Ferragosto in Rom: Die Stadt schweigt und geniesst die Ruhe
Darüber spricht Rom: Endlich mal Ruhe!In der Woche des Ferragosto hält die ewige Stadt den Mund. Die meisten Geschäfte, Restaurants und Büros sind zu. Und wer zurückgeblieben ist, geniesst den Leerlauf.Almut Si...
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Darüber spricht Rom: Endlich mal Ruhe!
In der Woche des Ferragosto hält die ewige Stadt den Mund. Die meisten Geschäfte, Restaurants und Büros sind zu. Und wer zurückgeblieben ist, geniesst den Leerlauf.
Almut Siefert23.08.2026, 05.30 Uhr
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Bei knapp 40 Grad jeden Tag sind in Rom nur noch Touristen an den grossen Sehenswürdigkeiten wie dem Forum Romanum unterwegs.
Guglielmo Mangiapane / Reuters
Ungefähr so muss sich das Kaiser Augustus vorgestellt haben, als er eine Zeit der Erholung nach der Ernte einführte, die «feriae Augusti»: endlich mal Ruhe in Rom. Das war im Jahr 18 vor Christus, aber Ferragosto hat sich gehalten. Spätestens seit dem 15. August, Mariä Himmelfahrt, haben gefühlt 80 Prozent der Restaurants, Bars und Geschäfte in Rom geschlossen – und Rom spricht: über nichts. Die ewige Quatsch- und Drängeltante hält den Mund.
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Oder halt: Nur an den absoluten Tourismus-Hotspots wie rund um den Trevi-Brunnen oder die Spanische Treppe sind dieser Tage noch Menschentrauben anzutreffen. Gesprächsfetzen auf Deutsch, Englisch, Spanisch oder Französisch, die durch die Gassen hallen, haben alle den gleichen Inhalt: «Wo bekommen wir denn etwas zum Essen?»
Nirgendwo. «Chiuso per ferie» – wegen Ferien geschlossen. Dieses Schild hängt in Rom derzeit an den meisten Caffè-Bars und Restaurants. Und nicht nur die machen Pause: Auf dem täglichen Gemüsemarkt des Wohnviertels, wo sonst in drei Reihen lautstark die Ware feilgeboten wird, ist nur noch ein einzelner tapferer Mensch mit seinem Stand da. Die Busse, die wegen des fehlenden Verkehrs tatsächlich auch kommen, sind angenehm leer. Selbst an der Apotheke ums Eck hängt der Hinweis, dass in diesen Tagen die Türe geschlossen bleibe.
Die Römer sind am Strand, statt Hupen und Vespa-Geknatter hört man das Zirpen der Grillen in der Stadt. Wenn nicht gerade die Müllabfuhr durch die Strassen rumpelt. Der Hitze wegen passiert das nun am frühen Morgen gegen vier, manchmal gar um zwei Uhr. Dann ist wieder Ruhe. Und so hat die zweite Augusthälfte in Rom ihre eigene Magie. «Wie als Kind, wenn die letzte Phase der Sommerferien begann», sagte eine Freundin neulich und beschrieb das Gefühl mit den treffenden Worten: «Ein bisschen Wehmut, aber auch ein bisschen Motivation, im nächsten Schuljahr alles besser machen zu wollen.»
Immerhin hat das Fitnessstudio seit Montag schon wieder geöffnet – allerdings nur beschränkt und ohne das übliche Kursangebot. Statt hektisch anfeuerndes Disco-Geklimper kommt entspannte Musik aus den 1980er Jahren aus den Lautsprechern. Der Saal mit den Fitnessgeräten ist menschenleer.
«Der August ist der beste Monat im Jahr in Rom», sagt Marina, eine Kulturmanagerin. «Nichts hat offen, alle sind weg – es ist wie den Computer herunterzufahren.» Anders als bei einem Sommer am Strand habe sie deshalb bei einem Sommer in Rom auch keine Angst, irgendetwas zu verpassen, meint die 43-Jährige. «Fomo», abgekürzt für «fear of missing out», heisst diese Zivilisationskrankheit im Zeitalter von Tiktok und Instagram. Im Rom des Ferragosto muss niemand neidisch auf den anderen sein. Jeder hat es und ist gleich ruhig. Für einmal.
Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»
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