Dax: Defensive Positionierung von Anlegern sichert Aktienmarkt ab
Die starken Verluste haben auch die Anlegerstimmung einbrechen lassen, zeigt die Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment. Die langfristige Ausgangslage hat sich aber deutlich verbessert.Für das Sentiment befragt das...
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Die starken Verluste haben auch die Anlegerstimmung einbrechen lassen, zeigt die Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment. Die langfristige Ausgangslage hat sich aber deutlich verbessert.
Für das Sentiment befragt das Handelsblatt jeden Freitagmorgen bis Samstagabend mehr als 10.000 Privatanlegerinnen und -anleger nach ihrer aktuellen Markteinschätzung. Die Antworten wertet Stephan Heibel, Geschäftsführer des Analysehauses AnimusX, aus und ergänzt sie um weitere Indikatoren.
Die aktuelle Auswertung zeigt, dass die Anlegerstimmung (Sentiment) auf 0,5 Punkte gesunken ist. In der Vorwoche lag sie noch bei 3,8 Punkten, nahe der Marke von vier Punkten, ab der in dem System die „Euphorie“ beginnt. Das ist der schärfste Umschwung seit Anfang März dieses Jahres.
„Die jüngsten Entwicklungen bei VW und im Iran scheinen diese Jubellaune tatsächlich im Keim erstickt zu haben“, sagt Heibel. Der Autobauer VW muss sparen, im Zuge dessen können mehr als 100.000 Stellen wegfallen und Standorte geschlossen werden. Gleichzeitig eskaliert der Irankrieg erneut, die Ölpreise steigen.
Für viele Anlegerinnen und Anleger kommt diese Entwicklung offensichtlich überraschend. 44 Prozent der Befragten geben an, dass sich ihre Erwartungen in der vergangenen Handelswoche gar nicht oder kaum erfüllt haben.
Zukunftserwartung der Anleger steigt
Dadurch macht sich Verunsicherung breit (minus 1,6 Punkte). Diese ist umso höher, je weniger die Erwartungen erfüllt werden. In der Vorwoche waren noch deutlich mehr Erwartungen erfüllt worden, sodass damals noch Selbstzufriedenheit (plus 1,0 Punkte) gemessen worden war.
Dafür steigt die Zukunftserwartung von minus 0,3 auf plus 1,6 Punkte. Diese wird gemessen, indem die Umfrageteilnehmer angeben, welche Marktphase sie in drei Monaten erwarten.
Dass sich diese Erwartungen entgegengesetzt zur Kursrichtung in der Vorwoche entwickeln, ist nicht ungewöhnlich. Sind die Erwartungen negativ und erfüllen sich durch fallende Kurse, hat sich ein Teil des negativen Kurspotenzials bereits materialisiert. Entsprechend positiver blicken Anleger anschließend in die Zukunft.
Auch die Investitionsbereitschaft ist mit einem Wert von 1,5 Punkten weiterhin deutlich positiv. In der Woche lag sie bei 1,9 Punkten.
Auffällig ist bei der Zukunftserwartung allerdings der hohe Anteil von neutral positionierten Anlegern. 39 Prozent rechnen in drei Monaten mit einer Seitwärtsbewegung. In den USA zeigte die wichtigste Anlegerumfrage AAII zuletzt einen neutral eingestellten Anteil von 27 Prozent.
„Das ist jeweils sehr hoch und das bedeutet im Umkehrschluss, dass sich nur wenige Anleger derzeit festlegen, ob sie steigende oder fallende Kurse erwarten“, sagt Heibel.
Anleger sind defensiv positioniert
Die vielen neutral eingestellten Anleger sind wiederum in Verbindung zu sehen mit einer wachsenden Cash-Quote, erklärt der Sentiment-Experte. Diese erhebt er in einer separaten Umfrage unter den Kunden von AnimusX. Demzufolge halten Anleger derzeit so viel Cash wie im Schnitt nur einmal pro Jahr. „Daraus können wir ableiten, dass Anleger in der abgelaufenen Woche viele Positionen verkauft haben“, sagt Heibel.
Parallel dazu ist auch das Put/Call-Verhältnis angestiegen. Anleger haben also mehr Put-Optionen gekauft, mit denen sie ihre Positionen absichern, als Call-Optionen, mit denen sie auf steigende Kurse wetten können. „Anleger sind also überaus defensiv positioniert“, fasst Heibel zusammen.
Der AnimusX-Geschäftsführer hält das für eine konstruktive Ausgangssituation. Kurzfristig könnte die weitere Entwicklung des Irankriegs die Aktienmärkte zwar weiter belasten, allerdings würden die hohen Cashbestände bei fallenden Kursen für Aktienkäufe eingesetzt.
„Das bildet ein Sicherheitsnetz an den Börsen“, sagt Heibel. „Zusätzlich werden Put-Positionen in fallende Kurse hinein aufgelöst, um den erzielten Gewinn einzustecken. Auch das wirkt wie ein Sicherheitsnetz.“
Langfristig rechnet Heibel mit neuen Höchstständen an der Börse. Denn aktuell besäßen Anleger hohe Cashreserven, die sie bei nächster Gelegenheit für Käufe einsetzen wollen, wie die Investitionsbereitschaft zeigt. Heibel schlussfolgert daher: „Sollte die Belastung des Irankriegs einmal aufgehoben werden, dann sind viele Anleger unterinvestiert und dürften den Dax auf neue Allzeithochs treiben.“
Stimmung für den Bitcoin ist so schlecht wie selten
Dass die Herleitung plausibel ist, zeigt der Blick in die Vergangenheit. War die Cash-Quote ähnlich hoch wie aktuell, stieg der Dax im Schnitt in den folgenden sechs Monaten um knapp acht Prozent.
Noch deutlich schlechter als am Aktienmarkt ist die Stimmung für den Bitcoin, die älteste und wichtigste Kryptowährung. „Bitcoin-Anleger sind niedergeschlagen wie selten zuvor“, sagt Heibel.
Auf die drei vergleichbaren Sentiment-Konstellationen folgte zunächst eine dreimonatige Seitwärtsbewegung und eine sich daran anschließende Aufwärtsbewegung von im Schnitt rund 18 Prozent. Wiederholt sich dieses Szenario, würde der Bitcoin im Oktober seinen Tiefpunkt erreichen, was sich mit der fundamental begründeten Analyse von Heibel deckt.
Er sagt daher: „Drei historische Vergleichswerte sind alles andere als eine signifikante Prognose. Dennoch ist es schön, wenn meine aus der Bitcoin-Analyse abgeleitete Erwartung mit der Sentiment-Analyse zusammenfällt.“
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Seit 2014 analysiert Stephan Heibel die Handelsblatt-Umfrage Foto: Matthias Martin, Berlin
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