„Dann bringe ich einen Sonnenschirm mit“: Urlauber genervt von neuer Strandregel in Portugal

tzWeltStand: 18.07.2026, 18:34 UhrKommentareUns auf Google folgenWer teuer für eine Strandliege zahlt, schaut jetzt gegen eine Wand aus fremden Sonnenschirmen. Portugals neue Auslegung einer Strandregel sorgt f...

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„Dann bringe ich einen Sonnenschirm mit“: Urlauber genervt von neuer Strandregel in Portugal

Stand: 18.07.2026, 18:34 Uhr

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Wer teuer für eine Strandliege zahlt, schaut jetzt gegen eine Wand aus fremden Sonnenschirmen. Portugals neue Auslegung einer Strandregel sorgt für Zoff.

Nazaré – Portugal zählt seit Jahren zu den gefragtesten Sommerzielen Europas: Mildes Klima, kilometerlange Atlantikstrände und eine Küste, die von der Algarve bis zur Alentejo-Region reicht, locken jeden Sommer Millionen Urlauber ins Land. Gerade die gut ausgebauten Badeorte im Süden gelten als verlässliches Ziel für alle, die Sonne, Meer und Ruhe suchen.

Hitze in Portugal

Sonnenschirm-Streit in Portugal: Gratis-Schirme sind nun direkt vor kostenpflichtigen Badebuden erlaubt. © Pedro Fiuza/picture alliance/dpa

Ausgerechnet dieser Ruf steht nun infrage. Eine Klarstellung der Umwelt- und Energieministerin Maria da Graça Carvalho zur Nutzung der Strände hat eine Debatte losgetreten, die sich in den vergangenen Wochen an mehreren Küstenabschnitten in offenen Streit zwischen Urlaubern verwandelt hat.

Mitten in der Badesaison: Neue Auslegung der Strandregeln in Portugal sorgt für Streit unter Urlaubern

Im Zentrum steht eine Fläche, die an vielen Stränden lange als Tabuzone galt: der Bereich direkt vor den lizenzierten Strandbuden, in dem eigene Sonnenschirme bislang nicht geduldet wurden. Über Jahre hatte sich dort die stillschweigende Annahme durchgesetzt, dass nur zahlende Gäste der Buden diesen Platz nutzen dürfen. Eine gesetzliche Grundlage dafür gab es allerdings nie.

Ausgelöst wurde die aktuelle Debatte laut Euronews durch eine Äußerung des Präsidenten der Umweltagentur APA, José Pimenta Machado. Er bezeichnete es als unzulässig, Badegästen das Aufstellen eigener Schirme außerhalb der Konzessionsflächen zu untersagen. Er stellte anschließend klar, dass eine Konzessionsfläche exakt begrenzt sei und höchstens 30 Prozent der nutzbaren Strandfläche sowie 50 Prozent der Strandfront einnehmen dürfe. Alles, was außerhalb dieser Grenze liege, sei demnach frei zugänglich – unabhängig davon, ob jemand für einen Liegeplatz bezahle oder nicht. Umwelt- und Energieministerin Maria da Graça Carvalho sah das genauso.

„Sehe das Meer nicht mehr“: Badebuden-Mieter schauen nun auf Sonnenschirme

Besonders greifbar wird der Konflikt im mittelportugiesischen Badeort Nazaré, einem der bekanntesten Ferienorte an der Atlantikküste. Dort reihen sich entlang des Strandes zahlreiche Badebuden aneinander, für die Feriengäste wochenweise Miete zahlen. Nach Angaben einer Urlauberin gegenüber dem Schweizer Sender SRF liegt der Preis für eine Bude bei umgerechnet rund 97 Euro pro Woche. Dass private Sonnenschirme auch in den bislang freigehaltenen Bereichen vor den Buden erlaubt sind, stößt auf Unmut.

„Von meiner Badebude aus sehe ich das Meer nicht mehr. Alles ist voller Sonnenschirme. Während wir hier teuer bezahlen, zahlen die mit ihren Sonnenschirmen gar nichts“, erklärt Urlauberin Regina Almeida. Ihre Nachbarin, die die genannte Wochenmiete entrichtet, kündigte an, künftig ebenfalls selbst vorzusorgen: „Wenn das so ist, bringe ich das nächste Mal einen Sonnenschirm mit und mache es mir am Meer bequem. Und die 97 Euro spare ich auch noch.“

Der Bürgermeister von Nazaré, Serafim Silva, sieht die Aufregung gelassener. Er verweist darauf, dass der Ort über lange, breite Strandabschnitte mit ausreichend Platz für alle Gäste verfüge, und hält die aktuelle Debatte für überzogen. Anders als an Teilen der Algarve blieb es in Nazaré bislang bei verbalen Auseinandersetzungen, ohne dass die Polizei eingreifen musste.

Neue Strandkarten an den Zugängen sollen künftig für klare Zonen sorgen

Um die Situation zu entschärfen, hat die portugiesische Regierung nach einem Treffen mit Bürgermeistern aus der Algarve und aus Grândola ein neues Kennzeichnungssystem beschlossen, berichtet Euronews. An den Zugängen der betroffenen Strände sollen künftig Karten angebracht werden, die vier Bereiche unterscheiden: Konzessionsflächen, Durchgangswege, Sicherheitszonen etwa rund um Rettungsposten und Dünen sowie frei nutzbare Flächen für private Sonnenschirme.

Die konkrete Abgrenzung legen die jeweiligen Gemeinden fest, jede Karte muss jedoch von der Maritimen Behörde und der Umweltagentur APA genehmigt werden. Ministerin Carvalho betonte, dass sich an den bestehenden Regeln inhaltlich nichts ändere. Die Obergrenzen von 30 Prozent Strandfläche und 50 Prozent Strandfront für Konzessionen blieben bestehen. Weil die Badesaison bereits läuft, wurden die Kommunen gebeten, die neue Beschilderung so schnell wie möglich umzusetzen.

Auch Italien reguliert seine Strände neu: Auf Sardinien sind Schirme nur für wenige Gruppen erlaubt

Auch in Italien greifen Kommunen zunehmend in die Nutzung ihrer Strände ein, um dem wachsenden Andrang zu begegnen. Am Punta Molentis im Südosten Sardiniens gilt seit Anfang Juni eine strikte Vorgabe: Eigene Sonnenschirme dürfen dort nur noch Familien mit Kindern unter zehn Jahren sowie Personen ab 65 Jahren aufstellen, und das auch nur in Höhe von einem Exemplar pro Familie. Zusätzlich wird für den Zugang eine Gebühr von zehn Euro pro Person fällig, die Besucherzahl ist auf 150 Personen gleichzeitig und 70 Fahrzeuge pro Tag begrenzt.

Die Gemeinde begründet die Maßnahme mit dem Schutz des Küstenökosystems, das bei einem Brand im Sommer 2025 stark beschädigt worden war. Andere italienische Orte gehen andere Wege: In Jesolo bei Venedig wurde die Zahl der Liegen und Schirme reduziert, um mehr Abstand zwischen den Badegästen zu schaffen. (Quellen: SRF, Euronews) (jaka)