CSU und Freie Wähler planen Bayernjahr für sechs bis sieben Monate
StartseiteBayernStand: 01.09.2026, 18:02 UhrKommentareUns auf Google folgenErfahrung fürs Leben: Neben einem Sozialmodul sollen auch Sicherheit, Wirtschaft und Umwelt zur Auswahl stehen – und kombiniert werden ...
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Stand: 01.09.2026, 18:02 Uhr
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Die Regierungsfraktionen wollen FSJ, FÖJ und Bundesfreiwilligendienst unter einem Dach bündeln. Neu ist ein Modul für Praktika in Betrieben – auch im Handwerk und Mittelstand.
München – Es soll im Idealfall die bayerische Blaupause zur Einführung eines bundesweiten Gesellschaftsjahres sein. Ein Bayernjahr wollen CSU und Freie Wähler im Landtag gemeinsam entwickeln und umsetzen. Auch wenn es streng genommen zunächst eher um ein gutes halbes Jahr geht.
Die Idee stammt aus der CSU-Fraktion und erblickte vor rund einem Jahr im Rahmen der Klausur in Kloster Banz das Licht der Öffentlichkeit. Nun gibt es einen Antrag. Geplant ist eine freiwillige Gesellschaftszeit, die auf bestehenden Strukturen aufbaut. Denn neben dem Freiwilligen Wehrdienst gibt es bereits die Möglichkeit eines Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ), eines Freiwilligen Ökologischen Jahres (FÖJ) oder des Bundesfreiwilligendienstes (BFD). All diese Angebote sollen unter dem Dach des Bayernjahres vernetzt, gebündelt und weiterentwickelt werden. „Das Angebot richtet sich explizit an alle Altersgruppen und kann ebenso einen Beitrag zur Integration von Zugewanderten liefern“, heißt es im Antrag. Es soll zudem Raum für Flexibilität lassen, sodass „Teilnehmer auch über die vorgeschlagenen sechs oder sieben Monate hinaus Dienst leisten können“ – und verschiedene Gesellschaftsbereiche kennenlernen. Wer Interesse hat, soll sich über ein zentrales Portal informieren und anmelden können.
„Ein Bayernjahr ist gleichzeitig auch eine Orientierungszeit für junge Menschen nach dem Schulabschluss“, sagt Klaus Holetschek – und nimmt gleichzeitig die Bürger in die Pflicht. „Frag nicht nur was Bayern für dich tut, sondern was du für Bayern tun kannst“, wandelt der CSU-Fraktionschef ein Kennedy-Zitat ab.
Bernhard Pohl betont, dass seine Freien Wähler bereits vor 13 Jahren den Vorschlag eines verpflichtenden Gesellschaftsjahres gemacht hätten. Seither sei viel diskutiert worden, aber auf Bundesebene nichts geschehen, sagt der Fraktionsvize. Das Bayernjahr könne nun auf dem Weg zu einem Gesellschaftsjahr zum „Best-Practice-Beispiel“ für ganz Deutschland werden. Pohl spricht sich dafür aus, es innerhalb der nächsten sechs Monate „parlamentarisch aufs Gleis zu setzen“. In ein bis eineinhalb Jahren könnte es dann schon losgehen, prognostiziert Holetschek.
Vier Module soll es geben: Sicherheit, Soziales, Wirtschaft und Umwelt. Neu ist, dass das Angebot auch für Praktika in Betrieben gelten soll – „insbesondere im Handwerk, Mittelstand, in der Industrie und bei den bayerischen Start-up-Institutionen“, steht im Antrag. Bertram Brossardt, Chef der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, hält das für eine gute Idee, auch weil kaum zusätzlicher Bürokratieaufwand entstehe. „Wir und ich persönlich werden alles dafür tun, dass das Konzept auch klappt.“
Auch aus den anderen Modul-Bereichen kommen grundsätzlich positive Rückmeldungen. Der Vorsitzende des Landesfeuerwehrverbands erhofft sich Zulauf. „Wer einmal erlebt, was es bedeutet, für andere da zu sein, der bleibt oft dabei“, sagt Johann Eitzenberger. Er betont zudem, dass die Resilienz einer Gesellschaft davon profitiere.
„Die Caritas in Bayern begleitet bereits heute viele junge Menschen im FSJ und im Bundesfreiwilligendienst“, sagt Landesdirektor Andreas Magg. Seine Erfahrung ist, dass das „die Persönlichkeit von jungen Menschen extrem stärkt, bei der Berufswahl hilft und gleichzeitig die Gesellschaft positiv beeinflusst“. Er stellt allerdings auch heraus, dass es finanzielle Unterstützung brauchen werde, wenn das Angebot ausgebaut werden soll.
Hier setzt die Kritik der Grünen im Landtag an. Es mangele nicht an der Bereitschaft junger Menschen, Verantwortung zu übernehmen, sondern an einer verlässlichen Finanzierung der Dienste, so Florian Siekmann. „Mit einer Million aus dem Spielgeld der Regierungsfraktionen lässt sich die Zahl der Freiwilligen nicht verdoppeln. Im Rahmen der vorhandenen Mittel, wie es im Antrag heißt, schon gleich gar nicht.“
Um das Angebot über Taschengeld, Praktikumsgehalt oder Sold hinaus attraktiv zu machen, setzen CSU und Freie Wähler auch auf die Träger „etwa durch die Anerkennung bei der Studienplatz- oder Wohnraumvergabe oder über die freiwillige Übernahme von Führerscheinkosten, Bahntickets oder Kulturgutscheinen“. Am Ende soll es ein Zertifikat als Qualifikationsnachweis geben. „Das kann ein Gütesiegel sein im Lebenslauf“, sagt Holetschek.