„Daily Mail“ fordert von Prinz Harry und anderen 34 Millionen Pfund

Telefon-Hacking konnte Prinz Harry nicht nachweisen und verwickelte sich in Widersprüche. Nun sollen der Prinz, Elton John und andere der „Daily Mail“ mehr als 34 Millionen Pfund Prozesskosten erstatten.

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„Daily Mail“ fordert von Prinz Harry und anderen 34 Millionen Pfund

Die spektakulär verlorene Klage von Prinz Harry und anderen Prominenten gegen die Zeitung „Daily Mail“ wegen vermeintlich abgehörter Telefone hat für die Kläger ein teures Nachspiel. Die britische Zeitung verlangt jetzt die Erstattung von mehr als 34 Millionen Pfund (gut 40 Millionen Euro) für die Kosten des Rechtsstreits, teilte das Verlagshaus Associated Newspaper dem Londoner High Court mit. Diese Summe übersteigt die Rechtsschutzversicherung von Prinz Harry, Elton John, Elizabeth Hurley, Lady Lawrence und den drei anderen Klägern bei Weitem. Sie seien zusammen mit 16,2 Millionen Pfund versichert gewesen, teilten sie dem Gericht mit. Zusätzlich geraten die gescheiterten Kläger unter Druck, weil sie zehn Millionen Pfund schon innerhalb von zwei Wochen zahlen sollen.

Mit ihrer Klage gingen Prinz Harry und seine Mitstreiter ein hohes Risiko ein. Sie behaupteten, Journalisten der „Mail“ hätten über viele Jahre ihre Telefone gehackt, Privatdetektive für gesetzwidrige Beschattungen angeheuert und Bestechungsgelder gezahlt, um illegal an Informationen zu gelangen. Dabei bezogen sie sich auf 55 Artikel aus den Jahren 1997 bis 2015. Doch das Gericht überzeugten sie nicht. Der Richter Matthew Nicklin vom High Court wies die Klage Anfang Juli ziemlich barsch als unbegründet ab.

Die Kläger hätten keine stichhaltigen Beweise für ihre Behauptungen geliefert, führt das Gericht in der 436 Seiten starken Urteilsbegründung aus. Im Zeugenstand schweifte Harry ab und erging sich in Spekulationen und Mutmaßungen. Teils verhedderten sich die Kläger in Widersprüche. Harry etwa beteuerte, er sei nie mit Journalisten befreundet gewesen. Dann tauchten Facebook-Flirts mit einer damaligen Klatschreporterin der „Mail on Sunday“ auf. Sie nannte ihn neckisch „Mr Mischief“ (in etwa „Herr Schlawiner“), und er antwortete: „Ich vermisse unsere Kuschelei im Kino.“

Schlecht sah es auch aus, als der Prinz im Zeugenstand behauptete, er sei „nie“ beim Karneval gewesen – der Anwalt von Associated Newspapers verwies auf die Stelle in seinem Buch, wo Harry einen Karnevalsbesuch beschreibt. All das untergrub seine Glaubwürdigkeit. Auch einige vermeintliche Beweise führten in die Irre. Bei einer angeblichen Bestechungszahlung des Verlags, die die Kläger behaupteten, saßen sie offenbar einer Namensverwechslung auf.

Der Verlag jubelt über „Sieg für die Pressefreiheit“

Während das Konstrukt der Kläger im Laufe der 46 Prozesstage immer mehr Risse bekam, machten die Journalisten im Zeugenstand offenbar einen sehr guten Eindruck auf das Gericht. Richter Nicklin lobte einzelne „Mail“-Journalisten als „beeindruckend“, „ehrlich“ und „offen“. Paul Dacre, der langjährige Chefredakteur von Associated Newspapers, sei „entschlossen“ und „aufrichtig“ gewesen. Nach dem Urteil jubelte Dacre über einen Sieg für die Pressefreiheit.

Für Harry bedeutet es hingegen einen schmerzhaften Rückschlag in seinem Feldzug gegen die Boulevardpresse, der in früheren Fällen gravierende Grenzüberschreitungen und Gesetzesbrüche nachgewiesen wurden. Einen Prozess gegen den linksliberalen „Mirror“ gewann er vor zwei Jahren. Der Verlag gab Telefon-Hacking zu und zahlte 140.000 Pfund Entschädigung. Auch der Verlag der „Sun“ aus dem Medienimperium von Rupert Murdoch gestand Fehlverhalten ein; man einigte sich außergerichtlich auf eine „erhebliche“ Summe.

Doch an der „Daily Mail“ hat sich der nach Amerika ausgewanderte Prinz nun die Zähne ausgebissen. Voller Wut nannte er das Urteil einen „vollständigen und offensichtlichen Persilschein“. Eine andere Klägerin bezeichnete den Richterspruch als „verrückt“. Die hemmungslose Richterschelte könnte ihnen noch auf die Füße fallen, wenn das Gericht entscheidet, wie viel der Kosten die sieben Kläger bezahlen müssen.