil des Großaufgebotes gewesen, das in dieser Woche im Vogtland, südlich der Stadt Plauen, einen sieben Hektar umfassenden Waldbrand löschen musste.
Der touristisch beliebte Wald namens Schwarzes Holz, durchzogen von diversen Wanderwegen, stand in Flammen. Mit bis zu 180 Einsatzkräften aus Berufsfeuerwehr, freiwilligen Feuerwehren aus dem Vogtland, THW-Kameraden aus Sachsen, Thüringen und Bayern sowie Rettungsdienst und Polizei ging man ans Werk. Wichtige Unterstützung aus der Luft boten Roman Witte und die Crews der beiden eingesetzten Löschhubschrauber, die der sächsischen Bereitschaftspolizei zugeordnet und üblicherweise am Flughafen in Dresden stationiert sind.
Kontrolle, Elektronikprüfung, Kontakt zur Feuerwehr halten, Organisation von der Verpflegung bis zur Toilette. Diese Aufgaben, die man eher nicht auf den ersten Blick sieht, muss das Team erledigen. „Dieser Einsatz ist für uns gleichzeitig auch nach wie vor eine Art ‚Übung im Ernstfall‘. Die Hubschrauber sind noch recht neue Geräte, wurden im Zuge des verheerenden Waldbrandes vor wenigen Jahren in der Sächsischen Schweiz angeschafft“, berichtet Witte.
Am Hubschrauber wirken durch das angehängte Wasser enorme Kräfte
Jeder Flug sei aktuell auch immer noch ein Trainingsflug. Es ist durchaus ambitioniert, den richtigen Ort anzufliegen, um das „Bambi“ auszulösen und die Wassermassen in die Brandzentren zu kippen. „Fast 850 Kilo in fast dreißig Metern unter dem Hubschrauber, das schwingt ganz schön und macht auch das Fliegen für meine Kollegin echt schwer. Die deutlich höhere Last als gewohnt, lässt die übliche Kraft des Hubschraubers schwinden, die ganze Flugruhe geht flöten. Man muss viel stärker Wind und Fluggeschwindigkeit einberechnen, um die Last am richtigen Ort auszulösen“, erzählt der Operator.
In diesem Wassersack - genannt „Bambi“ - kommt das erlösende Nass von oben angeflogen.
© Ingo Eckardt
Der steht während des Fluges übrigens außen am rund 17 Millionen Euro teuren Hubschrauber auf der Kufe, so wie einst Stuntman Colt Sievers bei einer seiner Missionen. „Das ist nicht ohne, wenn man bei 90 km/h voll im Flugwind steht, wobei das bei der momentanen Hitze auch durchaus Vorteile hat“, lacht der bärtige Polizist und deutet auf seine Jacke, die er auch bei dreißig oder mehr Grad da oben auf der Hubschrauberkufe braucht.
Das Löschen aus der Luft verlangt nicht nur ein wenig Erfahrung. „Wenn man auslöst, dann geht da unten die Klappe auf und alles platscht runter. Man kann aber auch absprechen, dass man während des Pendelns des ‚Bambi‘ so ein wenig in S-Form ein größeres Gebiet mit Wasser benetzt, beispielsweise um das Übergreifen von Flammen auf ein benachbartes Gebiet zu erschweren“, erzählt Witte, während seine beiden Kolleginnen mal eine kurze Pause machen und etwas essen. Sie müssen mal kurz abschalten. Der Einsatz schlaucht die Pilotin wie auch die Technikerin, die beide höchstkonzentriert bleiben müssen – und zwar nicht nur beim Anfliegen der Waldbrand-Stelle, sondern auch bei der Aufnahme des Wassers.
Neue Löschhubschrauber erstmals im echten Einsatz
Das holt man aus der nahen Talsperre Pirk. Der Wassersack wird im richtigen Moment zu Wasser gelassen und muss rechtzeitig wieder elektronisch verschlossen werden, bevor der Hubschrauber das „Bambi“ wieder aus dem Wasser zieht. Zwischen 500 und 860 Litern pro Flug werden so aus der Talsperre geholt, wo die Taucherstaffel der Zeulenrodaer Stützpunktfeuerwehr die Absicherung der Wasserentnahme übernimmt. Denn wenn das Fluggerät knapp über der Wasserfläche entlangsaust, sollte möglichst kein Segler oder Stand-up-Paddler den Weg kreuzen.
Die Taucherstaffel der Zeulenrodaer Feuerwehr sicherte die Wasserentnahme durch die neuen Löschhubschrauber an der Talsperre Pirk ab.
© IMAGO/EHL Media
Die unterschiedlichen Mengen, die aufgenommen werden können, berechnen sich nach dem Füllstand des Tanks. Ist die Maschine frisch aufgetankt, kann weniger Wasser transportiert werden. Je weniger Sprit im Tank ist, umso mehr Wasser kann mitgenommen werden, um das maximale Fluggewicht nicht zu überschreiten. Dabei wiegt auch das mit Stahlseilen gesicherte, orangefarbene „Bambi“ etwa 60–70 Kilogramm, was gefüllt und bei 15–20 Metern Seillänge die vier Tonnen Gesamtgewicht der Maschine ganz schön zum Wackeln bringen kann.
Angst, runterzufallen, hat Roman Witte nicht: „Ich bin doch auch gesichert, selbst für den Fall, dass ich mal abrutschen sollte“, lacht er. Die beiden großen Maschinen seien erst seit Juli da. Plauen sei der erste echte Einsatz. Klar habe man geübt in der Gorchheide bei Riesa, aber die Strukturen für das Löschen aus der Luft entwickeln sich in Sachsen gerade. „Es ist aber eine richtig tolle Aufgabe. Man kommt besser und schneller an schwierige Stellen“, so Witte, und er erntet dabei ein zustimmendes Nicken von Rene Schreiter, dem Fachbereichsleiter für Ordnung und Sicherheit bei der Stadt Plauen.
Der „Gamechanger“ beim Plauener Waldbrand-Einsatz
„Dass uns die Hubschrauber mit Wasser aus der Pirk durch die Luft unterstützt haben, war der Gamechanger bei der Brandbekämpfung hier. Durch die Wurfhöhe geht das Wasser tiefer in den Boden, an Stellen, wo der Boden brütend heiß ist, hilft uns das enorm“, meint Schreiter. Der Einsatz der Hubschrauber wird nach Bedarf auch angepasst. So wurden zum Ende des Einsatzes hin vor allem Nebenflächen gewässert, damit das Brandgebiet sich nicht mehr erweitern konnte.
Schwerzugängliches Terrain: Im Flug werden die Wassermassen auf das steile Waldgebiet gekippt.
© Bodo Schackow/dpa
Und dann ist die Pause auch schon vorbei. Seine zwei Kolleginnen schlendern von der Einsatzleitung zurück zum Hubschrauber oben auf dem Feld. Die beiden Sicherungskollegen ziehen ihre Jacken an, die Besatzung setzt die zur Kommunikation unerlässlichen Helme auf und langsam laufen die Rotorblätter an. Der kleine Stabilisierungsrotor am Heck dreht schnell auf voller Kraft. Alle Systeme werden gecheckt, einer der Kollegen aus der Bodencrew schiebt das „Bambi“ zurecht.
Der Rotor dreht schneller, Roman Witte klickt den Karabiner in der Halterung ein und setzt sich auf die obere Schiene der Hubschrauber-Kufe. Und dann hebt er ab und völlig losgelöst von der Erde schwebt bald auch das Wasser-„Bambi“ hoch droben – auf dem Weg zur Talsperre. Keine fünf Minuten später rauscht schon die erste Ladung Wasser in das „Schwarze Holz“, das auch dank der Hubschrauber gelöscht werden konnte.
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