Zweifacher Etappensieger Merlier: Der Boss im Sprint hat noch einen Traum

Der Belgier Tim Merlier verausgabt sich völlig für seinen zweiten Etappensieg bei der Tour de France in diesem Jahr. Beim Erfolg in Bergerac zeigt er, dass er derzeit mit Abstand der beste Sprinter im Feld ist.

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Zweifacher Etappensieger Merlier: Der Boss im Sprint hat noch einen Traum
Tim Merlier nach seinem Sieg in Bergerac

Tourreporter

Zweifacher Etappensieger Merlier Der Boss im Sprint hat noch einen Traum

Stand: 11.07.2026 • 21:49 Uhr

Der Belgier Tim Merlier verausgabt sich völlig für seinen zweiten Etappensieg bei der Tour de France in diesem Jahr. Beim Erfolg in Bergerac zeigt er, dass er derzeit mit Abstand der beste Sprinter im Feld ist.

Michael Ostermann

Tim Merlier wollte nur raus aus der Sonne. Gerade war er bei 39 Grad als Erster ins Ziel der 8. Etappe der Tour de France gesprintet, da bog er knapp 400 Meter hinter der Ziellinie ab. Die Schiebetür öffnete sich und Merlier rollte mit seinem Rad in das klimatisierte Veranstaltungszentrum von Bergerac.

Der Belgier drückte jemandem sein Arbeitsgerät in die Hand, bekam ein kaltes Wasser gereicht und legte sich auf eine Treppe. Dort verharrte er einige Minuten, bevor er sich stöhnend erhob, um zur Siegerehrung zu rollen. Die Bedingungen hatten ihm sichtlich zu schaffen gemacht. "Ehrlich gesagt weiß ich nicht, wo ich die Energie hergenommen habe, den Sprint von so weit vor dem Ziel durchzuziehen", sagte Merlier später.

Einmal Dritter, zwei Mal Etappensieger

In der letzten Kurve 500 Meter vor dem Ziel sei er eingebaut gewesen und fast zu Fall gekommen. "Da habe ich gedacht, es ist vorbei." Aber dann fand er doch noch einen Weg, mit einem mächtigen Sprint an allen anderen vorbeizurauschen. Ob er nach seinem zweiten Etappensieg in Folge nun der Boss in den Sprints der Tour sei, wurde Merlier anschließend gefragt? "So hat es sich nicht angefühlt. Ich musste die ganze Zeit um meine Position kämpfen", meinte Merlier.

Die Frage war dennoch nicht unberechtigt. Denn in jedem Jahr findet die Tour sehr schnell ihren besten Sprinter. Und nach drei Massenankünften ist die Frage für die 113. Ausgabe erstmal geklärt. Nach seinem verunglückten Sprint auf der 5. Etappe in Pau, wo sein Sprintzug durch einen Sturz aufgehalten wurde und den er dennoch als Dritter beendete, ist ihm in Bordeaux und nun in Bergerac je ein Sieg gelungen.

Auf der Höhe seiner Schaffenskraft

33 Jahre alt ist der Belgier inzwischen. Es ist dennoch erst seine dritte Tourteilnahme in diesem Jahr. Lange bevorzugte sein Teams andere Sprinter, doch inzwischen hat Merlier schon fünf Touretappensiege eingefahren. Er scheint auf der Höhe seiner Schaffenskraft als Sprinter. Auch wenn er das nicht an seinem Sieg in Bergerac festmachen wollte. "Von den Bedingungen her, war das nicht mein bester Sprint", sagte Merlier. "Aber das lag vielleicht an der Hitze."

Dabei muss Merlier in Frankreich auf seinen Sprintanfahrer und Freund aus Kindheitstagen, Bert Van Lerberghe, verzichten. Die beiden vertrauen sich blind, doch Van Lerberghe stürzte auf der 6. Etappe und musste das Rennen beenden. Die Rolle des Anfahrers für Merlier hat nun der erfahrene Jasper Stuyven übernommen. "Es war erst das dritte Leadout von Jasper. Und heute hat es sich angefühlt, als würde ich Playstation spielen", sagte Merlier.

Das Grüne Trikot bleibt ein Traum

Sprinter geraten bei der Tour gerne in einen Flow, wenn ihnen ein Etappensieg gelingt. Das ging Jasper Philipsen so im Jahr 2023, als der Belgier seinem ersten Tageserfolg drei weitere folgen ließ und das Grüne Trikot mit nach Hause nahm. Philipsen ist in diesem Jahr nicht in Form. In Bergerac brachte er trotz eines nahezu perfekten Leadouts von Mathieu van der Poel seinen Sprint nicht auf Höchstempo. "Ich habe die Beine nicht", hatte Philipsen schon nach den Sprints in Pau und Bordeaux geklagt. "Das ist etwas, was wir uns angucken müssen."

Auch Biniam Girmay aus Eritrea, in Bergerac Zweiter, hat schon eine Tour erlebt, bei der alles zusammenpasste. 2024 holte er sich drei Etappensiege und gewann als erster Afrikaner das Grüne Trikot.

Für Merlier scheint das Trikot des Punktbesten inzwischen jetzt ebenfalls in Reichweite zu sein. Zumal es für den Sieg auf einer Flachetappe in diesem Jahr 70 Punkte einbringt. Bis auf 15 Zähler ist Merlier mit seinen beiden Sprintsiegen inzwischen an Mads Pedersen herangerückt, der zurzeit noch im Besitz des Maillot Vert ist.

"Es ist wäre ein Traum, das Grüne Trikot zu tragen, und sei es nur für einen Tag", erklärte Merlier in Bergerac. "Aber um es zu gewinnen, müsste ich besser über die Berge kommen. Vielleicht muss ich dafür meine Vorbereitung ändern." Oder einfach die beiden noch verbleibenden Sprintetappen in der zweiten Woche der Tour gewinnen. Als bester Sprinter der Tour in diesem Jahr könnte ihm das gelingen.