Aus für das Gasnetz in Deutschland? Astronomische Kosten drohen – so viel kostet der Rückbau
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Das lange Ende des Heizungs-Streits: Den Stadtwerken drohen astronomische Kosten – mit Folgen für alle
Stand: 18.07.2026, 17:56 Uhr
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Schon die Ampel riet den Stadtwerken dazu, sich von ihren Gasnetzen zu verabschieden. Doch der Umbau der Wärmeversorgung könnte sehr teuer werden.
München – 530.000 Kilometer lang ist das Gasverteilnetz in Deutschland – eine Strecke mehr als zehnmal länger als die durchschnittliche Distanz zwischen Erde und Mond. Ein großer Teil davon gehört kommunalen Unternehmen und Stadtwerken. Rund 270 Milliarden Euro sei das Netz wert, schätzt der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches. Damit gehören die Gasnetze zu den wertvollsten Vermögen vieler Kommunen und Stadtwerke. Und dieser Wert war über Jahrzehnte eine sichere Bank. Doch die Ewigkeitsvermutung, die Überzeugung, dass die Netze immer Unternehmen und Bürger mit Gas versorgen werden, gilt nicht mehr.
Bis 2045 will Deutschland CO₂-neutral werden. Erdgas soll dann weder zum Heizen von Wohnungen noch als Grundstoff in der Industrie sein. Schon 2022 hatte Patrick Graichen (Grüne), damals Staatssekretär im Wirtschaftsministerium unter Parteifreund Robert Habeck, aufgefordert, die Gasverteilnetze „zurückzubauen“, also die Röhren aus dem Boden zu holen. Nach Auskunft der Bundesnetzagentur würden „viele Netzbetreiber eine Nachnutzungsmöglichkeit des vorhandenen kommunalen Gasverteilnetzes nicht prognostizieren“. Sprich: Sie gehen nicht davon aus, dass das Netz noch Nutzen hat. Perspektivisch könnten Wasserstoff, Biomethan oder andere klimaneutrale Gase zwar eine Nachnutzungsmöglichkeit eröffnen – aber in welchem Maße das passieren wird, sei nicht absehbar.
Gasnetze verlieren ihre bisherige wirtschaftliche Perspektive – so viel kostet der Rückbau
Ein großer Teil des Gasnetzes wird also nicht mehr benötigt werden, durch die verstärkte Nutzung von Wärmepumpen und Fernwärme soll die Zahl der Gaskunden sinken. Je weniger von ihnen es gibt, umso höher werden die Kosten für diejenigen, die weiter auf eine Gasheizung setzen oder keine Alternative haben: Je schneller die Zahl der Gaskunden sinkt, desto schwieriger wird die Finanzierung der bestehenden Netze. Auch für die Stadtwerke wird das Ende der Gas-Ära teuer.
Die Abdichtung der Gasnetze könne für jeden Kilometer bis zu 20.000 Euro kosten, heißt es in einer im Wissenschaftsverlag Elsevier veröffentlichten Studie aus dem Jahr 2021. Sollen die Leitungen abgefüllt und versiegelt werden, kann diese Summe auf bis zu 200.000 Euro steigen. Die Leitungen aus dem Boden zu holen, würde mit 280.000 Euro je Kilometer zu Buche schlagen.
Jahrzehntelang wurden die Gasnetze kontinuierlich modernisiert und erneuert. Nun stellt sich erstmals die Frage, welche Teile überhaupt noch ersetzt und welche bis zur Stilllegung weiterbetrieben werden. Die Bundesnetzagentur hat mit den „KANU-2.0“-Regeln den Stadtwerken die Möglichkeit gegeben, die Gasnetze flexibel abzuschreiben, auch über das Jahr 2045 hinaus. Zu den Stadtwerken mit den größten Gasnetzen in Deutschland gehören die Stadtwerke München (SWM) und Mainova, die Stadtwerke Frankfurts.
Die SWM besitzen in der Region München 6400 Kilometer Gasleitungen, bei der Mainova sind es 4500 Kilometer. Darüber, wie sie die Netze abschreiben, wollen beide Unternehmen keine Auskunft geben. Noch wissen weder die SWM noch Mainova, welche Teile ihrer Netze künftig Wasserstoff oder Biogas transportieren werden: Die SWM prüft die Wasserstoffverträglichkeit ihres Gasnetzes.
Ende des Gasnetzes könnte für Stadtwerke teuer werden – und das würden die Bürger spüren
„Grundsätzlich können bestehende Erdgasnetze umgerüstet werden. Wir gehen davon aus, dass Leitungen zunächst weiterhin mit 100 Prozent Erdgas und perspektivisch mit 100 Prozent Wasserstoff betrieben werden“, erklären die Stadtwerke. Viele der zukünftigen Wasserstoffkunden seien heute im Erdgasverteilnetz angeschlossen und würden im Fall einer Umstellung auf Wasserstoff auch weiterhin über diese Netzstruktur versorgt. Doch wird es davon in Zukunft überhaupt genug geben?
Viele Unternehmen wie E.ON und RWE haben sich längst von vielen ihrer Wasserstoffprojekte verabschiedet. Der Bundesrechnungshof ging in einem 2025 veröffentlichten Bericht davon aus, dass Wasserstoff, vor allem wenn er mit erneuerbarer Energie im Elektrolyseverfahren hergestellt wird, mittelfristig knapp und teuer bleiben wird. Er weist zudem darauf hin, dass er als indirektes Treibhausgas hochgradig klimaschädigend sei.
Die Stadtwerke sind wirtschaftlich für die Städte und ihre Bürger wichtig. Sie sind nicht nur für die Daseinsvorsorge zentral, also dafür, dass in den Wohnungen Strom fließt und es im Winter warm ist: Sie führen auch ihre Gewinne ab und sorgen so dafür, dass Kitas gebaut, Theater betrieben und Parks gepflegt werden können. Massiven wirtschaftlichen Druck, werden sie aber nicht alleine tragen können: Die Kämmerer werden das durch geringere Einnahmen und die Bürger durch höhere Kosten zu spüren bekommen.
Egal, wie die Abschreibung geregelt wird und welche Teile der Netze weiter genutzt werden können: Die Summen, um die es beim Ende der Gas-Ära geht, sind astronomisch, und die Bürger und ihre Städte werden am Ende für sie aufkommen müssen. (Quellen: Verband der kommunalen Unternehmen, Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches, SMW, Mainova, Bundesrechnungshof, Elsevier, eigene Recherchen)