Geldanlage: Banking mit Impact orientiert sich am falschen Ende des Marktes

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Geldanlage: Banking mit Impact orientiert sich am falschen Ende des Marktes

Geldanlage: Banking mit Impact orientiert sich am falschen Ende des Marktes

Milliarden Euro warten darauf, ein neues Sinnangebot zu erhalten. Aber das Thema grüne und soziale Geldanlage fehlt genau dort, wo es funktionieren würde: bei vermögenden Kunden.

Kolumnist Felix Oldenburg: Triodos gibt auf – wer holt das Geld der grünen Millionäre? Foto: Viktor Strasse, PR

Eine Freundin von mir hat ungewöhnliche Post bekommen. So wie aktuell 35.000 weitere Kunden der nachhaltigen Triodos Bank. Es sind Kündigungsschreiben. Die Bank gibt auf. In Deutschland könne man mit dem Angebot auf absehbare Zeit keine relevante Größe erreichen, teilt der Vorstand in dem Schreiben mit.

Daraus könnte man schließen, es gäbe in Deutschland nicht genug Nachfrage für grüne und soziale Geldanlagen. Die Wahrheit ist eine andere: Das Thema hat als Massengeschäft strukturelle Probleme. Aber es fehlt genau dort, wo es funktionieren würde: bei den vermögenden Kunden.

Triodos ist nicht allein. Bei den Kirchen haben Pax-Bank und Bank für Kirche und Caritas fusioniert. Die Digitalbank Tomorrow hat sich 2025 gesundgeschrumpft, ihr letzter Jahresabschluss ist trotzdem noch tiefrot. Die Kunden zücken die schöne Debitkarte aus Holz, legen Vermögen aber woanders an.

Das Anlageuniversum wird nach oben hin größer

Das Wachstum ist nicht das Problem. Der Nischen-Primus GLS Bank wächst zwar inzwischen auf 388.000 Kunden und 11,6 Milliarden Euro Volumen, verdient aber mit 24 Cent je 100 Euro Bilanzsumme nur ein Drittel von dem, was andere Genossenschaftsbanken schaffen.

Der Grund: Nachhaltigkeitsbanken müssen die gleichen Produkte wie alle anderen anbieten, finanzieren aber mit den Einlagen ein enges Universum an besonders sozialen oder ökologisch orientierten Unternehmen. Und diese Kredite und Beteiligungen sind oft kleiner und damit kostenintensiver als bei der konventionellen Konkurrenz.

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„Wir sehen wie in einem offenen Buch, wie es Deutschland geht“

Aus alledem zu schließen, ein positives Wirkungsversprechen ließe sich von Banken nicht wirtschaftlich abbilden, wäre ein katastrophaler Fehlschluss. Die Nachfrage ist mitten im größten Vermögenstransfer aller Zeiten groß. 80 Prozent der Gen Z und der Millennials planen mehr wirkungsorientierte Anlagen, hat Morgan Stanley gemessen. Besonders groß ist die Chance bei den Vermögenden, deren Zahl in Deutschland laut Capgemini 2025 um elf Prozent gewachsen ist.

In Deutschland gibt es neben den etablierten Privatbanken seit einigen Jahren erfolgreiche Wealth-Techs wie Liqid oder Finvia als digitales Multi-Family-Office. Ohne Impact-Mission. Im März habe ich in dieser Kolumne geschrieben, dass die Vermögensverwalter die Erbengeneration verlieren, im Juli, dass die Steuerberatung an den Mandanten vorbeiarbeitet, die ihr Geld für das Gemeinwohl einsetzen wollen.

Beide Male habe ich dieselbe Rückfrage erhalten, von Erben, von Beratern, einmal von einem Bankvorstand: Wo soll jemand hingehen, der über alle Anlageklassen hinweg gesellschaftliche Probleme lösen will? Bisher ist das noch ein blinder Fleck eines Marktes, der sonst jede Nische gleich mehrfach ausfüllt.

Die Nische funktioniert auch für kleine Anbieter

Dabei müsste es funktionieren. Ein Mandat über zehn Millionen Euro bringt bei einem Prozent Gebühr 100.000 Euro im Jahr. Dafür braucht die GLS Bank 1372 Kunden. Und das Wirkungsversprechen hört auf, eine Beschränkung zu sein, weil das Anlageuniversum nach oben hin größer wird: Private Markets, Direktbeteiligungen, Immobilien, dazu ernsthafte Philanthropie. Ein Berater bringt Wirkung dort unter, wo er sie für Kleinanleger gar nicht anbieten dürfte, und er sitzt auf keinem Einlagenüberhang.

Ein solches Haus müsste nichts erfinden. Es bräuchte alle Anlageklassen und das Geben an einem Tisch, eine Wirkungsmessung, die so verbindlich ist wie die Renditerechnung, und ein Honorar auf Beratung statt auf Produktvertrieb. Jeden dieser Bausteine gibt es in Deutschland, aber verteilt auf Anbieter, die nicht miteinander sprechen.

Anderswo gibt es das Angebot. Natürlich fallen zuerst UBS und LGT ein, die Impact und Philanthropie integrieren. Aber die Nische funktioniert auch für neuere und kleinere Anbieter wie Veris Wealth Partners in Oakland, die mit kleinem Team 2,9 Milliarden Dollar in knapp 2500 Depots verwalten, oder wie Tribe Impact Capital, die in London wachsen und gerade den Private-Markets-Spezialisten Snowball gekauft haben. Die Schweiz hat die Globalance Bank. Ob diese Häuser am Ende gutes Geld verdienen, weiß ich nicht. In Deutschland tritt in dieser Kategorie niemand an.

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Wer wagt es hier? Ich weiß, dass es schon Menschen gibt, die daran arbeiten. Profis, Talente und mögliche Kunden sollten sich jetzt vernetzen. Sonst wird ein Player aus London oder Zürich die Chance ergreifen. Oder es werden Milliarden liegen bleiben, die darauf warten, ein neues Sinnangebot zu erhalten. Beides wäre eine verpasste Chance für den deutschen Bankenplatz.

Erstpublikation: 14.08.2026, 04:00 Uhr.

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