Das ist kein "Ausnahmejahr", Herr Minister. Das ist die Zukunft!
Alicia Prager Das ist kein "Ausnahmejahr", Herr Minister. Das ist die Zukunft! Die Extreme werden weiter zulegen. Die verheerenden Folgen der Dürre und der Hitze zeigen, dass ein Weiter wie bisher läng...
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Alicia Prager
Das ist kein "Ausnahmejahr", Herr Minister. Das ist die Zukunft!
Die Extreme werden weiter zulegen. Die verheerenden Folgen der Dürre und der Hitze zeigen, dass ein Weiter wie bisher längst nicht mehr funktioniert
Kommentar
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Alicia Prager
"2026 ist ein absolutes Ausnahmejahr", erklärt Landwirtschafts- und Klimaminister Norbert Totschnig (ÖVP) in einer Aussendung zu Notfallmaßnahmen für die Landwirtschaft, die vor einer "historischen Belastungsprobe" stehe. Und es stimmt: Bedingungen wie diese sind in Österreich neu. Die Landwirtschaft kämpft mit verheerenden Folgen der Dürre, Felder vertrocknen, Betriebe erzählen bereits von Notschlachtungen, weil es nicht mehr genug Futtermittel gibt. Auch die Stromversorgung steht vor gewaltigen Herausforderungen – während in Ungarn und Rumänien Atomkraftwerke aufgrund des Niedrigwassers herunterfahren, liefert in Österreich die Wasserkraft um rund ein Drittel weniger Strom als in anderen Jahren. Längst gefährdet die Hitze sogar Menschenleben, allein im Juni starben fast 400 Menschen aufgrund der hohen Temperaturen.
Von einem "absoluten Ausnahmejahr", wie es der Minister formuliert, wird in Zukunft allerdings keine Rede mehr sein können. Ganz im Gegenteil, die Extreme werden nur weiter zulegen. Aktuell steht Österreich bei einer Erhitzung von 3,1 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit. Bis Ende des Jahrhunderts wird diese – beim aktuellen Stand globaler Klimaschutzmaßnahmen – auf mehr als fünf Grad ansteigen. Entsprechend werden sich auch Wetterextreme weiter deutlich zuspitzen.
Trotz alldem ist Österreich sowohl beim Klimaschutz als auch bei der Anpassung noch immer viel zu langsam. Eine der effektivsten Maßnahmen gegen die Dürre wäre die Renaturierung: Intakte Ökosysteme können wie Schwämme Wasser speichern. Von einem gesünderen Umfeld würde auch die Landwirtschaft massiv profitieren – genauso wie von einer stärkeren Unterstützung für den Aufbau von Humus, für mehr Bäume und Hecken oder für vielfältigere Fruchtfolgen. Von Österreichs Plan für die Wiederherstellung der Natur, der eigentlich bis September in Brüssel abgeliefert werden muss, liegen allerdings bisher nur einige Grundrisse vor.
Verbrenner muss Auslaufmodell bleiben
Man würde meinen, dass Dürren wie die jetzige zu deutlich mehr Anstrengung im Klimaschutz führen. Fehlanzeige. In der EU setzte sich Österreich zuletzt dafür ein, den Emissionshandel aufzuknüpfen. Bei der Methanverordnung war Österreich unter den Ländern, die auf den Druck der USA hin eine Aussetzung forderten. Dabei könnte das Gesetz eine schnelle und globale Verringerung der Methanemissionen in der Öl- und Gasindustrie bringen. Beim Stopp für den Verkauf von Neuwagen mit Verbrennungsmotor verhandelt die Koalition derzeit intern ihre Position, für die sie sich in Brüssel einsetzen will. Gerade vor dem Eindruck dieses "Ausnahmejahrs" wäre das einzig Vernünftige, dass der Verbrenner – wie eigentlich bereits vereinbart – ein Auslaufmodell bleibt. Stattdessen müsste der öffentliche Verkehr noch deutlich gestärkt werden.
Innerhalb Österreichs fehlt das Klimagesetz weiterhin und während der Regierung in der Energiegesetzgebung zuletzt einige Durchbrüche gelangen, erzählen Windkraftbetreiber von gewaltigen Hürden, die ihnen nach wie vor in den Weg gelegt werden.
Die aktuelle Dürre zeigt deutlich, was auf dem Spiel steht. 2026 wird kein Ausnahmejahr bleiben. Klima- und Umweltschutz können kein "Nice to have" mehr sein – spätestens jetzt müsste klar sein, dass es ohne einfach nicht mehr geht. (Alicia Prager, 4.8.2026)
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